
Manche Momente stören nicht nur den gewohnten Ablauf – sie verändern alles. Für mich war die Pandemie ein solcher Moment – eine unerwartete Kraft, die die Digitalisierung in einem Tempo beschleunigte, das sich zuvor kaum jemand vorstellen konnte. Gerichte, Klassenzimmer und Unternehmen verlagerten sich fast über Nacht ins Netz. Das zeigte, dass Technologie die Welt am Laufen halten kann, enthüllte jedoch auch, wie schnell grundlegende Rechte wie der Datenschutz aus dem Blick geraten können. Als ich diesen Wandel in meinem letzten Jahr des Jurastudiums miterlebte, reifte in mir die Überzeugung: Das Recht muss sich genauso schnell weiterentwickeln wie die Technologie – oder es wird zurückbleiben. Getrieben von diesem Gedanken bewarb ich mich um ein DAAD-Stipendium und zog nach Deutschland, um an der Universität Würzburg den Masterstudiengang Digitalization and Law zu absolvieren.
Wo Recht auf Technologie trifft
Der Studiengang Digitalization and Law richtet sich an alle, die überzeugt sind, dass sich das Recht im Gleichschritt mit der Technologie weiterentwickeln muss. Er zieht neugierige, global denkende Fachleute an, die bereit sind, sich den rechtlichen Herausforderungen des digitalen Zeitalters zu stellen. Die Teilnehmenden kommen aus unterschiedlichen juristischen Fachrichtungen und bereichern jede Diskussion mit vielfältigen Perspektiven. Themen wie Datenschutz, Cyberkriminalität, IT-Recht und Künstliche Intelligenz werden nicht nur theoretisch behandelt, sondern auch anhand von Fallanalysen und praxisnahen ethischen Fragestellungen vertieft. Dabei geht es um Fragen wie: Wer haftet, wenn eine Künstliche Intelligenz Schaden anrichtet? Wie können Plattformen die Meinungsfreiheit wahren und zugleich Hassrede bekämpfen? Welche Schutzmechanismen sind nötig, wenn personenbezogene Daten Grenzen überschreiten?.
Recht praxisnah studieren – im digitalen Wandel
Eine der herausragendsten Eigenschaften des Programms ist der konsequente Praxisbezug: Abstrakte Rechtsgrundsätze werden stets in konkrete, reale Kontexte eingebettet. Die Lehrveranstaltungen bewegten sich fließend von EU-Richtlinien zu wegweisenden Gerichtsentscheidungen, von Prozessstrategien zu politischen Debatten über Ländergrenzen hinweg. Viele Dozentinnen und Dozenten hatten zuvor in öffentlichen Institutionen, Gerichten, internationalen Rechtsprojekten oder führenden Kanzleien gearbeitet und nutzten diese Erfahrung, um das Recht lebendig werden zu lassen. Ihre Offenheit und Expertise schufen ein Umfeld, in dem kritisches Denken und offener Austausch gedeihen konnten. Dieser Ansatz vertiefte nicht nur mein juristisches Wissen, sondern bereitete mich auch auf die Praxis vor. Absolventinnen und Absolventen sind dadurch bestens gerüstet, um in Rechtsabteilungen, Compliance-Abteilungen, Datenschutzstellen oder im Bereich Regulatory Affairs tätig zu werden – in Branchen wie Technologie, Beratung, Recht oder öffentlicher Verwaltung. In einem Markt, in dem der Bedarf an Fachleuten wächst, die technologische Herausforderungen kreativ und rechtskonform meistern und daraus praktikable, wirksame Lösungen für digitale Produkte und Dienstleistungen entwickeln, hat das Studium meinen Blick für das große Ganze geschärft. Es hat mich befähigt, Lösungen mitzugestalten, die sowohl innovativ als auch rechtskonform sind.
Neue Ansichten für den künftigen Berufsweg
Über die berufliche Vorbereitung hinaus hat das Programm auch meine Sicht auf die Welt verändert. Das Studium in einem anderen Land, in einer neuen Sprache und Rechtskultur hat mich gelehrt, mich an neue technologische Entwicklungen anzupassen und juristische Fragen aus mehreren Perspektiven zu betrachten. Es hat mir gezeigt, dass hinter jedem digitalen Fortschritt eine Reihe rechtlicher und ethischer Fragen steht, die nicht ignoriert werden dürfen. Auf meinem weiteren Berufsweg nehme ich nicht nur fachliches Wissen mit, sondern auch die Überzeugung, dass das Recht – wenn es mit Bedacht angewendet wird – helfen kann, eine digitale Zukunft zu gestalten, die sowohl innovativ als auch respektvoll gegenüber unseren grundlegendsten Rechten ist.
Kemi Muñoz
Sie ist Juristin aus Barranquilla, Kolumbien. Mit einem DAAD-Stipendium absolvierte sie 2025 den Master „Digitalization and Law“ an der Universität Würzburg. Ihre Schwerpunkte liegen in Datenschutz, Compliance, KI-Regulierung und Open-Source-Software. Sie engagiert sich für die verantwortungsvolle Gestaltung technologischer Innovation und ein besseres Rechtsverständnis.
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