Als Juristin ins Auswärtige Amt

Von Antonia Rosenstock, M.Jur. (Oxford)

Im Juli 2020 trat ich meine Stelle als Attachée, also als Anwärterin im höheren Auswärtigen Dienst, an. Ich kann mich noch genau erinnern: Als ich die Zusage in den Händen hielt, befand ich mich auf einem Gletscher bei einer Skitour, auf 3500 Metern Höhe.

Weil ich versehentlich in meinen Bewerbungsunterlagen eine falsche Hausnummer angegeben hatte, hatte mich meine Zusage per Brief zunächst nicht erreicht. Obwohl ich von Mitbewerberinnen und Mitbewerbern erfahren hatte, dass die Zusagen verschickt worden waren, traute ich mich erst nach einigen Tagen nachzufragen. Und so kam die Zusage dann per E-Mail zu mir. Es war so kalt und ich so aufgeregt, dass ich eine gefühlte Ewigkeit gebraucht habe, um das PDF-Dokument zu öffnen.

Was macht die Arbeit im Auswärtigen Dienst aus?

Die Arbeit im Auswärtigen Dienst zeichnet sich für mich insbesondere durch ihre Vielseitigkeit aus. Dies betrifft nicht allein den in der Regel alle drei Jahre wechselnden Dienstort. Auch inhaltlich sind die Tätigkeiten sehr abwechslungsreich. Diplomatie ist nicht nur strikt politisch zu verstehen: Auch die Kulturdiplomatie, Wirtschaftsdiplomatie und das Protokoll sind wichtige und einander ergänzende Bestandteile der deutschen Außenpolitik. Damit kann und wird man als Juristin oder Jurist auch außerhalb der klassischen juristischen Felder arbeiten.

Ich habe beispielsweise in der Wirtschaftsabteilung begonnen und kann aus persönlicher Erfahrung bestätigen: Seit meinen erst sieben Monaten nach Beendigung der Ausbildung habe ich bereits in Genf an Verhandlungen des Menschenrechtsrates teilgenommen und den Krisenstab des Auswärtigen Amtes unterstützt. Weltpolitik und das politische Tagesgeschehen sind jetzt hautnah.

Meine Kolleginnen und Kollegen im Auswärtigen Dienst sind dabei genauso vielseitig wie unsere tägliche Arbeit: jeden Tag arbeite ich mit Menschen zusammen, die an anderen Orten in unterschiedlichen Zeit- oder Klimazonen leben oder einen anderen universitären Hintergrund als ich haben. Eine Kollegin in meiner Arbeitseinheit zum Beispiel arbeitete vorher als Archäologin. Für mich war und bleibt diese Diversität – sowohl in der eigenen Arbeit als auch das Umfeld betreffend – der entscheidende Grund für meine Wahl, im Auswärtigen Dienst zu arbeiten.

Wie schwierig ist das Auswahlverfahren?

Das Auswahlverfahren gilt bekanntlich als eines der anspruchsvollsten Einstellungsverfahren in Deutschland. Auch rückblickend kann ich bestätigen: Das Verfahren ist sowohl inhaltlich schwierig als auch von der Dauer her langwierig – den ersten Online-Vortest habe ich gut ein Jahr vor Ausbildungsbeginn absolviert.

Aber: wenn ihr euch mit dem Berufsbild Diplomat bzw. Diplomatin auseinandergesetzt habt und euer Interesse geweckt wurde, sollte der dem Auswahlverfahren vorauseilende Ruf euch in keinem Fall von einer Bewerbung abhalten!

Zwar ist eine lückenlose Vorbereitung auf das Auswahlverfahren bei der Fülle an Anforderungen sicherlich nicht möglich. Jedoch kann man sich mit den unterschiedlichen Aufgabenstellungen vertraut machen. Ich habe mich für den schriftlichen Test insbesondere auf den sog. psychologischen Eignungstest vorbereitet. Dafür habe ich mit einer Stoppuhr dem Testformat entsprechende Aufgaben gerechnet. Wie sich in nachträglichen Diskussionen mit meinen Crewkolleginnen und -kollegen herausstellte, hatte sich jede und jeder sehr unterschiedlich auf das Auswahlverfahren vorbereitet.

Zusammenfassend ist mein Tipp: Macht euch mit der Art der Aufgabenstellung vertraut, identifiziert eure persönlichen Stärken und Schwächen – und bereitet euch dann ganz gezielt vor.

Wie läuft die Ausbildung ab?

Die zwölfmonatige Ausbildung umfasst eine Theorie- und eine Praxisphase. Die Theoriephase verbrachten wir als Ausbildungsjahrgang alle gemeinsam im Unterricht, die Praxisphase durften einige von uns in verschiedenen Arbeitseinheiten in der Zentrale in Berlin verbringen, während andere bereits in mancher Auslandsvertretung Erfahrung sammeln konnten. Der Unterricht reichte von Sprachen, über Politik und VWL, zu Völkerrecht, Rechts- und Konsularwesen.

Ein Wermutstropfen war sicher, dass die sonst obligatorischen Lehrbesichtigungsfahrten (zum Beispiel zu den Institutionen der EU nach Brüssel) pandemiebedingt nicht stattfinden konnten. Wir hatten jedoch trotzdem eine Vielzahl spannender Online-Veranstaltungen, zum Beispiel mit einer Friedensnobelpreisträgerin.

Für mich macht auch die Ausbildung die Arbeit beim Auswärtigen Amt so besonders. Dies nicht zuletzt, weil man mit der »Crew« direkt 70 Kolleginnen und Kollegen sehr gut kennenlernen kann und sich dieser »Crew-Zusammenhalt« auch über die Arbeitszeit erhält.

 

Über die Autorin:

Antonia Rosenstock, M.Jur. (Oxford)
Referentin im Auswärtigen Amt. Zuvor arbeitete sie als Rechtsanwältin im Bereich Wirtschaftsstrafrecht. Sie studierte Rechtswissenschaften in Köln, Paris und Oxford. Der Beitrag gibt ausschließlich die persönliche Meinung der Autorin wieder.