Gehalt: Wie viel Geld verdienen Juristen?

von Tobias Fülbeck, Content Marketing Manager beim Verlag C.H.BECK, davor Redakteur für ProSiebenSat.1 und Burda

Wie viel Geld verdienen Richter, Staatsanwälte und Rechtsanwälte? Wie groß sind die Gehaltsunterschiede? Und stimmt es, dass Berufseinsteiger in Top-Kanzleien bis zu 140.000 Euro erhalten? Ein Überblick.

Den Staat als Arbeitgeber, eine Großkanzlei, Verbände oder eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft – Juristen haben bei der Jobauswahl die Qual der Wahl. Die möglichen Einsatzgebiete sind vielfältig. Wer dann noch zwei Mal ein „vollbefriedigend“ im Examen im Gepäck hat, kann sich den Job quasi aussuchen.

Neben dem konkreten Tätigkeitsprofil ist für viele Juristen natürlich auch das Gehalt ein wichtiges Kriterium bei der Berufswahl. Zwei Drittel der Nachwuchsjuristen würden sich etwa durch ein besseres Gehalt von einem Umzug überzeugen lassen, ergab etwa kürzlich eine Umfrage des trendence Instituts unter 2.200 Studenten, Referendaren und jungen Volljuristen.

Die Spannbreite beim Gehalt ist groß. In kleineren Kanzleien, die den deutschen Rechtsdienstleistungsmarkt dominieren, starten Jungjuristen mit 40.000 Euro, in Großkanzleien winken direkt zum Einstieg bis zu 140.000 Euro im Jahr.

Gehalt Richter und Staatsanwälte

Die Gehälter dieser beiden Berufsgruppen sind in Besoldungsgruppen geregelt. Allerdings fallen die Gehälter „immer weiter auseinander“, wie der Deutsche Richterbund Anfang 2017 kommentierte. Unterschiede von mehr als 25 Prozent weist der Ländervergleich aus.

Demnach erhalte ein junger Richter oder Staatsanwalt in Bayern mit 4.235 Euro brutto fast 900 Euro oder 26,5 Prozent mehr Gehalt pro Monat als ein Berufsanfänger im Saarland, erklärt der Richterbund.

Auch bei Richtern und Staatsanwälten mit langjähriger Berufserfahrung öffnet sich nach Angaben des Richterbundes die Einkommensschere immer weiter. Ein verheirateter Richter oder Staatsanwalt mit zwei Kindern in der Besoldungsgruppe R1/Endstufe im Dienst des Bundes erhalte mit 6.919 Euro brutto rund 700 Euro mehr pro Monat für seine Arbeit als vergleichbare Kollegen im Land Berlin.

Der Richterbund hat auf der Seite richterbesoldung.de eine Übersicht über die Besoldungsgruppen und Vergütungen je nach Bundesland veröffentlicht: http://www.richterbesoldung.de/cms/index.php?id=29

Laut einer Kienbaum-Studie im Auftrag des Deutschen Richterbundes liegen die durchschnittlichen Einstiegsgehälter in Großkanzleien heute um rund 70.000 Euro höher als die Jahresbezüge junger Justizjuristen (vgl. DRiZ 2/2018). Vor 25 Jahren habe die Differenz demnach noch bei knapp 30.000 Euro gelegen.

Gehalt Rechtsanwalt / Umsatz in Kanzleien

Der durchschnittliche Umsatz von Rechtsanwaltskanzleien liegt nach Angaben der Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) in Westdeutschland bei 573.000 Euro, in Ostdeutschland bei 303.000 Euro. Der Umsatz hängt natürlich stark von der Kanzleiform, dem Alter der Kanzlei und von der Ortsgröße des Kanzleisitzes ab. In überörtlichen Kanzleien wurden mit durchschnittlich 2,35 Millionen Euro wesentlich höhere Umsätze erzielt als in lokalen Sozietäten mit 751.000 Euro. Detaillierte Informationen dazu gibt es auf den Seiten der BRAK. Rund die Hälfte des Kanzleiumsatzes wird Studien zufolge von den Betriebskosten aufgezehrt.

Gehalt eines angestellten Anwalts

Nach Angaben der BRAK lag das durchschnittliche Bruttoeinkommen der angestellten Vollzeit-Rechtsanwälte im Wirtschaftsjahr 2013 bundesweit bei 66.000 Euro. Laut Vergütungsdatenbanken schwanken die Gehälter aber enorm. Entscheidend ist die Unternehmensgröße. So liegt das Bruttojahresgehalt für Juristen mit mehr als 5 Jahren Berufserfahrung in kleinen Kanzleien (1 bis 20 Mitarbeitern) laut Gehalt.de im Schnitt bei 50.450 Euro, bei mittelgroßen Kanzleien bei 63.000 Euro und bei Kanzleien mit mehr als 1.000 Mitabeitern bei 77.000 Euro.

Gehalt beim Einstieg als Associate in einer Großkanzlei

Die Gehälter für Associates bei großen Wirtschaftskanzleien sind laut Branchenberichten zuletzt deutlich gestiegen. So berichtete etwa der „Spiegel“, dass die internationale Wirtschaftskanzlei Milbank neuen Mitarbeitern künftig 140.000 Euro im ersten Berufsjahr zahlt.

Doch wer einen der begehrten Jobs in einer Top-Kanzlei haben möchte, sollte wissen: Man benötigt ein zweites Staatsexamen mit Prädikat (mehr zum Prädikatsexamen erfahren Sie hier). Und das erreichten laut Zahlen des Bundesjustizministeriums im Jahr 2015 nicht einmal 20 Prozent der 8.658 geprüften Kandidatinnen und Kandidaten.
Auch ein Doktor- oder LL.M.-Titel ist fast immer eine zwingende Einstellungsvoraussetzung geworden.

Gehalt von Seniorpartnern

Seniorpartner in großen Anwaltskanzleien kommen im Mittel inzwischen auf 328.000 Euro, ein Plus von 190.000 Euro oder 135 Prozent gegenüber 1992 (Quelle: DRiZ, 02/2018).

Gehalt von Syndikusanwälten

Syndikusanwälte kommen laut einer Erhebung der Vergütungsdatenbank Gehalt.de auf ein durchschnittliches Gehalt von 74.571 Euro brutto. Die Gehälter schwanken demnach jedoch zwischen 54.223 Euro und 87.970 Euro. Für Berufseinsteiger sind die Zahlen niedriger. Dr. Christoph Wittekindt, Leiter von Legal People Germany, schrieb Anfang 2017 im Beck Stellenmarkt: „Selbst bei großen Mittelständlern muss sich der angehende Syndikusanwalt oft mit 45.000 Euro bis 55.000 Euro begnügen.“

Deutliche Steigerungen sind natürlich möglich, wenn Personalverantwortung hinzukommt. Als Gruppen- und Teamleiter liegt das Durchschnittsgehalt laut einer „Juve“-Umfrage bei 89.000 Euro (inklusive Bonus), beim General Counsel bei 144.000 Euro Grundgehalt (plus Zusatzleistungen). So steigt das Grundgehalt der General Counsel in Unternehmen mit mehr als 10.000 Mitarbeitern laut einer Umfrage von „Juve“ auf 210.000 Euro. 

Die Zahlen unterscheiden sich je nach Studie. Juristische Führungskräfte der ersten Ebene verdienen laut einer Kienbaum-Studie im Auftrag des "Deutschen Richterbundes" heute in Unternehmen im Mittel 174.000 Euro jährlich – das sind 84.000 Euro oder 93 Prozent mehr als vor 25 Jahren.

Gehaltsplus durch Doktortitel

Auch eine Promotion zahlt sich aus – insbesondere für Juristen. Denn diese können beim Gehalt deutlich mehr punkten als andere Berufsgruppen. Das ergab eine Umfrage der Plattform Gehalt.de im Herbst 2017. Im Schnitt winken bis zu 33.000 Euro brutto im Jahr mehr. Zum Vergleich: Bei Geisteswissenschaftlern wirkt sich demnach die Promotion mit „nur“ 5.400 Euro Gehaltsdifferenz aus.

Foto oben: UBER IMAGES/stock.adobe.com

Hier lesen Sie einen Beitrag zum juristischen Arbeitsmarkt 2018. Die Themen sind unter anderem Chancen, Perspektiven und Gehälter.

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Quelle BECK Stellenmarkt 1/2018