Eine Wahlstation rund 9.000 km südlich von Deutschland

Strand von Kapstadt mit Tafelbergen im Hintergrund
von Fabiola Haas

Interview mit der Juristin Fabiola Haas über ihre Erfahrungen während ihrer Wahlstation in Südafrika bei Itzeck Inc. in Kapstadt. Fabiola Haas war als Vorstandsmitglied bei dem Verein der Rechtsreferendare in Bayern e.V. aktiv. Seit September 2024 ist sie als Rechtsanwältin bei der Kanzlei Willkie Farr & Gallagher LLP im Bereich Private Equity/M&A in München tätig.

Warum hast Du Dich damals für eine Wahlstation im Ausland entschieden?

Ein Aufenthalt im Ausland, das ist ein Blick über den juristischen Tellerrand: ein fremdes Rechtssystem und eine andere Sprache, eine neue Arbeitswelt. Kann man davon juristisch profitieren? Die klare Antwort lautet Ja. Anfangs war ich skeptisch, ob die drei Monate lange Zeit der Wahlstation sinnvoll genutzt werden kann, um mich juristisch weiterzubilden. Rückblickend wurden meine Erwartungen mehr als übertroffen. Die Grundzüge eines fremden Rechtssystems lernt man nicht zwangsläufig im Studium oder Referendariat. Doch es ist unerlässlich, sich damit auseinanderzusetzen, wenn man sich in der Zukunft juristisch international betätigen möchte.

So wie in meinem Fall: Schon lange war klar, dass ich mich zukünftig mit internationalen Mandaten beschäftigen möchte. Deshalb bin ich froh, dass ich wertvolle Erfahrungen in Kapstadt sammeln konnte. Wer also mit dem Gedanken spielt, nach Südafrika zu gehen, sollte sich rechtzeitig um eine Stelle bewerben. Die Plätze sind begrenzt und die Wohnungssuche erfordert Zeit.

Wie verlief Dein Bewerbungsprozess für eine Wahlstation in Kapstadt?

Mein Bewerbungsprozess begann unter nicht vorhersehbaren, nicht geplanten besonderen Umständen. Trotz sorgfältiger Terminplanung kam ein Telefonat zunächst nicht zustande. Der Grund war ein Stromausfall – in Südafrika liebevoll „load-shedding“ genannt – ein geplantes, zeitweises Abschalten der Stromversorgung. Zwei Stunden vergingen, bis das Gespräch schließlich wie geplant stattfinden konnte.

Wer einige Monate in Südafrika verbringt, wird der weitverbreiteten Alltagsbemerkung „TIA“ nicht entkommen. Drei Buchstaben, die für „This is Africa“ stehen und eine bestimmte aus der Not geborene Lebensphilosophie widerspiegeln. Während meines Aufenthalts im südlichsten Land Afrikas hörte ich diesen Ausdruck ständig. Am besten lässt er sich mit „Damit musst du leben“ oder „So ist das eben“ übersetzen. Meine erste Begegnung mit Südafrika war somit gleich eine Herausforderung. Aber damit musst du leben – ein echter TIA-Moment eben. Ein Jahr vor dem Beginn meines Aufenthalts und nach einigen weiteren Telefonaten erhielt ich schließlich die ersehnte Zusage von Rechtsanwalt Bernd-Dieter Itzeck per E-Mail.

Was ist Dir vom Bewerbungsgespräch besonders in Erinnerung geblieben?

Gleich zu Beginn meines Bewerbungsgesprächs begegnete mir die südafrikanische Herzlichkeit und Offenheit, die mir während meines Aufenthalts noch häufiger begegnen sollte. Nachdem wir kurz Smalltalk geführt hatten, stellte sich mein Gesprächspartner 9.000 Kilometer entfernt vor. Jedes Gespräch beginnt hier mit einem freundlichen „How are you?“ – ein kurzer Smalltalk noch vor der eigentlichen Begrüßung. Für uns Deutsche etwas gewöhnungsbedürftig, doch eine Bereicherung, die ich mir bis heute beibehalten habe.

Wie sah Dein juristischer Arbeitsalltag aus und welche Aufgaben hast du übernommen?

Gleich zu Anfang hatte ich einen Termin beim Court of Justice, mitten im Herzen von Kapstadt. Einen besseren Einblick in das südafrikanische Rechtssystem kann ich mir kaum vorstellen. Da geht es hoch her! Das durfte ich dann auch gleich zu Beginn meines Aufenthalts bei dem Gerichtstermin eines zuvor gemeinsam bearbeiteten Mandats hautnah miterleben. Sobald sich die advocates ihre eleganten Roben übergeworfen hatten, gab es kein Halten mehr und es brach eine lebhafte Diskussion im Gerichtssaal aus. Zugegebenermaßen ging es auch um ein sehr emotionales und sensibles Thema: Familienrecht.

Die Aufgaben bei Itzeck Inc. waren ebenso vielfältig wie die Rechtsgebiete. Das Aufgabenspektrum reichte von der Mandantenbetreuung bis hin zur Endabrechnung eines Mandats. Besonders spannend war es, immer wieder Bezüge zur deutschen Rechtsordnung herzustellen und die jeweiligen Besonderheiten zu diskutieren. Neben der täglichen Mandatsarbeit wurden auch englischsprachige Gutachten erstellt. Diese Erfahrung hat meinen Blickwinkel erweitert und ich schätze die wertvolle Zeit, die wir dafür bekommen haben, sehr.

Wie war denn dein Arbeitspensum?

Es gab immer viel zu tun, darunter Gerichtstermine oder ähnliche Verpflichtungen. Aber wir konnten uns im Team gut abstimmen und waren flexibel. In Bezug auf freie Tage hatten wir trotzdem genug Freizeit. Wir waren sechs Referendare und Referendarinnen im Team und haben immer einen guten Mittelweg gefunden. Die Absprache unter uns erfolgte gemeinschaftlich, sodass auf alle Bedürfnisse eingegangen werden konnte. Dabei entstanden auch neue Freundschaften.

Dein persönliches kurzes Fazit?

Ukubonga! Ich bin dankbar für die juristischen und persönlichen Erfahrungen, die ich während meines Auslandsaufenthalts sammeln durfte. Allen, die sich für internationales juristisches Arbeiten interessieren, empfehle ich, einen ähnlichen Aufenthalt zu planen.

 

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Über die Autorin:

Fabiola Haas
Sie absolvierte ihre Wahlstation bei Itzeck Inc., Kapstadt, Südafrika. Die Tätigkeitsschwerpunkte der englisch-, deutsch- und afrikaanssprachigen Kanzlei liegen insbesondere im allgemeinen Zivilrecht.