Probleme wegschaffen, nicht schaffen! – Als Syndikus im Unternehmen

von Romy Graske

Richter, Staatsanwalt oder Rechtsanwalt in einer Kanzlei – die meisten Jurastudenten und Referendare werden bereits eine konkrete Vorstellung davon haben, was diese Berufe ausmacht. Doch was macht eigentlich ein Syndikusrechtsanwalt, Unternehmensjurist oder Legal Counsel1?

1. Vom Problemsucher zum Problemlöser

Wer zur Vorbereitung auf die 1. juristische Prüfung ein Repetitorium besucht hat, wird schnell mit einer der wichtigsten Examensweisheiten vertraut gemacht: Probleme schaffen, nicht wegschaffen! Warum? Nur wer möglichst viele Rechtsprobleme im Gutachtenstil diskutiert und eine überzeugende Argumentation für die h.M. oder die M.M. liefern kann, hat die Chance, eine hohe Punktzahl zu erreichen. Problembewusstsein wird über Jahre hinweg trainiert und mit Punkten belohnt. Im Referendariat und 2. Staatsexamen verschiebt sich das zwar, doch trotzdem geht es im Wesentlichen darum Probleme zu suchen, zu diskutieren und sich schließlich zu entscheiden.

Anzeige
Steuerberaterkammer Niedersachsen
Hannover
Gewerblicher Rechtsschutz und Urheberrecht (GRUR-Stellenmarkt) | Steuerrecht

Grundsätzlich ist das auch die Aufgabe von Unternehmensjuristen. Es treten Probleme im Unternehmen auf und Sie müssen sie lösen. Idealerweise erkennt ein Syndikus theoretische Probleme und löst sie, bevor sie sich für das Unternehmen realisieren können. Soweit zur Theorie.

2. Unternehmerisches Denken ist gefragt

In der Praxis stoßen Juristen dann jedoch auf Nichtjuristen und die haben (Gott sei Dank!) einen ganz anderen Blick auf die Welt. Sie lernen Softwareentwickler, Marketingexperten oder Manager kennen, die Ihnen bisweilen die Frage entgegenhalten: Ist das „nur“ ein theoretisches Problem oder müssen wir tatsächlich handeln? Im Kern geht es darum, ein Unternehmen möglichst kostenschonend, effizient, aber natürlich rechtskonform zu führen. Einen eifrigen Problemfinder, der Probleme schafft und Produktentwicklungen, neue Ideen oder Prozesse blockiert, will niemand und dieser wird auch schnell auf starken Gegenwind stoßen. Deshalb werden Sie in vielen Stellenbeschreibungen für Unternehmensjuristen (vor allem bei Startups) häufig die Anforderung finden: „Sie finden pragmatische Lösungen und können unternehmerisch denken.“ Oder mit anderen Worten: „Solutions-driven can-do attitude is an absolute must.“ Das ist die Essenz dessen, was die Syndikustätigkeit ausmacht.

3. Die Risikoabwägung – ein täglicher Begleiter

Zu den Kernaufgaben eines Syndikus gehört es, rechtliche Risiken zu ermitteln, eine Risikoabwägung für die Entscheidungsträger vorzubereiten und auch Entscheidungen selbst zu treffen. Viele Probleme lassen sich nicht mit einem Kommentar lösen, weil es entweder noch keine Antworten darauf gibt oder die Rechtslage unklar ist. Das Unternehmen und die Geschäftsführung haften für das, was sie tun oder unterlassen. Das trifft Sie als angestellter Syndikus zwar nicht unmittelbar (anders als ein selbstständiger Rechtsanwalt), doch sind Sie dafür verantwortlich, dass das Unternehmen sich an Recht und Gesetz hält (sog. Compliance). Das ist in der Unternehmensrealität nicht selten eine Mammutaufgabe, weil es eine gefühlt unendliche Zahl an rechtlichen Vorschriften gibt, die Sie – je nach Spezialisierung und Position im Unternehmen – überwachen und umsetzen müssen. Genau hierin liegen der unvergleichliche Charme und die Herausforderung. Sie lernen Prioritäten zu setzen in einer immer komplexer werdenden Welt.

4. Das Unternehmer-Mindset – ein inspirierendes Umfeld

„Die Welt steht einem offen, wenn man die Juristerei begriffen hat.“ schrieb Rechtsanwältin Lore Maria Peschel-Gutzeit in ihrer Biografie. Nur eines lernen Sie im Jurastudium (zum Glück noch) nicht: zu denken und zu handeln wie ein Unternehmer. Sie müssen kein Fan von Bill Gates, Steve Jobs oder Larry Page sein. Unbestreitbar ist aber, dass sie die Welt mit ihren Ideen und Produkten grundlegend verändert haben und wir alle sie jeden Tag nutzen. Ein bisschen von diesem Mindset schadet uns Juristen sicher nicht. Diese wertvolle unternehmerische Denkweise können Sie in einem Unternehmen lernen, weil Sie jeden Tag vor neuen Herausforderungen, Geschäftsmodellen und Marketingkampagnen stehen und deren rechtskonforme Umsetzung sicherstellen müssen. Sie sind von Menschen umgeben, die Lösungen suchen, etwas verändern möchten und spannende Zukunftsvisionen verfolgen. Das ist im besten Sinne ansteckend!

Ein guter Jurist mit einem gut geschulten Problembewusstsein zu sein ist also nicht das Ende einer 7-jährigen Ausbildung, sondern der Beginn sich ganz neue Gedankenwelten zu erschließen.

5. Ein bunter Strauß an Möglichkeiten

Anzeige
ARAG SE
Düsseldorf
Banking / Finance | Wirtschaftsrecht (allgemein) | Zivilrecht

Die Syndikustätigkeit kann ganz unterschiedlich aussehen. Arbeiten Sie in einem Startup werden Sie vor anderen Herausforderungen und Anforderungen stehen als in einem etablierten mittelständischen Unternehmen oder Konzern. Vom pragmatischen Generalisten bis hin zum spezialisierten Gesellschafts- oder Arbeitsrechtler wird alles gesucht. Kurzum: Ein bunter Strauß an Möglichkeiten erwartet Sie, wenn Sie neugierig sind und unternehmerisch-kreativ arbeiten wollen. Suchen Sie sich eine Branche oder ein Produkt, wofür Sie brennen. Als Syndikusanwalt haben Sie die Chance an der Entwicklung eines Produktes, dem digitalen Fortschritt, kurzum an der Vision eines Unternehmens aktiv mitzuwirken.

Wäre dies ein Werbespot für den Syndikusrechtsanwalt ließe es sich so zusammenfassen:

Think Different. But think legal compliant.

Über die Autorin: 

Romy Graske
ist als Syndikusrechtsanwältin in der Position als Senior Legal Counsel für die Vimcar GmbH, einem der erfolgreichsten SaaS Unternehmen Berlins, tätig. Zudem berät sie als selbstständige Rechtsanwältin Expats, Freiberufler, Künstler aber auch Digitalunternehmen zum grenzüberschreitenden mobilen Arbeiten mit dem Schwerpunkt Steuerrecht. Hierüber berichtet sie in ihren Blogs unter www.romygraske.de

1Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung der Sprachformen männlich, weiblich und divers (m/w/d) verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter.