Berufseinstieg im Bereich Private Equity

Mario Schmidt, Willkie Farr & Gallagher LLP, im Gespräch mit Achim Schäfer-Belot, Hays Legal

Herr Schmidt, Sie sind Leiter der Praxisgruppe Private Equity des deutschen Büros von Willkie Farr & Gallagher LLP – einer Kanzlei, die 2010 als „Private Equity & Venture Capital-Kanzlei des Jahres“ ausgezeichnet wurde. Wie kamen Sie eigentlich darauf, sich auf Private Equity und Mergers and Acquisitions (M&A) zu spezialisieren?

Die Spezialisierung auf Private Equity und Mergers & Acquisitions war eine Mischung aus Zufall, Glück und Plan. Ich habe am Anfang als Associate eine sehr breite Ausbildung erfahren dürfen in verschiedenen wirtschaftsrechtlichen Bereichen. Dann kamen die ersten Tätigkeiten zunächst bei M&A-Transaktionen im Industriebereich und, schon sehr früh vor ca. 10 Jahren, den ersten deutschen Private Equity-Transaktionen.
Die Bereiche Private Equity und M&A haben mich dann von Anfang an so fasziniert, dass ich mich als Associate sehr gezielt für diese Bereiche intern engagiert habe und für verschiedene Partner in verschiedenen Mandaten sehr schnell einen großen Erfahrungsschatz aufbauen konnte. Gerade Private Equity war dabei auch vor ca. 10 Jahren noch eine absolute Nische, in der sich damals kaum ein Anwalt auskannte oder in der viele etablierte Kanzleien grundsätzlich gar nicht tätig werden wollten. Ich hatte daher die Chance, schon in sehr jungen Jahren auf dem Gebiet Private Equity eine wesentlich höhere Erfahrung zu sammeln als viele ältere Kollegen. Im Laufe der Zeit kamen dann automatisch weitere Mandanten durch Empfehlungen zu mir.

Wie unterscheidet sich das Private Equity- und M&A-Geschäft von anderen wirtschaftsrechtlichen Bereichen? Was macht es für Sie besonders reizvoll?

Das Private Equity- und M&A-Geschäft ist stark projektbezogen. Dadurch ist die Tätigkeit bei Transaktionen sehr arbeits- und zeitintensiv, meistens innerhalb sehr kurzer Zeiträume. Die Arbeit ist dabei eine spannende Mischung aus Spezialwissen, wie man z.B. mit Unternehmenskaufverträgen, Finanzierung, Managementbeteiligungen, Steuerstrukturen oder speziellen Due Diligence-Fragen umgeht. Daneben braucht man die Erfahrung über den Marktstandard und in welchem Rahmen man individuelle Lösungen finden kann. Man benötigt aber auch ein sehr gutes Verständnis für weitere Rechtsgebiete, die letztendlich bei der Gestaltung des Kaufvertrages, der Strukturierung oder der Bewertung von Risiken einfließen und vom Kern-Deal-Team verstanden und bearbeitet werden müssen. Diese Kombination von Spezialwissen und einer breiten Kenntnis der weiteren Rechtsgebiete finde ich sehr reizvoll. Interessant finde ich auch, dass man sich nach gewisser Zeit spezielle Industriekenntnisse aneignet und versteht, wie verschiedene Unternehmen in ganz verschiedenen Bereichen funktionieren – warum die einen erfolgreich sind und die anderen nicht – und auch im Rahmen der Due Diligence auf hohem Niveau Einblicke in das Innerste eines Unternehmens gewinnt.
Attraktiv finde ich auch die Herausforderung, stets auf sehr hohem Niveau zu arbeiten und die Ansprüche von Mandanten mit sehr großer Erfahrung und sehr hohen Erwartungen erfüllen zu dürfen. Als junger Anwalt habe ich gerade im Bereich Private Equity sehr geschätzt, dass man fast ausschließlich nach der Qualität seiner Leistung bewertet wurde und nicht nach der Graustufe der Haarfarbe.
Es ist für mich insgesamt immer wieder ein herausragendes Erlebnis, eine Transaktion über die Ziellinie zu bringen und die verschiedenen Arbeitsabläufe, die eine Transaktion erfordert, so zu bearbeiten und zu koordinieren, dass diese pünktlich und in ihrer Gesamtheit hochwertig umgesetzt werden.

Wie sieht der Arbeitsalltag eines jüngeren Kollegen im Bereich Private Equity und M&A aus ?

Einen „Arbeitsalltag per se“ gibt es im Bereich Private Equity und M&A nicht. Jede Transaktion ist eine individuelle und stellt unterschiedliche Anforderungen an die Berater. Als Associate wird man in den verschiedenen Bereichen, die eine Transaktion erfordert, ausgebildet und an die verschiedenen Themen herangeführt. Üblicherweise liegt die Tätigkeit am Anfang sehr stark im gesellschaftsrechtlichen Bereich sowie bei der generellen Unterstützung der Transaktion. Aufbauend auf dieser Erfahrung kommt dann eine stärkere Einbeziehung in die Unterstützung bei der Kaufvertragsgestaltung und Verhandlung von Gesellschaftervereinbarungen, Finanzierungsverträgen oder Managementbeteiligungen. Mit einer soliden Erfahrung in all diesen Bereichen ist es dann das Ziel, eigenständig eine gesamte Transaktion leiten zu können.
Gerade in den Bereichen Private Equity und M&A, bei denen wir oft als ausgelagerte Rechtsabteilung für unsere Mandanten tätig sind, entsteht dabei sehr früh ein direkter Kontakt des Associates mit dem Mandanten, bei dem abgrenzbare Bereiche von den Associates direkt mit den Mitarbeitern des Mandanten bearbeitet und umgesetzt werden. Wichtig ist uns hierbei, dass jedes Teammitglied die jeweilige Transaktion in ihrer Gesamtheit versteht, denn nur dann kann man auch in seinem Arbeitsbereich hohe Qualität liefern.

Was würden Sie abschließend einem jungen Juristen raten, der sich für Private Equity und M&A interessiert? Welche Qualifikationen muss man hierfür mitbringen?

Hilfreich ist es, sich vorab schon einmal grundsätzlich über die Bereiche Private Equity und M&A in allgemein zugänglichen Quellen wie z.B. Internet oder Büchern zu informieren. Bei Private Equity ist dies leider etwas schwieriger, da die hier zur Verfügung stehenden Informationen nicht immer die sich ständig wandelnde Praxis entsprechend wiedergeben. Viel wichtiger ist aber insgesamt eine gezielte Ausbildung durch z.B. Praktika, Referendarstationen oder als Associate mit der Unterstützung eines erfahrenen Mentors. Als Rüstzeug sollte man dazu sehr gute wirtschaftsrechtliche Kenntnisse haben, Gesellschaftsrecht ist hier sicherlich der Grundstein. Daneben sollte ein starkes Interesse an betriebswirtschaftlichen Vorgängen bestehen, da man nach unserer Meinung nur dann rechtlich auf hohem Niveau beraten kann, wenn man die betriebswirtschaftlichen und kommerziellen Aspekte einer Transaktion versteht. Man sollte in der Lage sein zu begreifen, wie das zu erwerbende oder zu verkaufende Unternehmen funktioniert. Ein absolutes Muss ist letztendlich die Beherrschung der englischen Sprache inklusive der erforderlichen Fachausdrücke, da fast alle größeren Transaktionen, auch wenn sie ausschließlich dem deutschen Recht unterliegen, in Englisch abgewickelt werden.

Was zeichnet Ihre Kanzlei dabei – aus ihrer Sicht – besonders aus?

Unsere Stärke liegt in der erfolgreichen Abwicklung und Durchführung von komplexen Projekten und Transaktionen. Unsere Mandanten erhalten hierzu eine umfassende Lösung aus einer Hand aus verschiedenen Rechtsbereichen und dem Bereich Steuern, einschließlich der Steuerstrukturierung. Unsere Mandanten schätzen bei uns, dass wir für sie auf hohem juristischem Niveau optimale Lösungen finden und nicht nur Probleme aufzeigen. Wir verstehen die kommerziellen Hintergründe einer Transaktion und berücksichtigen diese in unserer Beratung. Und dies sehr schnell.
Als fokussierte Einheit sind wir sehr stolz darauf, dass alle unsere Teammitglieder hervorragend qualifiziert sind und wir damit als Team insgesamt auf sehr hohem Qualitätsniveau beraten. Dabei ist es uns aber wichtig, dass bei hohem Niveau die Individualität unserer Kollegen erhalten bleibt.

Herr Schmidt, haben Sie vielen Dank für das Gespräch.

Quelle NJW 17/2011