Denken und agieren Sie vernetzt? 4 Erfolgstipps für Juristinnen und Juristen

von Dr. Anja Schäfer

Werden Sie als Jurist:in regelmäßig nach Ihrer Expertise, Meinung als Expert:in oder Ihren Empfehlungen gefragt?

Als Anwältin in den ersten Berufsjahren ist mir das selten passiert. Als Berufseinsteigerin war ich in den ersten etwa zwei Jahren meiner Anwaltstätigkeit viel zu breit aufgestellt. Zudem war mein Netzwerk viel zu klein. In den folgenden beiden Jahren fokussierte ich mich darauf, mich thematisch zu positionieren, mir das entsprechende Knowhow anzueignen und die notwendige berufspraktische Expertise zu bekommen. Zudem begann ich – wenn auch am Anfang wenig strategisch, mir kanzleiintern wie auch -extern ein Netzwerk aufzubauen. Mit der Zeit wurden die mir übertragenen Mandate umfangreicher, die rechtlichen Fragen herausfordernder. Ich gewann an anwaltlicher Expertise und verknüpfte diese immer besser mit dem Wissen und den Qualitäten, die ich durch meine vor dem Berufseinstieg abgeschlossene Promotion erlangt hatte. Gleichzeitig begann ich damit, durch Fachartikel und -vorträge meine Expertise hinaus „in die Welt“ und darüber hinaus auch – was viel wichtiger war – in mein immer größer werdendes Netzwerk zu tragen. Meine Sichtbarkeit als Expertin sowie mein Vorankommen im Business nahm Fahrt auf.

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Schließlich sind Ihre Expertise, Ihre Sichtbarkeit als Expert:in sowie Ihr Netzwerk Ihre Erfolgsfaktoren im Arbeitsumfeld, die mit den Jahren immer mehr an Qualität und damit an Fahrt gewinnen. Unter den drei Faktoren ist Ihr Netzwerk sowie Ihr Networking der Erfolgsbooster schlechthin. Natürlich nur, wenn Sie dem Auf- und Ausbau Ihres Netzwerks sowie damit einhergehend Ihrer Sichtbarkeit als Expert:in darin entsprechend Fokus geben und Zeit & Energie investieren. Erfahren Sie daher in den folgenden vier Tipps, wie es auch Ihnen gelingt, immer vernetzter zu denken und zu agieren.

Tipp 1: Bringen Sie Ihre Networking-Aktivitäten in einen größeren Kontext.

Die Zeit um den Jahreswechsel eignet sich gut dafür, die Networking- Aktivitäten des zu Ende gehenden Jahres einmal für sich zu reflektieren und gleichzeitig Ziele für das kommende Jahr festzusetzen. Machen Sie sich am besten gleich noch einen Plan, wie Sie in den kommenden 12 Monaten Ihre Ziele angehen können. Schon haben Sie Ihre persönliche Netzwerkstrategie entwickelt und damit Ihr Networking in einen größeren Kontext gebracht.

Tipp 2: Entwickeln Sie für sich Networking-Routinen, die Netzwerken im Arbeitsalltag und im Businessumfeld möglich machen.

Netzwerken ist ein wichtiger Teil Ihres Kanzleialltags und damit auch Ihres Terminkalenders. Nutzen Sie vor allem „alltägliche“ Gelegenheiten fürs Net(t)working mit der Folge, dass dies meistens in der Arbeitszeit und im Kanzleiumfeld möglich ist.

Treffen Sie sich bspw. regelmäßig mit Mandant:innen zum Mittagessen oder auf einen virtuellen Austausch. Verabreden Sie sich mit Kolleg:innen auf Fachveranstaltungen. Nutzen Sie die Events des örtlichen Anwaltsvereins oder anderer institutioneller Netzwerke für den fachlichen oder fachfremden Austausch und lernen Sie auf diese Weise neue Netzwerkkontakte kennen. Teilen Sie Ihre Expertise durch Keynotes und kommen Sie so mit potenziellen Mandant:innen oder Netzwerkpartner:innen in den Austausch – etwas von dem Sie nicht nur persönlich, sondern auch Ihre Kanzlei und damit auch Ihre Vorgesetzen profitieren.

Tipp 3: Planen Sie sich regelmäßig Zeit für die Vor- und/oder Nachbereitung Ihrer Netzwerkaktivitäten ein.

Je besser Sie Ihre einzelnen Netzwerkaktivitäten vorbereiten, umso effizienter und effektiver werden diese und auch Sie selbst sein. Stimmen Sie sich vorab thematisch auf Fachveranstaltungen ein, so dass Sie beim Event die ein oder andere Frage stellen und für sich selbst eine größere Sichtbarkeit erreichen können. Studieren Sie bei Veranstaltungen die Teilnahmeliste, um gezielt Personen ansprechen zu können.

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Kontaktieren Sie relevante (neue) Kontakte im Nachgang zeitnah - idealerweise innerhalb von 72 Stunden - durch eine individuelle Vernetzungsanfrage bspw. bei LinkedIn.

Tipp 4: Seien Sie bei Ihren Netzwerkaktivitäten produktiv und schaffen Sie Mehrwert.

Fakt ist, dass man (sich) allzu oft mit anderen trifft, ohne dass etwas dabei herauskommt – weder für einen selbst noch für das Gegenüber. Machen Sie sich immer wieder eines beim Networking bewusst: Wer produktiv sein will, muss nicht nur vernetzt denken, sondern auch entsprechende Ergebnisse produzieren.

Schreiben Sie bereits bestehende Kontakte nach einem „Wiedersehen“ nicht einfach so an, um sich für den erneuten Austausch zu bedanken. Schaffen Sie für Ihr Gegenüber und damit auch sich selbst immer wieder einen Mehrwert: Stellen Sie ausgewählte Kontakte aus Ihrem Netzwerk zur Verfügung. Sprechen Sie Empfehlungen aus. Übersenden Sie eine kurze Zusammenfassung Ihres Gesprächs oder weitere, zum Austausch passende Unterlagen. Agieren Sie dabei derart, dass Sie anderen großzügig Ihre Unterstützung anbieten, bevor diese Sie danach fragen. Auf diese Weise zeigen Sie, dass Sie die wichtigste Spielregel beim Networking wie eine verinnerlicht haben, nämlich „Geben, geben, geben ...“. Von einer derart „vernetzten“ Einstellung werden Sie als Jurist:in doppelt und dreifach profitieren – nämlich beim Auf- und Ausbau Ihres Netzwerks, bei der Sichtbarkeit Ihrer Expertise sowie beim Erreichen Ihrer persönlichen Ziele in Bezug auf Ihr berufliches Vorankommen.

Über die Autorin:

Dr. Anja Schäfer
ist Anwältin, Expertin für Networking  & Female Leadership in Kanzleien und Mentorin für Juristinnen mit Fokus auf Themen wie Networking, Selbstmarketing und Expertinnen-Branding. Sie veranstaltet regelmäßig Networking-Events von, für und mit Juristinnen, so bspw. den „Juristinnen netzwerken ... TAG“,  eine Online-Konferenz, welche am 24. & 25. März 2023 bereits zum dritten Mal stattfindet.
Mehr Informationen dazu: www.juristinnennetzwerkentag.de/

Der Artikel erschien erstmals als Beitrag in der Printausgabe Beck-Stellenmarkt 23/22.