Meine Wahlstation bei der Deutsch-Irischen Handelskammer in Dublin

von Lisa Katharina Baisl

Bereits während meines Studiums hegte ich den Wunsch, einen Teil des Referendariats im Ausland zu absolvieren. Die Wahlstation nach dem schriftlichen Examen stellt dabei eine ausgezeichnete Gelegenheit dar, vor dem anstehenden Berufseinstieg noch einmal Auslandserfahrung zu sammeln und dem Konstrukt der klassischen Referendariatsstationen zu entfliehen.

Da ein solcher Aufenthalt einiger Vorbereitungszeit bedarf, suchte ich rund ein Jahr vor Beginn der Wahlstation potenzielle Stellenangebote heraus. Bewerbungsverfahren Auf der Suche nach einer passenden Stelle stieß ich auf einen Erfahrungsbericht eines ehemaligen Referendars, der über seine Zeit bei der Handelskammer in New York berichtete.

Davon inspiriert, verschaffte ich mir auf der Webseite der deutschen Außenhandelskammern einen ersten Überblick über die zahlreichen Standorte. Je nach Länderwahl sind die Handelskammern bei Referendaren durchaus begehrt. Mein Wunsch, in ein englischsprachiges Land zu gehen, begrenzte die Auswahl auf einige wenige Länder. Auf den Webseiten der einzelnen Handelskammern sind in der Regel die jeweiligen Ansprechpartner zu finden.

Nachdem ich mehrere Bewerbungen versendet und den gängigen Bewerbungsprozess durchlaufen hatte, entschied ich mich schließlich für die Deutsch-Irische Handelskammer in Dublin. Aktuell arbeitet dort jedoch, wie auch in einigen anderen Außenhandelskammern, kein Volljurist. Es ist insofern empfehlenswert, vorab die Stationsvoraussetzungen seines jeweiligen Bundeslandes zu überprüfen.

Stationsvorbereitung

Rund neun Monate vor Stationsbeginn hatte ich meine Arbeitsstelle gefunden, wodurch für die Vorbereitung noch ausreichend Zeit verblieb. Leider war es wegen des sich immer weiter ausbreitenden Coronavirus bis kurz vor Beginn der Wahlstation im Januar nicht klar, ob ich diese tatsächlich vor Ort würde wahrnehmen können. Ich entschied mich dennoch dazu, die Station im Rahmen des Möglichen vor Ort zu absolvieren, da ich während der gesamten Examensvorbereitung meinen Auslandsaufenthalt herbeigesehnt hatte.

Flüge nach Irland sind schnell gefunden und können auch noch relativ spontan und kostengünstig ergattert werden. Die Wohnungssuche gestaltete sich hingegen etwas schwieriger, da die Lebenshaltungskosten in Dublin vergleichsweise hoch sind. Prinzipiell eignen sich für die Wohnungssuche wegen des begrenzten Zeitraums des Aufenthalts Plattformen wie Airbnb oder daft.ie – das irische Pendant zu wg-gesucht.de. Über daft.ie stieß ich auf ein zentral gelegenes, privates Studentenwohnheim, das möblierte Zimmer auch für mehrere Wochen zu moderaten Preisen anbot.

Tätigkeitsfelder

Den irischen Corona-Verordnungen geschuldet, verbrachte ich zunächst zwei Wochen im Home-Office. Im Anschluss daran durfte ich dann endlich von den zentral gelegenen, im georgianischen Stil erbauten Büroräumen aus meiner neuen Tätigkeit nachgehen. Die Kernaufgabe der Kammer liegt insbesondere darin, deutschen Unternehmen den Weg in den irischen Markt zu ebnen. In diesem Zusammenhang wird den Mandanten ein breites Dienstleistungsportfolio zur Verfügung gestellt, welches alle Erfordernisse abdeckt, um ein Unternehmen auf dem irischen Markt erfolgreich zu positionieren. Die Mitarbeiterinnen und Miterarbeiter der Handelskammer sind sowohl irischer als auch deutscher Herkunft, wodurch eine interkulturelle Beratung gewährleistet werden kann.

Als Referendarin oder Referendar bearbeitet man überwiegend das Tagesgeschäft, beantwortet Anfragen von Mandanten oder leistet kleinere Recherchearbeiten. Während meiner Zeit bei der Handelskammer wurde ich primär mit unternehmens- und steuerrechtlichen Themen konfrontiert. Mit dem EU-Austritt des Vereinigten Königreichs und dem Ende der bis zum 31.12. 2021 geltenden Übergangsphase bearbeitete ich zudem viele Fragestellungen, die sich rund um das Thema »Brexit« und den damit einhergehenden Veränderungen stellten.

Besonders angetan war ich von der täglichen Mandatsarbeit, in die ich von Beginn an eingebunden wurde. Als angenehm empfand ich auch die lockere Atmosphäre zwischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie Vorgesetzten.

Die Arbeitssprache in der Handelskammer ist Englisch und Deutsch. Gute Englischkenntnisse in Wort und Schrift werden daher vorausgesetzt. Da ich vier Tage die Woche arbeitete, erhielt ich zudem eine kleine Aufwandsentschädigung.

Fazit

Rückblickend bereue ich nicht, trotz der Umstände meine Wahlstation in Dublin verbracht zu haben. Natürlich waren die Freizeitmöglichkeiten durch die Corona-Verordnungen vergleichsweise beschränkt, dennoch hatte ich einen unvergesslichen und vor allem lehrreichen Aufenthalt. Ich kann eine Wahlstation im Ausland jedem ans Herz legen, der sich nicht vor einer sprachlichen und kulturellen Herausforderung scheut sowie vor der mündlichen Prüfung eine spannende und abwechslungsreiche Zeit erleben will.

 

Über die Autorin:

Lisa Katharina Baisl
Rechtswissenschaftsstudium an der LMU
Referendariat am Landgericht Ulm