Master of Laws (LL.M.) – ein akademischer Abschluss mit vielen Fragezeichen

von Tina Heil, LL.B. Wirtschaftsrecht, freie Autorin und zertifizierte Wirtschaftsmediatorin (DMA)

LL.M. – ein akademischer Titel, den man immer öfter liest. Nicht nur hinter den Namen von Rechtsanwälten, sondern auch bei Wirtschaftsprüfern, Unternehmensberatern oder dem Legal Counsel der Rechtsabteilung taucht dieser ominöse LL.M. auf.

Mittlerweile kann der Postgraduierten-Abschluss „Master of Laws“ (LL.M.) an vielen Hochschulen erlangt werden. International ist der LL.M. ein anerkannter und renommierter Studienabschluss. Aber welche Qualifikation steckt eigentlich hinter diesem akademischen Titel? Wer oder was sind die „Master of Laws“?

Studieninhalte bei den LL.M.-Studiengängen

Für das LL.M.-Studium gibt es keinen einheitlichen inhaltlichen Rahmen. Die konkreten Studieninhalte richten sich immer nach der jeweiligen Studienordnung der Hochschule oder Universität, die den Studiengang anbietet. Gemein haben aber alle LL.M.-Studiengänge, dass es sich um ein Aufbaustudium mit rechtswissenschaftlichem Schwerpunkt handelt.

Die meisten LL.M.-Studiengänge beziehen sich gerade in Deutschland auf den Bereich Wirtschaftsrecht. Der LL.M.-Studiengang greift deshalb vor allem diejenigen Rechtsgebiete auf, die für eine Tätigkeit im Unternehmen besonders relevant sind wie z. B. das Gesellschafts-, Wettbewerbs-, Arbeits- und Steuerrecht oder das Gebiet Gewerblicher Rechtsschutz.

Der Fokus im LL.M.-Studium

Das Ziel der meisten LL.M.-Studiengänge ist es, Juristen auszubilden, die nicht nur eine juristisch fundierte Beurteilung vornehmen, sondern zugleich die wirtschaftlichen Folgen der Entscheidung überblicken und dementsprechend sinnvolle Handlungsalternativen erarbeiten können. Anders als im klassischen Studium der Rechtswissenschaften bekommen LL.M.-Studierende daher einen anderen Blickwinkel auf die juristische Arbeitsweise – der Fokus liegt hier vor allem auch auf unternehmerischen Interessen und Risiken juristischer Fragestellungen. Sie lernen gezielt, das Recht als Instrument zur Verwirklichung (ökonomischer) Unternehmensziele einzusetzen.

Sehr unterschiedliche Schwerpunkte möglich

Auch wenn LL.M.-Studiengänge eine gemeinsame Grundstruktur haben, unterscheiden sich die einzelnen Angebote der Studiengänge mit dem LL.M.-Abschluss inhaltlich aber stark voneinander – der Strauß an möglichen Modulen und Fächern ist in fast allen LL.M.-Studiengängen sehr bunt.

Den Schwerpunkt bilden unterschiedlichste juristische Fächer, die individuell mit vielfältigen anderen Inhalten kombiniert sein können. Erfasst werden dabei alle potenziell denkbaren wirtschaftlich interessanten Gebiete, angefangen beim klassischen Controlling, über den Bereich Finanzierung und Unternehmensführung bis hin zum Personalmanagement oder zu neueren, fächerübergreifenden Themen wie der Industrie 4.0, dem Konfliktmanagement oder dem Betrieblichen Gesundheitsmanagement.

Betriebswirte mit rechtlicher Vertiefung, Wirtschaftsjuristen oder spezialisierte Volljuristen

Da es sich beim LL.M.-Studium um einen postgraduierten Studiengang handelt, hängt die berufliche Qualifikation eines „LL.M.“ aber nicht nur vom konkreten Studiengang, sondern auch entscheidend von dessen Vorstudium ab.

Das klassische Vorstudium ist der Bachelor of Laws (LL.B.) Die Kombination von LL.B. und LL.M. ersetzt seit den Bologna-Prozessen die Diplomwirtschaftsjuristen. In dieser Kombination haben LL.M.-Absolventen ein fünfjähriges Studium absolviert, dessen Schwerpunkt im rechtlichen Bereich lag und mit vereinzelten betriebswirtschaftlichen Grundkenntnissen und Soft Skills kombiniert wurde. Der Weg zum LL.M. steht aber auch Betriebswirten offen, die meist in ihrem Bachelorvorstudium einen rechtlichen Schwerpunkt – z. B. internationales Wirtschaftsrecht – gewählt haben. Sie sind am Ende ihres Studiums keine Juristen mit betriebswirtschaftlichen Grundkenntnissen, sondern umgekehrt: Betriebswirte mit einer tiefgehenden juristischen Spezialisierung.

Schließlich gibt es aber natürlich auch Volljuristen, die nach dem zweiten Staatsexamen noch ein LL.M.-Studium absolvieren. Sie nutzen den LL.M.-Studiengang zur rechtlichen Vertiefung. Gerade im englischen und amerikanischen Ausland bieten viele LL.M.-Studiengänge Vertiefungen, die im deutschen Studium der Rechtswissenschaften kaum oder gar nicht angeboten werden.

Auf die Frage, wer oder was die LL.M.s sind, gibt es also keine eindeutige Antwort, sondern es kommt – wie die Juristen so schön sagen – drauf an. Je nachdem, was der LL.M.-Träger vor seinem LL.M.-Studium studiert hat, ergibt sich eine ganz andere Qualifikation. Die Palette möglicher Qualifikationen ist breit und kann deshalb vom rechtlich bewanderten Betriebswirt bis hin zum spezialisierten Volljuristen mit zusätzlicher Qualifikation reichen.

Fazit

Bei den Master of Laws ergibt sich die berufliche Qualifikation also nicht allein aus der Bezeichnung der Ausbildung oder des Abschlusses. Hier ergibt sich das Qualifikationsprofil eines LL.M.-Absolventen aus der Kombination seines Vorstudiums, Schwerpunkts und gewählter Studiengänge und kann damit sehr unterschiedlich sein. Der Master of Laws kann ein Generalist mit fundierten Kenntnissen in vielen Rechts- und/oder betriebswirtschaftlichen Bereichen sein, er kann Spezialist für Steuerfragen, Personal, Managementstrategien oder Finanzierungsformen sein, er kann Betriebswirt oder ein von Anfang an auf Wirtschaftsrecht spezialisierter Jurist sein.

Wer also wissen will, wer oder was hinter dem Abschluss „LL.M.“ wirklich steckt, muss deswegen immer einen Blick „hinter die Fassade“ werfen.

Quelle BECK Stellenmarkt 13/2016