Als Jurist im öffentlichen Dienst

von Lisa Fleischmann

Kein anderer juristischer Arbeitsbereich vereint in sich so viele unterschiedliche Berufsbilder wie der öffentliche Dienst – diese sind lediglich verbunden durch den Status des Beamten, bzw. Tarifbeschäftigen und der Leitmotive von Bürgerorientierung, Qualität und Wirtschaftlichkeit des Handelns (laut Definition des Innenministeriums).

Auf Bundes-, Länder- und Kommunalebene fächert sich der juristische Einsatzbereich im unmittelbaren und mittelbaren Staatsdienst in folgende Gebiete auf: Arbeit an Gerichten und Staatsanwaltschaften sowie in Behörden, Politik und Verwaltung, beispielsweise Universitäten, dem Bundesnachrichtendienst, Bundeskartellamt, Bundeskriminalamt oder dem Auswärtigen Amt.

Wir möchten Ihnen die juristischen Einsatzbereiche im öffentlichen Dienst hier im Überblick vorstellen:

Gerichte und Staatsanwaltschaften

Eine Tätigkeit als Richter, Staatsanwalt oder Rechtspfleger ist durch stetig neue Fälle und direkte Volksnähe sehr spannend und abwechslungsreich, gleichzeitig anspruchsvoll. Um Straftaten zu verfolgen und als Vertreter der Anklage zu fungieren, benötigen Staatsanwälte eine gute Portion Überzeugungskraft und Durchsetzungsvermögen, sowie ausgefeilte Rhetorik und hohe Belastbarkeit. Rechtspfleger hingegen arbeiten dem Richter zu, erarbeiten selbstständig Entscheidungen und erledigen an sie delegierte Arbeiten. Sie müssen dabei keine Volljuristen sein, sondern durchlaufen meist ein eigenes dreijähriges Fachstudium. Mit der finalen Rechtssprechung betraut ist der Richter; er benötigt neben Entscheidungsfreude und zwei Prädikatsexamina eine gute juristische Allgemeinbildung, da von ihm sowohl Zivil- als auch Strafrechtsexpertise erwartet wird. Innerhalb des gesetzlichen Rahmens haben sie Ermessensfreiheit bezüglich des Strafmaßes.

Behörden

Ein Verwaltungsjurist in Ministerien und Landratsämtern erfüllt eine rechtsberatende, gestaltende und verwaltende Funktion bei den Behörden des Bundes, der Länder oder der Gemeinden. Voraussetzung ist hierbei mindestens eine juristische Staatsprüfung, sowie die Fähigkeit zur verantwortungsbewussten Bearbeitung komplexer Sachverhalte. Ein Jurist in Politikkreisen arbeitet hingegen Abgeordneten und Fraktionen zu, erstellt Rechtsgutachten und Plenarreden. Kenntnis von politischen Entscheidungsfindungsprozessen und Kompromissfähigkeit sind hierbei unerlässlich.

Lehre und Forschung

Einen wertvollen Dienst für die Gesellschaft leisten Juristen im Universitätsbetrieb, welcher eine landesunmittelbare Körperschaft des öffentlichen Rechts darstellt. Als Professoren übernehmen sie die Ausbildung des juristischen Nachwuchses. Neben Promotion und Habilitation brauchen sie Teamführungsfähigkeiten, um ihre Studenten für die komplexen Studieninhalte zu begeistern. Aufgrund mancher Sonderprivilegien werden sie gelegentlich als „Edelbeamte“ bezeichnet.

Bundesnachrichtendienst

Als eine dem Bundeskanzleramt unterstellter Bundesbehörde ist der BND einer von drei deutschen Nachrichtendiensten und als einziger deutscher Geheimdienst zuständig für die Auslandsaufklärung. Als Volljuristen erwarten einen hier allerdings keine actionreichen Spionageaufträge, sondern vielmehr konzeptionelle, administrative und verwaltungsnahe Aufgaben in Stabsfunktionen. Man sollte analytisch und zielorientiert arbeiten und Interesse an globalen politischen und wirtschaftlichen Zusammenhängen sowie Datenschutzfragen haben. Gelegentliche Dienstreisen im In- und Ausland sollten kein Problem darstellen, außerdem ist eine deutsche Staatsbürgerschaft unabdinglich.

Bundeskartellamt

Ein weiterer Arbeitgeber mit nationalem und internationalem juristischen Bezug ist das Bundeskartellamt, eine dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie zugeordnete, selbstständig arbeitende Bundesoberbehörde. Die in Bonn beheimateten Wettbewerbshüter sind in den Bereichen Kartellbekämpfung, Missbrauchsaufsicht und Fusionskontrolle tätig. Die ein Drittel der Mitarbeiter ausmachenden Juristen benötigen nach zwei überdurchschnittlichen Examina primär Kenntnisse im Kartell- und Wirtschaftsrecht, außerdem gute Englischkenntnisse, da durch Abordnung zur Europäischen Kommission oder OECD die Möglichkeit besteht, internationale Luft zu schnuppern.

Bundeskriminalamt

Die oberste Polizeibehörde des Bundes, dem Bundesinnenministerium unterstehend, setzt bei ihrem Führungsnachwuchs besonders gerne auf Juristen. Von diesen werden zumindest zwei befriedigende Examina erwartet. Ihr Einsatzgebiet kann sich vom Verwalter bis zum höheren Polizeivollzugsdienstes erstrecken.

Auswärtiges Amt

Die Zentrale des Außenministeriums verlangt von einem Juristen im diplomatischen Dienst die erste juristische Staatsprüfung und logischerweise deutsche Staatsangehörigkeit. Im Gegensatz zu den meisten anderen Stellen im öffentlichen Dienst wird diese begehrte, doch rare Position als eher familienunfreundlich wahrgenommen, damit den vielseitigen konsularischen Tätigkeiten alle drei bis vier Jahre eine weltweite Versetzung innerhalb deutscher Auslandsvertretungen auf allen Kontinenten einhergeht. Juristische Inhalte spielen eher in den hauseigenen Rechtsabteilungen die Hauptrolle, Diplomaten müssen zur Pflege von auswärtigen Beziehungen vor allem mehrsprachig, teamfähig, belastbar und tropentauglich sein.

Juristen im öffentlichen Dienst: Jobsicherheit und familienfreundliche Arbeitszeitgestaltung

Die weiteren Vorzüge eines öffentlichen Dienstverhältnisses bestehen unzweifelhaft aus der Jobsicherheit, der meist familienfreundlichen Arbeitszeitgestaltung, soliden staatlichen Pensionsansprüchen und der Befreiung von Sozialversicherungspflichten.

Zudem verbessern sich derzeit für Stellensuchende die Chancen auf einen Berufseinstieg dadurch, dass viele Mitarbeiter im öffentlichen Dienst das Pensionsalter erreicht haben.

Foto oben: Pixabay

Quelle BECK Stellenmarkt 20/2014