Erfahrungsbericht zum LL.M.-Studium an der University of Cape Town

Interview mit Felix Pinkepank, geführt von Dr. Elisabeth Rudolf-Sipötz

Lieber Herr Pinkepank! Nachträglich noch alles Gute zum Abschluss Ihres LL.M.-Studiums! Was hat Sie bewogen Ihren LL-M in Südafrika und insbesondere an der University of Cape Town zu machen?

Zunächst stand für mich nach den Anstrengungen des ersten Examens fest, dass ich nicht direkt ins Referendariat gehen wollte und auch eine Promotion kam aufgrund des zeitlichen Aufwands für mich nicht in Betracht. Vielmehr brauchte es einen kompletten Tapetenwechsel.

Mithin war ein LL.M.-Studium die richtige Wahl. Dabei stand für mich fest, dass ich unbedingt meine Englischkenntnisse verbessern wollte, es also ein englischsprachiger LL.M. sein sollte. Dass ich mich schließlich für ein LL.M.-Studium an der University of Cape Town entschieden habe, basiert im Wesentlichen auf drei Gesichtspunkten:

Zum einen sprechen die im internationalen Vergleich moderaten Studiengebühren für einen LL.M. in Südafrika. An der UCT habe ich für das gesamte Jahr umgerechnet ca. 6700 € Studiengebühren bezahlt, was deutlich unter dem liegt, was man an Law Schools in den USA, Großbritannien oder Australien bezahlt. Der Kostenfaktor spricht also für einen LL.M. in Südafrika.

Zum anderen genießt die UCT sowohl national als auch international einen hervorragenden Ruf, der ihr – wie ich noch feststellen sollte – nicht umsonst vorauseilt. Die rechtswissenschaftliche Fakultät der UCT ist regelmäßig unter den Top 100 Law Schools weltweit vertreten (vgl. QS Rankings 2018) und bietet für das LL.M.-Studium eine Vielzahl von Schwerpunkten an.

Insbesondere hinsichtlich meines Schwerpunkts „Intellectual Property Law“ konnte mich die Expertise der Dozenten überzeugen. Schließlich dürfte es wohl kein Geheimnis mehr sein, dass Kapstadt eine Traumdestination ist. Die Möglichkeit ein Jahr in einer der schönsten Städte der Welt zu verbringen, hat meine Entscheidung natürlich beeinflusst.

Welche waren die wesentlichen Hürden, die es bei der Entscheidung für den LL.M. zu überwinden galt?

Die Finanzierung des Jahres war natürlich ein großes Thema. Auch wenn die Studiengebühren im internationalen Vergleich eher niedrig angesetzt sind, sind die Kosten samt Lebenshaltung für 12 Monate nicht zu unterschätzen.

Da die Fristen für Stipendien meistens auf einen Studienbeginn im Oktober ausgerichtet sind und die LL.M. Programme der UCT, als Universität der südlichen Hemisphäre, im Februar/März beginnen, muss man sich häufig bereits mehr als ein Jahr im Voraus bewerben.

Da ich mich erst im Sommer 2016 für einen LL.M. entschieden habe, kam eine Finanzierung über Stipendien also nicht in Betracht. Ich habe mich dann schließlich für den LL.M.-Bildungsfond der Brain Capital GmbH als Finanzierungshilfe entschieden. Hierbei hat mich zum einen überzeugt, dass ich aufgrund der Koppelung an mein zukünftiges Einkommen kein finanzielles Risiko trage und zum anderen mit meinen Rückzahlungen einer neuen Generation von Studierenden ein LL.M.-Studium ermögliche.

Neben dem finanziellen Aspekt war natürlich auch die Tatsache, meine Familie und Freunde für eine lange Zeit nicht zu sehen, sowie die teils irrationale Angst vor dem Unbekannten ein Punkt, mit dem ich mich während meines Entscheidungsprozesses befasst habe.

Was war das besondere an Ihrem Studium an der University of Cape Town?

Das Masterprogramm meiner Wahl fokussierte sich auf Intellectual Property (IP) Law. Mit dem Recht des geistigen Eigentums habe ich mich bereits während meines Schwerpunktstudiums und einer zwischenzeitlichen Arbeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter in einer Kanzlei befassen dürfen. Nun konnte ich meine Kenntnisse auch auf internationaler Ebene vertiefen und ein anderes Rechtssystem kennenlernen.

Besonders gefallen hat mir die Tatsache, dass man sich aufgrund der kleinen Masterklassen fachlich intensiv mit den jeweiligen Professoren austauschen und diskutieren konnte. Das kannte ich so aus dem deutschen Studium nicht. Auch empfand ich es als erfrischend, dass hier nicht nur theoretisches Wissen über bestehende Gesetze im IP Bereich und deren praktischer Anwendung vermittelt wurde, sondern Rechtsnormen auch immer im gesellschaftlichen Kontext betrachtet wurden.

So ging es z. B. in einem meiner Kurse schwerpunktmäßig darum, inwieweit Schwellen- und Entwicklungsländer den Schutz des geistigen Eigentums ausgestalten und verändern sollten, um Innovation und Wettbewerb und damit schließlich ökonomischen Fortschritt zu fördern. Über diese Fragen mit Professoren zu diskutieren, die eine führende Rolle in der Forschung auf diesem Gebiet einnehmen, hat mir definitiv zu einem tieferen Verständnis der Materie insgesamt verholfen.

Es gab doch sicher auch ein Leben außerhalb des Campus? Was waren Ihre Erfahrungen?

Na klar! Aufgrund der kleinen Masterklassen und der Offenheit der Südafrikaner findet man grundsätzlich sehr schnell Anschluss. Ich habe in diesem Jahr unglaublich viele nette und interessante Menschen kennen lernen dürfen und auch viele neue Freundschaften schließen können.

Kapstadt und Umgebung bieten eine unbegrenzte Anzahl an möglichen Aktivitäten. Ich habe hier insbesondere die exzellente Restaurantkultur sowie die große Kunst-, Musik-, und Festivalszene genießen können. Darüber hinaus gibt es im Umland unzählige Wanderwege, eine riesen Auswahl an Surfspots zum Wellenreiten, Wind- oder Kitesurfen und Weingüter, die man sich bei leckeren Wine Tastings näher anschauen kann.

Dennoch sollte einem bewusst sein, dass Kapstadt und Umgebung leider nur für relativ wenig Privilegierte das oben beschriebene Paradies ist. Die soziale Ungleichheit und sozioökonomische Ausschluss ist enorm und einem wird jeden Tag vor Augen gehalten, dass noch sehr viel getan werden muss, um die Nachwirkungen der jahrelangen Unterdrückung der schwarzen Bevölkerung zu überwinden.

Während des Studiums zeigte sich das in Form von Studentenproteste gegen die Erhöhung der Studiengebühren, die den Universitätsbetrieb teilweise lahmlegten. Auf die Masterkurse hatte das allerdings nur relativ wenig Einfluss, da diese aufgrund der kleinen Gruppen im Zweifel auch an andere Orte verlegt werden konnten.

Im Nachhinein betrachtet, alles richtig gemacht und/oder haben Sie Tipps für LL.M.-Interessenten.

Auf die Gefahr hin, dass sich das ein wenig überschwänglich anhört: Im Nachhinein betrachtet war es eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Ich habe fachlich, sprachlich sowie menschlich unheimlich viel dazulernen können.

Ich kann Interessenten nur empfehlen, ihren LL.M. an der UCT zu absolvieren. Das Paket, bestehend aus hohem akademischen Niveau und außerordentlicher Lebensqualität, ist einfach überzeugend. Mein Tipp an Interessenten: Es sollte ausreichend Vorlaufzeit eingeplant werden. So muss für die Bewerbung u. a. auch ein zertifizierter Sprachtest (z. B. TOEFL) eingereicht werden, der auch nochmal einige Zeit in Anspruch nimmt. Auch die Beantragung des Visums dauert meistens länger als vorgesehen. Wer es dann schließlich an die UCT geschafft hat, sollte unbedingt von den unzähligen akademischen Angeboten, wie z. B. Law Clinics, dem Writing Center oder Moot Courts, Gebrauch machen.

Alles Gute für Ihre Zukunft und herzlichen Dank!

Über die Interviewpartner:

Felix Pinkepank
Rechtsreferendar am Landgericht Köln

Dr. Elisabeth Rudolf-Sipötz
Ansprechpartner LL.M. Bildungsfonds der Brain Capital GmbH,
einer spezialisierter Fondsgesellschaft für Bildungsfonds

Quelle NJW 45/2018