Datenschutz-Experten extrem gefragt - Umfassend qualifiziert mit dem LL.M.-Studiengang Informationsrecht des C3L der Uni Oldenburg

von Heidi Scharvogel

Zwei treibende Kräfte bestimmen die rasanten Veränderungen im Informationsrecht: Erstens muss das IT-Recht mit der Entwicklung der IT-Technologie und den sich daraus ergebenden neuen Geschäftsmodellen Schritt halten.

„Der zweite Treiber ist der Gesetzgeber, zum Beispiel mit der Datenschutz-Grundverordnung im Jahr 2018, mit den aktuellen Änderungen des Urheberrechtsgesetzes und nächstes Jahr soll die E-Privacy-Verordnung der EU in Kraft treten. Aus all dem resultiert ein enormer Beratungsbedarf auf Seiten der Unternehmen“, berichtet Dr. Gregor Scheja von der Kanzlei Scheja und Partner.

Allein bei seinen Klienten gebe es so viel Klärungsbedarf, dass seine Kanzlei völlig ausgelastet sei und seit mehr als zwei Jahren kaum mehr Neukunden annehme – obwohl sie pro Jahr hunderte Anfragen von angesehenen Firmen erhalte.

Entsprechend gefragt sind Juristinnen und Juristen mit Zusatzqualifikationen im Informationsrecht. „Gerade im Bereich Datenschutz gibt es einen Riesen-Gap auf dem Arbeitsmarkt. Die besten Blue Chips suchen Datenschutzbeauftragte“, so Scheja.

Entspannung von Seiten des Jurastudiums sei in naher Zukunft zu wenig zu erwarten. „In dieser Hinsicht ist es problematisch, dass das Curriculum nach wie vor sehr traditionell ist. Das IT-Recht spielt zwar rein, aber bei vielen Universitäten nur als Randdisziplin. Nach wie vor gibt es zu wenig bekannte Professoren und Lehrstühle etwa für Datenschutzrecht“, erklärt der Anwalt.

Wie kann die Lücke dann geschlossen werden? „Wenn Junganwälte nach dem Referendariat bei uns anfangen, bilden wir sie in unseren Fachbereichen aus“, sagt Scheja. Dazu betreibt seine Kanzlei ein internes Fortbildungsprogramm, außerdem erwerben alle Anwälte eine Zertifizierung zum Datenschutzbeauftragen und relativ viele absolvierten das Master of Laws (LL.M.)-Studium Informationsrecht am C3L – Center für lebenslanges Lernen der Universität Oldenburg.

„Dieser berufsbegleitende, postgraduale Studiengang ist der interessanteste auf dem Gebiet, insbesondere weil die Dozentinnen und Dozenten sowohl aus der Wissenschaft als auch aus der Praxis kommen“, urteilt der Jurist. Diese Mischung sei zentral für das Studiengangskonzept, betont Prof. Dr. Jürgen Taeger, Leiter des Studiengangs. „Die Hochschullehrenden vermitteln den Teilnehmerinnen und Teilnehmern wissenschaftliche Methoden, mit denen auch neue Rechtsprobleme gelöst werden können. Namhafte Unternehmensjuristen und Anwälte aus Kanzleien bringen als Dozenten aktuelle Fragestellungen mit in den Studiengang.“

Praxisnah ist die Ausbildung etwa auch durch die Simulation einer Verfahrenssitzung vor der Bundesnetzagentur im  Telekommunikationsrechtsmodul, bei der die Teilnehmenden in die Rollen der verschiedenen Akteure schlüpfen (moot court).

Flexibilität ist ein weiteres Kennzeichen der Weiterbildung. Die Teilnehmenden entscheiden selbst über die Anzahl der Module, die sie pro Semester belegen. Die Studierenden erarbeiten sich den Stoff zunächst anhand von Skripten und in Online-Diskussionsforen, wobei Lehrende und Studienberater stets offen für Fragen sind.

In einer ersten Präsenzphase (Freitag/Samstag) in Oldenburg unterrichten Hochschullehrer und Praktiker in einer kleinen Gruppe, die intensive Diskussionen ermöglicht. In der zweiten Präsenzveranstaltung halten die Teilnehmenden zu verschiedenen aktuellen Themen Vorträge. Dabei können sie eigene Erfahrungen aus ihrem Beruf einfließen lassen. Zudem können auch Problemstellungen aus dem beruflichen Alltag der Teilnehmenden im Studiengang bearbeitet und diskutiert werden.

Interdisziplinarität ist dabei gewährleistet, denn neben Juristen steht der Studiengang auch Ökonomen und Informatikern offen. „Dadurch wird der Studiengang sehr interaktiv. Die Studierenden sind eine sehr engagierte Gruppe. Es macht Spaß, mit ihnen zu arbeiten“, sagt Scheja, der auch als Lehrbeauftragter in dem Masterstudiengang tätig ist.

Die persönlichen Belange der Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden ebenfalls berücksichtigt. Leistet ein Studierender beispielsweise zeitweise ein extragroßes Arbeitspensum, etwa weil ein Kollege erkrankt ist, können in Absprache auch Abgabefristen verlängert werden.

Die außerordentlich hohe Nachfrage gibt dem Konzept Recht. „Wir sind sehr gut ausgelastet. Die pro Modul anstehende zweite Präsenzphase mussten wir bereits auf zwei Termine splitten, damit die Zeit für alle Präsentationen und intensive Gespräche darüber ausreicht“, berichtet Taeger.

Gegliedert ist der Studiengang Informationsrecht LL.M. in die Pflicht- und Wahlmodule Datenschutzrecht, Internetrecht, Telekommunikationsrecht, eGovernment und Vergaberecht, IT-Vertragsrecht, Immaterialgüterrecht sowie Computerstrafrecht.

Zu absolvieren sind sechs Module. Am Ende wird eine Masterarbeit geschrieben, so dass das Studium zwei Jahre dauern kann. Taeger meint: „Nur wegen des LL.M.-Titels kommt wohl kaum jemand zu uns. Die meisten sind an der hochqualifizierten Ausbildung interessiert. Nebenbei entsteht auch ein höchst wertvolles Netzwerk der Teilnehmenden untereinander.“

„Unser Masterprogramm zum Informationsrecht ist ein anspruchsvolles und umfangreiches, aber sehr gut nachgefragtes Studium“, führt Taeger aus. „Es deckt alle Bereich ab, die mit Blick auf die Digitalisierung aller gesellschaftlichen Bereiche von Bedeutung sind.“

Über die Autorin:

Heidi Scharvogel
freie Redakteurin in Oldenburg

Quelle NJW 28/2019