Erfahrungsbericht zum Studium an der University of Oxford

Maximilian Camphausen im Gespräch mit Dr. Elisabeth Rudolf-Sipötz

Lieber Herr Camphausen! Nachträglich noch herzlichen Glückwunsch zum Magister Juris!

Warum ein LL.M-Studium und wieso fiel Ihre Wahl auf Großbritannien?

"Von September 2017 bis einschließlich Juni 2018 habe ich an der University of Oxford in England einen LL.M. (in Oxford M. Jur – Magister Juris – genannt) absolviert.

Da ich nach dem ersten Examen nicht sofort mit dem Referendariat beginnen wollte, fiel meine Entscheidung zwar spontan, aber dafür recht schnell, auf eine Bewerbung für LL.M.-Studiengänge in Großbritannien.

Nicht zuletzt begünstigt war mein Entschluss von der Tatsache, dass schon zu diesem Zeitpunkt der beschlossene Brexit seinen Schatten vorauswarf und ein Studium unter „günstigen“ Bedingungen nur noch kurze Zeit möglich schien.

Ich habe mich sowohl an Universitäten in London, Edinburgh und in Oxford beworben. Dass die Wahl nach der Zusage auf Oxford fiel, lag sicherlich auch am besonders hervorragenden Ruf der Universität. Aber Oxford hatte aus meiner Sicht auch aus anderen Gründen die Nase vorn: Tutorien in besonders kleinen Gruppen (teilweise nur 2 – 3 Leute zusammen mit einem Dozenten), die ganz besondere Atmosphäre der Stadt mit den vielen alten Colleges und die zahlreichen Angebote neben dem Studium – in meinem Falle das Rudern oder die Mitarbeit in einem Human Rights Committee."

Welches waren die wesentlichen Hürden, die es bei der Entscheidung für den LL.M. zu überwinden galt?

"Die Bewerbung selbst war dabei recht aufwändig, insbesondere weil man sich in Oxford und Cambridge um gleich drei Gutachten von Professor/Innen kümmern muss.

Was ich inzwischen häufiger Erfahrungsbericht zum Studium an der University of Oxford gelesen habe, aber was nicht stimmt, ist, dass man in Oxford ein „Gut“ braucht, um überhaupt angenommen werden zu können. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass die Note zwar eine wichtige Rolle spielt, bei Weitem aber nicht alles ist.

Eine weitere Herausforderung ist der finanzielle Teil. Zwar liegen die Studiengebühren in England noch deutlich unter denen in den USA, mit ca. 22.000 € wird man aber auch in Oxford kalkulieren müssen. Ich hatte keine Stipendien und habe sowohl auf mein eigenes Erspartes, auf finanzielle Hilfen meiner Eltern und auf die Unterstützung durch die Brain Capital GmbH zurückgegriffen (siehe Erläuterung `Wie funktioniert der LL.M. Bildungsfonds´ im Anschluss an das Interview)."

Was zeichnet das Studium in Oxford aus?

"Besonders am Studium in Oxford waren neben den Kleingruppentutorien auch meine Kommilitonen aus allen Ecken der Welt.

Für mich überraschend waren die allermeisten doch angenehm „normal“, aber in ihren Fachrichtungen und darüber hinaus so interessiert und neugierig, dass man über das eigene „Spezialgebiet“ hinaus fast täglich über Dinge sprach, mit denen man sich in seinem „Jura-Kosmos“ nicht allzu oft beschäftigt.

Man bekommt außerdem sehr häufig die Möglichkeit, in ihren Feldern bedeutende Menschen zu treffen und das ohne lange Anmeldung vorher und in kleinem Kreis. So habe ich an einem Nachmittag erfahren, dass es im Rahmen einer Veranstaltung möglich sei, Kofi Annan zu treffen und eine Stunde später schüttelte ich ihm auch schon die Hand.

Dass der Brexit vor der Tür stand, war im alltäglichen Leben selten spürbar. Die meisten meiner Kommilitonen und Dozenten standen dem Brexit äußerst kritisch gegenüber und hin und wieder war es auch Thema in Diskussionsrunden."

Und wie ist das Leben abseits des Studiums bzw. Campus?

"Außerhalb des Studiums hat Oxford ebenfalls sehr viel zu bieten. Es ist besonders aufregend, Teil eines der unzähligen Colleges zu sein, in denen man abends im Umhang (`Gown´) à la Harry Potter essen kann oder im Ruderteam am Ende jeden Terms gegen die anderen Colleges antritt. Es entsteht ein ganz besonderes Zugehörigkeitsgefühl und jede/r, egal in welchem College man landet, wird am Ende sagen, dies sei das Beste.

Oxford ist eine wunderschöne Stadt mit vielen Angeboten auch ganz ab vom Uni-Leben."

Rückblickend betrachtet, alles richtig gemacht? Haben Sie Tipps für LL.M.-Interessenten?

"Jedem, der es sich irgendwie leisten kann, empfehle ich den Schritt ins Ausland und natürlich besonders nach Oxford. Es ist eine enorme Bereicherung, welche die finanzielle Hürde und die aufwendige Bewerbung mehr als ausgleicht."

Alles Gute für Ihre Zukunft und herzlichen Dank!

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Wie funktioniert der LL.M. Bildungsfonds

Der LL.M. Bildungsfonds finanziert die Studiengebühren und falls gewünscht auch Lebenshaltungskosten. Im Gegenzug verpflichten sich die Geförderten nach Beendigung des Studiums für maximal 10 Jahre zu einkommensabhängigen Rückzahlung an den Bildungsfonds. Während des Studiums sind keine Zahlungen fällig. Zudem werden keinerlei Bürgschaften oder Sicherheiten verlangt.

Bereits vor Studienbeginn wird vertraglich ein konstanter Rückzahlungssatz vereinbart, der vom individuellen Bewerberprofil abhängt. Im Gegensatz zum Kredit liegt bei diesem Modell keine fixe Belastung vor. Der Absolvent wird lediglich im Rahmen seiner finanziellen Leistungsfähigkeit belastet.

Sollte das Einkommen unter einen Wert von € 30.000 sinken, entfällt die Zahlungspflicht in dem betreffenden Jahr und die Rückzahlung wird gestundet.

Derart einkommensschwache Jahre sind während des Referendariats oder einer möglichen Promotion wahrscheinlich. D. h., die effektive Rückzahlung passt sich der persönlichen Zahlungsfähigkeit an, wodurch die Freiheit in der Lebensplanung erhalten bleibt.

Nach 20 Jahren (und unabhängig von der geleisteten Rückzahlungssumme) erlischt die Zahlungspflicht vollständig. Zusätzlich sind Höchstgrenzen für die jährliche Zahlung als auch für die Gesamtzahlung festgelegt.

Über die Interviewpartner:

Maximilian Camphausen
M. Jur. (Oxford), 
Rechtsreferendar am OLG Düsseldorf und
wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich
Dispute Resolution bei Freshfields Bruckhaus Deringer LLP

Dr. Elisabeth Rudolf-Sipötz
Geschäftsführerin der Brain Capital GmbH,
einer spezialisierten Fondsgesellschaft für
Bildungsfonds und Ansprechpartnerin für
LL.M. Interessenten

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Quelle NJW 45/2019