
Interview mit Maximilian Zobel, LL.M. (Cornell), der sein LL.M.-Studium an der Cornell Law School im Studienjahr 2021/2022 absolvierte. Heute arbeitet er in einer US-amerikanischen Großkanzlei in London.
Warum hast Du Dich für einen LL.M. entschieden?
Für mich waren zwei Gründe ausschlaggebend: Schon früh wollte ich in die Großkanzlei. Die Aussicht auf spannende internationale Mandate begeisterte mich. Meine Praktika und meine Referendariatstätigkeit zeigten mir jedoch, dass das Schulenglisch hierfür nicht ganz ausreicht. Die Sprachkenntnisse könnte man sich aber auch im Job aneignen. Daher das zweite Argument: Nachdem ich mein Studium und Referendariat vergleichsweise schnell abschloss, sehnte ich mich nach einer Auszeit und mehr Selbstbestimmtheit. Ein LL.M. erschien mir als die geeignete Lösung.
Wie kamst Du dann auf die Cornell Law School?
Auf Cornell stieß ich durch das Austauschprogramm meiner Alma Mater, der Universität Heidelberg. Einer der Vorteile wäre gewesen, keine Studiengebühren zahlen zu müssen, was aufgrund der hohen Kosten für einen LL.M. in den USA sehr attraktiv war. Zwei Aspekte kamen hinzu: Der wunderschöne Cornell-Campus und die fachliche Selbstbestimmtheit.
Während manche Universitäten ein Curriculum vorschreiben und Spezialisierungen verleihen, bietet Cornell einen General LL.M. an, für den man aus einem breiten Kursangebot frei auswählen kann – von Verfassungs- und Strafrecht, über Rechtsvergleichung bis hin zu vertieftem Gesellschaftsrecht mit Kursen zu Private Equity und Hedge Fonds.
Auch der Standort spielt bei der Uniwahl eine Rolle. Zur Wahl standen bei mir eine Fakultät im Herzen der Londoner City und Ithaca, eine Idylle vier Stunden von New York City entfernt. Ich entschied mich damals bewusst für das Campusleben, das ich als einzigartige Möglichkeit empfand und das sich in der Form wohl nie wieder anbieten würde. Im Nachhinein eine gute Entscheidung, denn dass ich wenige Monate später ein Jobangebot aus London annehmen würde, hätte ich damals nicht gedacht.
Du bist derzeit in London als Anwalt im US-Kapitalmarktrecht tätig. Hast Du das Bar Exam absolviert?
Genau. Der LL.M. war dafür die Grundvoraussetzung. Erst damit konnte ich die Anwaltsprüfung für den Staat New York (das New York Bar Exam) absolvieren. Es ist zwar keine Pflicht, doch wer in New York oder anderswo im US-Recht arbeiten möchte, braucht im Regelfall diese Qualifikation. Für die Teilnahme sind allerdings einige Kurse vorgeschrieben, was die Kurswahlfreiheit etwas einschränkt. Auf der anderen Seite jedoch hilft es, das Verständnis für das US-Recht zu vertiefen. Das New Yorker Bar ist übrigens das Gängigste, man kann das Bar Exam aber auch in anderen Bundesstaaten absolvieren.
Nach der Law-School-Abschlussfeier im Mai beginnt dann die zweimonatige Vorbereitung auf das New York Bar Exam, das Ende Juli stattfindet. Die Prüfung besteht aus Essays und Multiple-Choice-Fragen, wofür man die meisten Themen das erste Mal während der Vorbereitung sehen wird. Repetitorien führen einen aber strukturiert durch den Stoff. Das kennen wir bereits von unseren deutschen Examina und so sollte man sich nicht abschrecken lassen. Wer das deutsche Staatsexamen überstanden hat, wird mit dem New York Bar Exam keine Schwierigkeiten haben.
Wie hast Du Deinen Job damals gefunden? Kannst Du den Prozess etwas beleuchten?
Im Januar finden zwei große Jobmessen statt, die von den Universitäten organisiert werden. Dort stellen sich Kanzleien weltweit vor – u.a. aus New York, Los Angeles, Hongkong, Singapur, London und München. Der Prozess läuft in der Regel so ab, dass man zunächst ein kurzes (Screening-)Interview mit einem Partner führt. Das zweite und letzte (Call-Back-)Interview ist dann mit mehreren Anwälten und über mehrere Stunden. Innerhalb weniger Tage erfolgt dann die Rückmeldung.
Cornell unterstützte bei der Vorbereitung wirklich umfassend – von Lebenslauf-Workshops bis hin zu Interviewtrainings von ehemaligen Großkanzleipartnern.
Warum London?
London war tatsächlich nicht geplant, sondern eher Zufall. Ursprünglich wollte ich nach dem LL.M. noch ein Jahr in den USA arbeiten und danach nach Deutschland zurückkehren. Doch die Motivation meiner Kommilitonen, unbedingt in den USA Fuß zu fassen, steckte an. So begann ich mich mit der Idee auseinanderzusetzen. Bei den Anzeigen der Jobmesse sah ich Stellen in London – die Bewerbung fühlte sich sofort richtig an. Heute, fast vier Jahre später, bin ich noch immer dort.
Dr. Sebastian Pech, LL.M. (Duke)
Er absolvierte sein LL.M.-Studium in den USA an der Duke University School of Law und rief die Internetseite www.llm-essentials.de ins Leben, um zukünftige LL.M.-Studierende bei der Entscheidungsfindung, Vorbereitung und Durchführung ihres Auslandsaufenthalts zu unterstützen.
Maximilian T. Zobel, LL.M. (Cornell)
Sein ausführlicher Erfahrungsbericht zu seinem LL.M.-Studium ist hier abrufbar: www.llm-essentials.de/mz-cornell.
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