
Ein Erfahrungsbericht der Juristin Anna-Lena Heinz über ihr Traineeprogramm im Hessischen Ministerium des Innern, für Sicherheit und Heimatschutz (HMdI)
Wieso sollte ich mich als Volljuristin mit durchaus passablen Staatsexamina für eine Tätigkeit im öffentlichen Verwaltungsdienst interessieren? Verwaltung steht doch scheinbar für behäbiges Beamtentum, langweilige Themen und wenige Entwicklungsperspektiven. Das waren anfangs auch meine Vorurteile. Kleiner Spoiler: Ich bin nun seit gut elfeinhalb Jahren im hessischen Innenressort tätig und stereotype Vorurteile sollten widerlegt werden!
Ich war durchaus am Zögern, mich für das zweieinhalbjährige Traineeprogramm für Nachwuchsführungskräfte in der hessischen Innenverwaltung zu bewerben. Und dies nicht nur wegen der Verwaltungstätigkeit an sich, sondern auch wegen der Unsicherheit, in welchen Bereichen ich eingesetzt werde. Immerhin besteht das Traineeprogramm aus drei Stationen in unterschiedlichen Behörden des Innenressorts.
Aber: Das Programm war definitiv das Beste, was mir passieren konnte! Ich bin auch rückblickend immer noch unglaublich begeistert. Die Möglichkeit, in meinen ersten Berufsjahren im öffentlichen Dienst in verschiedenen Bereichen tätig zu sein, mit unterschiedlichen Teams zu arbeiten und mich immer wieder in neue juristische Aufgaben eindenken zu können, war für die berufliche Findung nach dem Referendariat genau das Richtige. Gewinnbringend war auch das begleitende einjährige Fortbildungsprogramm für Nachwuchsführungskräfte und natürlich der Austausch mit anderen Trainees, die mir bis heute im kollegialen Zusammenwirken als auch im persönlichen Miteinander ein bereicherndes Netzwerk sind.
Ich begann beim Regierungspräsidium Kassel bei der Zentralen Bußgeldstelle, die für die Festsetzung von Verkehrsordnungswidrigkeiten zuständig ist. Klingt langweilig. War es nicht! Neben den zugegebenermaßen juristisch weniger komplexen Fallgestaltungen war ich mit vielfältigen weiteren Aufgaben betraut, darunter das Abhalten von Schulungen, die Erstellung von Konzepten für die polizeiliche Praxis sowie das Führen von Personalgesprächen. Im Anschluss war ich neun Monate im Organisationsreferat im HMdI und habe es sehr geschätzt, die Organisationsstrukturen der hessischen Landesverwaltung und das Zusammenspiel mit den Aufgabenbereichen des Landtags – von Stellungnahmen zu Petitionen bis hin zur Mitwirkung bei Großen Anfragen – näher kennenzulernen. Meine letzte Station führte mich zu einer Polizeibehörde, in der ich in den juristisch vertrauten Bereichen des Polizei- und Personalrechts arbeitete und zudem Gerichtstermine wahrnehmen durfte.
Entwicklungsperspektiven
Nach dem Traineeprogramm war ich sodann in einer polizeilichen Spezialbehörde für sämtliche Vergabeverfahren der hessischen Polizei juristisch verantwortlich und habe dabei besonders das interdisziplinäre Zusammenarbeiten, ob aus den Bereichen Polizei, IT oder Funktechnik, zu schätzen gelernt. Fast sechs Jahre war ich anschließend im Justiziariat des HMdI und konnte neben der klassischen Rechtsberatung auch rechtgestalterisch tätig werden. Die Verkündung des ersten formellen Gesetzes aus der eigenen Feder erfüllt einen zweifellos mit Stolz. Im wahrsten Sinne des Wortes über Nacht wurde ich in eine Sonderorganisation berufen, die „Task Force Beschaffungskoordinierung“: ca. 200 Beschäftigte des Innenressorts sorgten zu Beginn der Coronapandemie monatelang dafür, Masken und Schutzausstattung zu beschaffen. Es war definitiv etwas Besonders, Bestandteil einer ad hoc gebildeten Organisation zu sein und als Teil des Staatsapparats mit einer beeindruckenden Leistungsfähigkeit und Produktivität für das Gemeinwohl Sorge zu tragen. Und nun bin ich seit eineinhalb Jahren Abteilungsleiterin in einer Polizeibehörde und darf mich um die organisatorische und strategische Ausrichtung sowie die fachliche Verantwortung einer Abteilung mit 104 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern kümmern. In dieser neuen Aufgabe wurde ich durch ein Coaching begleitet. An dieser Stelle möchte ich die vielfältigen Fortbildungsangebote des Landes Hessen hervorheben. Die Förderung der Einzelnen wird hier gelebt!
Rückblick und Ausblick
Um auf meine eingangs beschriebene Skepsis gegenüber dem öffentlichen Verwaltungsdienst zurückzukommen: Behäbigkeit, monotone Arbeit und mangelnde berufliche Perspektive ist mir mitnichten begegnet. Ich habe die Entscheidung für die hessische Innenverwaltung nicht bereut – ganz im Gegenteil! Die abwechslungsreichen Aufgaben, das interdisziplinäre Arbeiten, das Gestalten von Rechtsnormen, die sinnhafte Tätigkeit beim Staat, Personalführung und vor allem auch die Zusammenarbeit mit unglaublich engagierten, begeisterungsfähigen Kolleginnen und Kollegen bieten mir die Chance, mich immer wieder aufs Neue zu fordern und mich persönlich und beruflich weiterzuentwickeln.
Stets nach dem Ausdruck „kein Fortschritt im Stillstand“ freue ich mich in den kommenden Berufsjahren auf weitere lehrreiche und bereichernde Verwendungen im Innenressort und vielleicht habe ich jetzt genau Dich von der spannenden, vielfältigen Tätigkeit als Verwaltungsjuristin oder Verwaltungsjurist überzeugt.
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Über die Autorin:
Anna-Lena Heinz - Juristin
Sie ist seit 2014 Juristin beim Land Hessen und leitet die Abteilung 1 – Verwaltung des Hessischen Polizeipräsidiums für Technik.