Im Einsatz für offene Märkte und einen fairen Wettbewerb

Bundeskartellamt in Berlin
von Markus Zeise, LL.M.

Das Bundeskartellamt ist eine unabhängige Wettbewerbsbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz. Die Behörde mit Sitz in Bonn hat ca. 415 Beschäftigte, davon rund die Hälfte mit rechts- bzw. wirtschaftswissenschaftlicher Ausbildung. Aufgabe des Bundeskartellamts ist die Sicherung des Wettbewerbs in Anwendung und Durchsetzung des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB).

Berufseinstieg und Mentoring

Juristinnen und Juristen erwartet im Bundeskartellamt eine Vielzahl von abwechslungsreichen, vielschichtigen und interessanten Aufgaben. Neue Kolleginnen und Kollegen erfahren vom ersten Tag an ein hohes Maß an selbstständigem und entscheidungsorientiertem Arbeiten. Adressatinnen und Adressaten sind dabei Führungskräfte der Wirtschaft, Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte, Behördenvertreterinnen und -vertreter aus dem In- und Ausland sowie Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Politik.

Der Karriereweg im Bundeskartellamt beginnt in der Regel in einer der 13 Beschlussabteilungen als Referentin oder Referent. Neueinsteigerinnen und Neueinsteiger bekommen für eine sechsmonatige Einarbeitungszeit zunächst eine Mentorin oder einen Mentor zur Seite gestellt, welche bzw. welcher die fachliche Einarbeitung und Betreuung übernimmt (sog. Einführungsbeisitzende). Schon in diesem Stadium macht sich die interdisziplinäre Arbeitsweise im Bundeskartellamt bemerkbar: So hat die oder der Einführungsbeisitzende bei Juristinnen und Juristen regelmäßig einen wirtschaftswissenschaftlichen Hintergrund. Referentinnen und Referenten werden schnell mit der selbstständigen Bearbeitung von Fällen aus den verschiedenen Aufgabenbereichen des Amtes – Kartellbekämpfung, Missbrauchsaufsicht, Fusionskontrolle, Verbraucherschutz, Vergaberecht und der Durchsetzung des Missbrauchsverbotes bei den Gas-, Strom- und Fernwärmepreisbremsen – betraut.

Arbeitsalltag und Einarbeitung

Die Durchführung von Marktermittlungen, die Erstellung von Schriftsätzen, die Ausarbeitung juristischer Bewertungen, die Wahrnehmung von Terminen mit hochrangigen Wirtschaftsvertreterinnen und -vertretern und verfahrensbevollmächtigten Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten sowie die Mitwirkung an den Entscheidungen der Beschlussabteilungen zeichnen die tägliche Arbeit aus. Die flachen Hierarchien im Amt sorgen dafür, dass auch neu eingestellte Referentinnen und Referenten von Beginn an ihre Expertise einbringen und Einfluss auf die Entscheidungsfindung nehmen können.

Für eine schnelle soziale Integration sorgt unter anderem der Nachwuchskreis – ein interdisziplinäres und funktionsübergreifendes Netzwerk neu eingestellter Kolleginnen und Kollegen. Neben unterschiedlichen Veranstaltungen während und außerhalb des Dienstes besucht der Nachwuchskreis jährlich eine ausländische Wettbewerbsbehörde. Nach erfolgreichem Abschluss der sechsmonatigen Einarbeitungszeit werden Juristinnen und Juristen bei Vorliegen der entsprechenden Voraussetzungen in das Beamtenverhältnis übernommen.

Karriereverlauf und Berufsaussichten

Üblicherweise wird die Tätigkeit in der Beschlussabteilung noch einige Monate fortgesetzt. Nach eineinhalb bis zweieinhalb Jahren besteht die Möglichkeit, die Karriere als Referentin oder Referent in der Grundsatzabteilung, der Prozessabteilung, der Sonderkommission Kartellbekämpfung, dem Wettbewerbsregister oder der Zentralabteilung fortzusetzen. Hieran schließt sich wieder eine Tätigkeit in einer Beschlussabteilung oder Vergabekammer an. Bei entsprechender Eignung folgt die Übertragung der Funktion einer bzw. eines Beisitzenden. Damit einher geht die Verantwortung für einen bestimmten, nach Wirtschaftsbereichen ausgerichteten Zuständigkeitsbereich sowie die Möglichkeit, nun auch formell als Teil der Beschlussabteilung Entscheidungen zu treffen.

Alternativ kann die Karriere in der Grundsatz- oder der Prozessabteilung, dem Wettbewerbsregister oder der Zentralabteilung fortgesetzt werden. Hier besteht die Möglichkeit, Führungsverantwortung zu übernehmen. Nach mehrjähriger Berufserfahrung im Bundeskartellamt können Juristinnen und Juristen schließlich auf freiwilliger Basis als nationale Sachverständige bei der EU- Kommission in Brüssel oder auch im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz in Berlin tätig werden.

Unterstützt werden Juristinnen und Juristen während ihres gesamten beruflichen Werdegangs im Bundeskartellamt durch ein zielgerichtetes Fortbildungsangebot. Dieses umfasst sowohl Inhouse-Veranstaltungen mit internen und externen Dozentinnen und Dozenten als auch die Möglichkeit, an externen Fortbildungen verschiedener Anbieter teilzunehmen. Darüber hinaus sorgt eine familien- und lebensphasenbewusste Personalpolitik dafür, dass sich Familie und Privatleben mit einer Tätigkeit im Bundeskartellamt ideal vereinbaren lassen.

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Über den Autor:

Markus Zeise, LL.M.,
ist Volljurist und Leiter des Personalreferats im Bundeskartellamt. Er absolvierte sein Studium und das Referendariat in Würzburg sowie ein Masterstudium im Bereich Rechtsinformatik in Hannover/Stockholm. Seit 2002 ist er in verschiedenen Funktionen im Bundeskartellamt tätig.

 

Der Beitrag ist erstmals in der JuS 07/23 erschienen.

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