Der LL.M.: Eine Zusatzqualifikation mit Signalwirkung

von Matthias Fink, LL.M., Administrative Director beim Munich Intellectual Property Law Center (MIPLC), einer Kooperation der Max-Planck-Gesellschaft mit der Universität Augsburg, der TU München und der George Washington University.

Auf immer mehr Kanzleischildern und Unternehmensbriefköpfen prangt er – der LL.M.

Viele Jurastudenten, Young Professionals und erfahrene Juristen fragen sich daher: Ist diese Zusatzqualifikation grundsätzlich sinnvoll, und wenn ja, für wen?

Ein Aufbaustudium zum Master of Laws ist eine hervorragende Möglichkeit, sich in einem bestimmten Rechtsgebiet Spezialkenntnisse anzueignen. Im Unterschied zu vielen anderen Weiterbildungen kann der Absolvent eines LL.M.-Programms diesen Zusatznutzen der Mandantschaft und / oder künftigen Arbeitgebern schon auf der Visitenkarte deutlich machen. Für alle Juristen ist der LL.M. somit ein probates Mittel, um aus dem großen Kreis der Wettbewerber hervorzustechen. Darüber hinaus wird der LL.M., im Gegensatz zu rein auf das eigene Land bezogene Grade im internationalen Bereich sofort erkannt und verstanden.

Neben der fachlichen Spezialisierung gibt es aber auch noch einen weiteren wichtigen Aspekt, der zur steigenden Popularität des „Master of Laws“ in den letzten Jahren beigetragen hat: Viele Master-Programme in Deutschland und im Ausland finden auf Englisch statt.

Bei Absolventen eines englischsprachigen LL.M.-Programms ist die Frage nach dem verhandlungssicheren Englisch beantwortet, noch bevor sie in einem Vorstellungsgespräch überhaupt gestellt wird. Ein LL.M.-Studium im Ausland oder hierzulande in einem englischsprachigen Programm mit Teilnehmern aus der ganzen Welt erlaubt so gerade Juristen, die während ihres Studiums auf einen Auslandsaufenthalt verzichtet haben, die heute in vielen Arbeitsbereichen vorausgesetzte Weltläufigkeit zu erwerben. Auch die eigene Fähigkeit, in international zusammengesetzten Teams zu arbeiten, stellt ein Absolvent eines LL.M.-Programms so unter Beweis.

Schlussendlich bieten einige LL.M.-Programme auch Absolventen anderer Fachrichtungen als der Rechtswissenschaft die Möglichkeit, vertiefte juristische Fachkenntnisse zu erwerben und sich so ganz neue Karrieremöglichkeiten zu eröffnen.

Ein Beispiel hierfür ist ein Ingenieur oder Naturwissenschaftler, der sich eine berufliche Zukunft im Bereich des Geistigen Eigentums aufbauen möchte. Mit einem LL.M. im Immaterialgüterrecht bieten sich für ihn interessante Optionen im boomenden Bereich des Patentrechts: in Patentanwaltskanzleien, in den Patentabteilungen großer und mittelständischer Unternehmen und nicht zuletzt im Bereich der Patentämter und -gerichte. Auch eine Karriere in internationalen Organisationen wie dem Europäischen Patentamt und der World Intellectual Property Organization (WIPO) kommt so in Betracht.

Was den idealen Zeitpunkt für ein Aufbaustudium zum LL.M. angeht, so gibt es zwei Strategien: Ein Auslandsaufenthalt im Studium oder die Referendarszeit können dazu genutzt werden, sich parallel mit einem international bekannten und anerkannten Abschluss einen Startvorteil für den Berufseinstieg zu verschaffen. Bewerber mit LL.M. werden in Kanzleien und Unternehmen besonders gerne gesehen und dürfen sich beim Einstiegsgehalt über einen Zuschlag gegenüber Berufsanfängern ohne LL.M. freuen.

Juristen, die sich bereits einige Jahre im Beruf befinden, können sich mit einen Aufbaustudium zum LL.M. ideal darauf vorbereiten, inner- oder außerhalb der eigenen Kanzlei den nächsten Karriereschritt zu gehen. Oftmals wird sich in dieser Konstellation der Arbeitgeber auch an den Kosten für ein LL.M.-Programm beteiligen.

Der LL.M. ist also eine reizvolle Zusatzqualifikation, deren Bedeutung gerade in einem sich immer weiter ausdifferenzierenden Arbeitsmarkt weiter zunehmen wird.

Bild oben: Kzenson/stock.adobe.com

Quelle NJW 13/2018