Gehalt: Wie viel Geld verdienen Juristen?

von Tobias Fülbeck, Content Marketing Manager beim Verlag C.H.BECK

Wie viel Geld verdienen Richter, Staatsanwälte und Rechtsanwälte? Wie groß sind die Gehaltsunterschiede? Und stimmt es, dass Berufseinsteiger in Top-Kanzleien bis zu 140.000 Euro erhalten? Ein Überblick.

Den Staat als Arbeitgeber, eine Großkanzlei, Verbände oder eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft – Juristen haben bei der Jobauswahl die Qual der Wahl. Die möglichen Einsatzgebiete sind vielfältig. Wer dann noch zwei Mal ein „vollbefriedigend“ im Examen im Gepäck hat, kann sich den Job quasi aussuchen.

Neben dem konkreten Tätigkeitsprofil ist für viele Juristen natürlich auch das Gehalt ein wichtiges Kriterium bei der Berufswahl. Zwei Drittel der Nachwuchsjuristen würden sich durch ein besseres Gehalt von einem Umzug überzeugen lassen, ergab eine Umfrage des trendence Instituts unter 2.200 Studenten, Referendaren und jungen Volljuristen.

Die Spannbreite beim Gehalt ist groß. In kleineren Kanzleien, die den deutschen Rechtsdienstleistungsmarkt dominieren, starten Jungjuristen mit 40.000 Euro, in Großkanzleien winken direkt zum Einstieg bis zu 140.000 Euro im Jahr.

Gehalt Richter und Staatsanwälte

Die Gehälter von Richterinnen und Richtern sowie Staatsanwältinnen und Staatsanwälten sind in Besoldungsgruppen geregelt.

Der Deutsche Richterbund beklagt eine Schere bei der Einstiegsbesoldung. Nach aktuellen Zahlen erhält ein junger Richter oder Staatsanwalt in Bayern rund 4580 Euro und damit 679 Euro mehr Gehalt als ein Berufsanfänger im Saarland. Das entspricht einer Differenz von 17 Prozent. Die Gehaltsschere hat sich jedoch etwas geschlossen, nachdem die Vergütung im Saarland zuletzt um etwa 400 Euro angehoben wurde. 

Neben dem Saarland bilden Rheinland-Pfalz und Mecklenburg-Vorpommern - dicht gefolgt von Thüringen - die Schlusslichter bei der Besoldung von jungen Richtern und Staatsanwälten. Am besten verdienen sie in Bayern, Hamburg und Baden-Württemberg, gefolgt vom Bund.

Auch bei Richtern und Staatsanwälten mit langjähriger Berufserfahrung zeigt sich eine Gehaltsschere. 

Der Richterbund hat auf der Seite richterbesoldung.de Musterfälle für Besoldungen von Richtern und Staatsanwälten veröffentlicht.

Laut einer Kienbaum-Studie im Auftrag des Deutschen Richterbundes liegen die durchschnittlichen Einstiegsgehälter in Großkanzleien heute um rund 70.000 Euro höher als die Jahresbezüge junger Justizjuristen (vgl. DRiZ 2/2018). Vor 25 Jahren habe die Differenz demnach noch bei knapp 30.000 Euro gelegen.

Gehalt Rechtsanwalt / Umsatz in Kanzleien

Der durchschnittliche Umsatz von Rechtsanwaltskanzleien liegt nach Angaben der Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) bei 582.000 Euro (West: 673.000 Euro, Ost: 308.000 Euro).

Der Umsatz hängt natürlich stark von der Kanzleiform, dem Alter der Kanzlei und von der Ortsgröße des Kanzleisitzes ab. In überörtlichen Sozietäten im Westen Deutschlands wurden mit durchschnittlich 2,67 Millionen Euro wesentlich höhere Umsätze erzielt als in lokalen Sozietäten mit 912.000 Euro. Detaillierte Informationen dazu gibt es auf den Seiten der BRAK. Rund die Hälfte des Kanzleiumsatzes wird Studien zufolge von den Betriebskosten aufgezehrt.

Gehalt eines angestellten Anwalts

Nach Angaben der BRAK lag das durchschnittliche Bruttoeinkommen der angestellten Vollzeit-Rechtsanwälte im Wirtschaftsjahr 2016 bundesweit bei 66.000 Euro (bei Männer: 74.000 Euro, bei Frauen: 54.000 Euro). Laut Vergütungsdatenbanken schwanken die Gehälter aber enorm - auch zwischen Ost und West (zur Grafik). Entscheidend ist die Unternehmensgröße. So liegt das Bruttojahresgehalt für Juristen mit mehr als 5 Jahren Berufserfahrung in kleinen Kanzleien (1 bis 20 Mitarbeitern) laut Gehalt.de im Schnitt bei 50.450 Euro, bei mittelgroßen Kanzleien bei 63.000 Euro und bei Kanzleien mit mehr als 1.000 Mitabeitern bei 77.000 Euro. 

Gehalt als selbstständiger Anwalt

Der durchschnittliche persönliche Überschuss aus selbständiger Tätigkeit lag laut dem STAR-Bericht 2018 der BRAK bundesweit bei Vollzeit-Rechtsanwälten bei 104.000 Euro, bei Vollzeit-Rechtsanwältinnen bei 65.000 Euro. 

Gehalt beim Einstieg als Associate in einer Großkanzlei

Die Gehälter für Associates bei großen Wirtschaftskanzleien sind laut Branchenberichten zuletzt deutlich gestiegen. So berichtete etwa der „Spiegel“, dass die internationale Wirtschaftskanzlei Milbank neuen Mitarbeitern künftig 140.000 Euro im ersten Berufsjahr zahlt. Details zu den geforderten Einstiegsgehältern vom juristischen Nachwuchs gibt es in einer Studie des Marktforschungsunternehmens Trendence.

Doch wer einen der begehrten Jobs in einer Top-Kanzlei haben möchte, sollte wissen: Man benötigt ein zweites Staatsexamen mit Prädikat (mehr zum Prädikatsexamen erfahren Sie hier). Und das erreichten laut Zahlen des Bundesjustizministeriums im Jahr 2015 nicht einmal 20 Prozent der 8.658 geprüften Kandidatinnen und Kandidaten.
Auch ein Doktor- oder LL.M.-Titel ist fast immer eine zwingende Einstellungsvoraussetzung geworden.

Gehalt von Seniorpartnern
 

Seniorpartner in großen Anwaltskanzleien kommen im Mittel inzwischen auf 328.000 Euro, ein Plus von 190.000 Euro oder 135 Prozent gegenüber 1992 (Quelle: DRiZ, 02/2018).

Gehalt von Syndikusanwälten

Syndikusanwälte kommen laut einer Erhebung der Vergütungsdatenbank Gehalt.de auf ein durchschnittliches Gehalt von 74.571 Euro brutto. Die Gehälter schwanken demnach jedoch zwischen 54.223 Euro und 87.970 Euro. Für Berufseinsteiger sind die Zahlen niedriger. Dr. Christoph Wittekindt, Leiter von Legal People Germany, schrieb Anfang 2017 im Beck Stellenmarkt: „Selbst bei großen Mittelständlern muss sich der angehende Syndikusanwalt oft mit 45.000 Euro bis 55.000 Euro begnügen.“

Deutliche Steigerungen sind natürlich möglich, wenn Personalverantwortung hinzukommt. Als Gruppen- und Teamleiter liegt das Durchschnittsgehalt laut einer „Juve“-Umfrage bei 89.000 Euro (inklusive Bonus), beim General Counsel bei 144.000 Euro Grundgehalt (plus Zusatzleistungen). So steigt das Grundgehalt der General Counsel in Unternehmen mit mehr als 10.000 Mitarbeitern laut einer Umfrage von „Juve“ auf 210.000 Euro. 

Die Zahlen unterscheiden sich je nach Studie. Juristische Führungskräfte der ersten Ebene verdienen laut einer Kienbaum-Studie im Auftrag des "Deutschen Richterbundes" heute in Unternehmen im Mittel 174.000 Euro jährlich – das sind 84.000 Euro oder 93 Prozent mehr als vor 25 Jahren.

Gehaltsplus durch Doktortitel

Auch eine Promotion zahlt sich aus – insbesondere für Juristen. Denn diese können beim Gehalt deutlich mehr punkten als andere Berufsgruppen. Das ergab eine Umfrage der Plattform Gehalt.de im Herbst 2017. Im Schnitt winken bis zu 33.000 Euro brutto im Jahr mehr. Zum Vergleich: Bei Geisteswissenschaftlern wirkt sich demnach die Promotion mit „nur“ 5.400 Euro Gehaltsdifferenz aus.

Foto oben: UBER IMAGES/stock.adobe.com

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Quelle BECK Stellenmarkt 1/2018