eLegal – Ein Blick in die Zukunft …

von Steffen Kootz und Jari Kohne

Die Digitalisierung verändert die Art und Weise, wie wir leben und arbeiten. Und sie verändert auch die Rechtsbranche. Vielleicht hast Du schon mal etwas von »Legal Tech« gehört. Vermutlich denkst Du dabei an Unternehmen wie Flightright oder wenigermiete.de. Diese Assoziationen sind richtig, aber unvollständig. Denn Legal Tech ist noch viel mehr.

Wusstest Du, dass es in Großkanzleien üblich ist, dass Verträge nicht nur von Software geprüft, sondern auch formuliert werden? Oder dass Rechtsstreitigkeiten zunehmend nicht mehr vor staatlichen Gerichten ausgefochten, sondern auf Online-Plattformen durch Algorithmen entschieden werden? Oder ist Dir bekannt, dass im internationalen Warenverkehr bereits heute digitale Verträge eingesetzt werden, die sich selbst erfüllen, indem sie automatisiert Waren- oder Gelddispositionen auslösen?

Problem

Das Jurastudium ist in wesentlichen Grundzügen auf dem Stand vergangener Jahrzehnte stehen geblieben und gibt keine Antwort auf diese und andere drängende Fragen. Dabei stellt der zunehmende Einzug moderner Technologien in den juristischen Alltag angehende Juristinnen und Juristen vor ganz neue Herausforderungen.

Ausschließlich wissensreproduzierende Tätigkeiten und repetitive Aufgaben verlieren durch die Automatisierung zunehmend an Bedeutung. Immer wichtiger wird dagegen ein Grundverständnis für die Funktionsweise der zum Einsatz kommenden Technologien, ihrer Einsatzmöglichkeiten und Grenzen. Initiative Um die entstandene Lücke zwischen Ausbildung und Praxis zu schließen, haben wir deshalb bereits im Frühjahr 2019 die Initiative eLegal gegründet.

Mit mittlerweile über 100 Mitgliedern sind wir bundesweit vertreten und haben seit unserer Gründung bereits eine ganze Reihe verschiedener Projekte und Veranstaltungen organisiert. In Webinaren können Teilnehmerinnen und Teilnehmer mehr über die anwaltliche Arbeit mit künstlicher Intelligenz oder die Zukunft juristischer Berufe lernen. In praktischen Workshops erstellen sie selbst intelligente Vertragsmuster oder programmieren kleine Roboter, die automatisiert Arbeitsaufträge ausführen. Gleichzeitig veröffentlichen wir in regelmäßigen Abständen Interviews und einen Podcast, um einen ersten Einstieg zu ermöglichen.

Lernplattform

Seit knapp einem Jahr arbeiten wir außerdem mit führenden Expertinnen und Experten aus Universitäten, Kanzleien, Startups, Gerichten und Politik an einer kostenfrei zugänglichen und interaktiven Lernplattform zur Vermittlung von Grundlagenwissen über die Zukunft der Rechtsbranche.

In 25 verschiedenen Einheiten geben wir einen detaillierten Überblick über die wichtigsten Entwicklungen und ihre Auswirkungen auf die Arbeit von Juristinnen und Juristen. Dazu kombinieren wir einführende Artikel mit realistischen Praxisbeispielen und eingebetteten Tools für eine möglichst abwechslungsreiche und praxisnahe Lernerfahrung. Durch Wissenskontrollen und individuelles Fortschrittstracking stellen wir dabei eine personalisierte Lernerfahrung sicher.

Mittelfristig verfolgen wir das Ziel, unsere Lernplattform schrittweise in universitäre Lehrveranstaltungen zu integrieren. Insbesondere im Rahmen von (verpflichtenden) Schlüsselqualifikationsveranstaltungen sollen Studierende nicht mehr nur praktisches Anwendungswissen sammeln, sondern gleichzeitig auch einen breiten Überblick über die Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung des Rechts erhalten.

Dazu bieten wir Universitäten in enger Zusammenarbeit unsere Lernplattform zur kostenlosen Nutzung an und unterstützen sie aktiv bei der Integration in bestehende oder neue Veranstaltungen.

Mitwirken

Trotz dieser Angebote klingt das Thema Legal Tech für viele Studentinnen und Studenten immer noch vorwiegend nach Herausforderung. Doch gilt es, die Chancen zu erblicken und sich den Herausforderungen so früh wie möglich zu stellen. Deshalb solltest Du Teil unseres interdisziplinären Teams werden! Bei uns arbeiten Studierende, Referendare und Informatiker völlig universitätsunabhängig und sogar über Ländergrenzen hinweg mit Expertinnen und Experten aus Kanzleien, Startups und Universitäten zusammen.

Dabei sind wir vollständig projektbezogen organisiert und nutzen verschiedene Kollaborationstools wie Notion, Slack oder Zoom, um allen Mitgliedern maximale Flexibilität für ihr Engagement zu geben. Vorkenntnisse sind für eine Mitarbeit nicht erforderlich. Wir hatten am Anfang alle keine – gerade deshalb haben wir eLegal gegründet!

Konnten wir Dein Interesse für Legal Tech wecken? Dann melde Dich gerne bei uns! Auf unserer Website unter www.elegal.technology kannst Du in nur zwei Minuten einen Mitgliedsantrag ausfüllen, wenn Du Lust hast, an unseren Projekten mitzuarbeiten.

 

Über die Autoren:

Steffen Kootz
studiert Jura an der
Göttinger Georg-August-Universität
Gründer und Vorstandsvorsitzender von eLegal

Jari Kohne
studiert Jura
an der Leibniz Universität Hannover
seit Anfang 2020 Mitglied bei eLegal