Tipps für ein LL.M.-Studium

von Susanne Loder

Der LL.M. ist neben einer Dissertation eine der Möglichkeiten, nach dem Jura-Studium eine Zusatzqualifikation zu erlangen. Einen LL.M.-Abschluss kann man sowohl an deutschen Hochschulen als auch im Ausland erwerben.

Ein LL.M. ist eine hervorragende Möglichkeit, verschiedene Dinge zu verbinden: Zum einen ist es eine Zusatzqualifikation, die bei einer späteren Bewerbung hilft, sich von der Masse der Bewerber abzuheben. Hier kann auch eine entsprechende Spezialisierung im LL.M. helfen. Zum anderen ist es eine gute Gelegenheit, ins Ausland zu gehen, internationale Kontakte zu knüpfen und die eigenen Sprachkenntnisse zu verbessern.

Der richtige Zeitpunkt

Grundsätzlich kann man ein LL.M.-Studium sowohl nach dem ersten als auch nach dem zweiten Staatsexamen machen. Das ist eine Geschmacksfrage. Allerdings kann es sein, dass es schwerer fällt, nach einem LL.M.-Studium wieder in den Referendariatsalltag zurückzukehren und sich wieder mit deutschem Recht auseinanderzusetzen. Durch den LL.M. ergeben sich oftmals Chancen für den Berufseinstieg oder nützliche Kontakte.

Welches Land, welche Universität?

Wer den LL.M. nicht in Deutschland erwirbt, erwirbt ihn in der Regel im englischsprachigen Ausland. Allerdings sind die Studiengebühren in den USA erheblich höher als z.B. die im Vereinigten Königreich oder in Irland. Auf der Seite www.llm-guide.com kann man sich einen guten Überblick darüber verschaffen, an welchen Universitäten im In- und Ausland man welche LL.M.-Studiengänge belegen kann.

Regelmäßig erstellen auch renommierte Zeitungen in den jeweiligen Ländern Rankings über die Hochschulen (z.B. für Großbritannien ist hier das jährliche Ranking des Guardian empfehlenswert). Es lohnt sich auch, auf entsprechende LL.M.-Messen, wie z.B. die von e-fellows, zu gehen. Hier bekommt man einen guten ersten Eindruck von verschiedenen Universitäten und deren Angebot.

Die Möglichkeiten zur Spezialisierung muss man sich genau anschauen: In welche Richtung will man gehen und ist die Universität in diesem Bereich gut aufgestellt? In der Regel haben größere Universitäten auch mehr Möglichkeiten, z.B. Studienfahrten zu organisieren oder Gastprofessoren einzuladen. Darüber hinaus kommen möglicherweise nicht alle Universitäten in Frage aufgrund der eigenen Note im Staatsexamen.

Am besten recherchiert man auf den Uni-Websites: Dort sind die Voraussetzungen für eine LL.M.-Bewerbung, sortiert nach den jeweiligen Herkunftsländern der Bewerber, aufgeführt. Oder man fragt konkret bei der Universität nach, wie viele Punkte mindestens benötigt werden. Bei der Wahl der Universität spielen neben den Studiengebühren natürlich auch die Lebenshaltungskosten eine Rolle.

Lohnt sich eine Spezialisierung?

Man kann einen allgemeinen LL.M. oder einen spezialisierten LL.M. machen. Beim allgemeinen LL.M. darf man sich eine bestimmte Anzahl an Fächern aus dem gesamten Kursprogramm aussuchen. Dies lässt einem einerseits sehr große Freiräume und man hat die Möglichkeit, verschiedene Fachrichtungen auszuprobieren. Andererseits kann es gerade in der Prüfungsphase sehr stressig werden, wenn man zu viele Themen gleichzeitig lernen muss. Mit einer Spezialisierung in einem Rechtsgebiet hat man es da leichter.

Viele Kanzleien auf den Karrieremessen geben zu verstehen, dass ihnen das LL.M.-Studium wichtig ist, weil es Sprachkenntnisse und Flexibilität, aber auch Anpassungsfähigkeit und interkulturelle Kompetenz beweist. Die Fachrichtung des LL.M. ist ihnen dabei nicht so wichtig. Gleichzeitig kann aber ein allgemeiner LL.M. auch so wirken, als wüsste man eigentlich selbst nicht, wofür man sich interessiert.

Mit wieviel Aufwand muss man rechnen?

Man darf nicht verkennen, dass ein LL.M. in der Vorbereitung sehr aufwändig ist. Das beginnt schon bei der Recherche, um die geeignete Universität zu finden. Die meisten Universitäten verlangen mindestens zwei Empfehlungsschreiben von Professoren. Diese Professoren muss man finden und sie bitten, ein Empfehlungsschreiben anzufertigen. Hier sollte man genügend Zeit einplanen (mehrere Monate).

Darüber hinaus muss man seine Zeugnisse übersetzen lassen, z.B. in Übersetzungsbüros oder in einem OLG (dort dauert die Anfertigung der Übersetzung zwar länger, ist dafür aber auch billiger als in einem Übersetzungsbüro). Außerdem muss man für den LL.M. im Ausland einen Sprachtest ablegen (TOEFL oder IELTS je nach Land und Universität). Auch hierfür sollte man genügend Zeit einplanen und nicht vergessen, dass z.B. der bestandene IELTS-Test nur zwei Jahre gültig ist.

Über die Finanzierung sollte man sich frühzeitig Gedanken machen. Vielleicht hat man die Möglichkeit, eines der seltenen Stipendien zu bekommen (s. »Nützliche Adressen und Informationen« am Ende dieses Referendarführers), oder man kann den LL.M. selbst bezahlen. Zu den Studiengebühren kommt ein nicht unerheblicher Betrag an Kosten für Flüge, Miete, Essen, Lehrbücher und Freizeitaktivitäten hinzu.

Vor Ort darf man nicht den Fehler machen, nur in der Bibliothek zu sitzen. Außer den Vorlesungen, die man sich ausgesucht hat, sollte man unbedingt auch Zusatzprogramme der Universität wahrnehmen.

Ein LL.M.-Studium lebt vom Austausch mit anderen Studenten, und zumindest die größeren Universitäten werden dazu auf jeden Fall einige Veranstaltungen organisieren.

Über die Autorin:

Susanne Loder, LL.M.
LL.M. in Public International Law,
Lektorin im Verlag C. H. Beck