Erfahrungsbericht zum LL.M.-Studium an der New York University

Interview mit Pauline Brosch, Rechtsreferendarin am Kammergericht Berlin, geführt von Dr. Elisabeth Rudolf-Sipötz, Ansprechpartner LL.M. Bildungsfonds der Brain Capital GmbH, einer spezialisierter Fondsgesellschaft für Bildungsfonds

Seit 2014 finanziert die Brain Capital GmbH deutschen Juristen über den LL.M. Bildungsfonds das LL.M. Studium in In- und Ausland. So unterstütze der LL.M. Bildungsfonds 2017 knapp 50 Juristen bei der Finanzierung ihrer Studiengebühren und Lebenshaltungskosten.

Eine der erfolgreichen NachwuchsjuristInnen ist Pauline Brosch, die ihren LL.M. an der NYU absolviert hat.

Liebe Frau Brosch! Nachträglich noch alles Gute zum Abschluss Ihres LL.M.-Studiums! Was hat Sie bewogen, Ihren LL.M. in den USA und insbesondere an der New York Universität zu machen?

Nachdem ich zum Erasmus-Studium in Paris war, wollte ich mein LL.M.-Studium gerne im englischsprachigen außereuropäischen Ausland verbringen. Ich war vorher schon mal für ein Praktikum in den USA und konnte mir gut vorstellen, ein Jahr dort zu leben. Außerdem haben amerikanische Universitäten einen besonders guten Ruf.

Die NYU belegt zudem in meinem Interessengebiet, dem Völkerrecht, den ersten Platz in den amerikanischen Hochschul-Rankings. Es gibt eine große Auswahl an völkerrechtlichen Kursen und viele renommierte ProfessorInnen lehren dort. Außerdem war es schon immer mein Traum, ein Jahr in New York City zu leben. Als die Zusage von der NYU kam, war die Wahl klar.

Welches waren die wesentlichen Hürden, die es bei der Entscheidung für den LL.M. zu überwinden galt?

Das war sicherlich die Frage der Finanzierung, denn die Studiengebühren in den USA und auch die Lebenshaltungskosten in New York sind enorm. Ich hatte mich für verschiedene Stipendien beworben, bin am Ende aber leider leer ausgegangen.

Auf der Suche nach anderen Finanzierungsmöglichkeiten bin ich auf den LL.M. Bildungsfonds von Brain Capital und der DAJV gestoßen. Hierbei handelt es sich um ein einkommensabhängiges Rückzahlungsmodell, d. h. man zahlt einen im Vertrag festgeschriebenen Prozentsatz seines Einkommens zurück. Wer mehr verdient, zahlt mehr zurück, aber wenn man wenig oder gar nichts verdient, dann zahlt man auch wenig oder eben gar nichts zurück. Zusätzlich gibt es eine Deckelung nach oben, quasi eine maximale Rückzahlungssumme.

Was war das Besondere an Ihrem Studium an der New York University?

Das Studium hat all meine Erwartungen übertroffen. Auch wenn man viel bezahlt, man bekommt auch viel geboten für sein Geld. Die Professoren sind exzellent, oft handelt es sich um renommierte PraktikerInnen, die ihre ganze Erfahrung in die Vorlesungen und Seminare einbringen.

Der Unterrichtsansatz ist ganz anders als in Deutschland, zu jeder Stunde muss man in Vorbereitung mehrere Aufsätze oder Urteile lesen, die dann in der Stunde diskutiert werden. Ich musste erst mal lernen, mir eine eigene Meinung zu juristischen Themen zu bilden. So etwas lernen wir ja in Deutschland im Studium gar nicht. Zusätzlich gab es täglich Lunch Talks und Gastvorträge zu ganz unterschiedlichen Themen, die die Möglichkeit boten, über den Tellerrand hinauszuschauen und in andere Gebiete hineinzuschnuppern.

Außerdem war es eine einzigartige Erfahrung, in New York City zu studieren. Die NYU liegt direkt am Washington Square Park und damit mitten im Herzen von Manhattan. Ich bin jeden Tag mit dem Fahrrad zur Uni über die Williamsburg Bridge mit Blick auf das Empire State Building gefahren und musste mich manchmal wirklich kneifen, um mich zu vergewissern, dass das Realität ist.

Es gab doch sicher auch ein Leben außerhalb des Campus? Was waren Ihre Erfahrungen?

Um ehrlich zu sein hat mir das Studium so viel Spaß gemacht, dass ich viele Wochenenden in der Bibliothek verbracht habe. Ansonsten habe ich in Brooklyn in einer WG mit amerikanischen Künstlern gewohnt, was eine super Abwechslung zum Uni-Alltag war. Wir haben oft abends was zusammen unternommen.

Spannend war, dass während meiner Zeit in New York der amerikanische Präsidentschaftswahlkampf stattfand. Zu den TV-Duellen haben die NYU-Studierendenorganisationen Public Viewing Events mit Bier und Pizza organisiert. Ein ganz besonderes Highlight war, als Bernie Sanders im Washington Square Park, direkt neben der Law School, aufgetreten ist.

Im Nachhinein betrachtet, alles richtig gemacht oder haben Sie Tipps für LL.M.-Interessenten?

LL.M.-Interessenten würde ich raten, so früh wie möglich, das heißt mindestens ein Jahr vor Studienbeginn, mit der Planung zu beginnen. Die Bewerbungsdeadlines sind recht früh und es dauert, die erforderlichen Empfehlungsschreiben von ProfessorInnen zu organisieren und den Sprachtest abzulegen. Bei mir fiel die Bewerbungsphase damals mit meinem ersten Examen zusammen und ich musste den Sprachtest drei Wochen vor meinen Klausuren absolvieren. Das war schon  ganz schön stressig. Aber nicht vom aufwendigen Bewerbungsprozess abschrecken lassen! Die Mühe ist es wert!

Was hat Ihnen der LL.M. für Ihren bisherigen Werdegang gebracht?

Ich befinde mich gegenwärtig noch in den letzten Zügen meines Referendariats, aber bereits dort habe ich gemerkt, dass der LL.M. wichtig, wenn nicht ausschlaggebend bei meinen Stationsbewerbungen war. So konnte ich meine Verwaltungsstation im Völkerrechtsreferat des Auswärtigen Amtes absolvieren und bin zurzeit im Rahmen meiner Wahlstation in Tansania beim UN Mechanism for International Criminal Tribunals, der Nachfolgeinstitution der UN-Kriegsverbrechertribunale für Ruanda und das ehemalige Jugoslawien. Beides waren meine absoluten Traumstationen und ich denke, dass mein LL.M. eine entscheidende Rolle bei meinen Bewerbungen gespielt hat.

Alles Gute für Ihre Zukunft und herzlichen Dank!

Quelle NJW 28/2018