Erfahrungsbericht zum LL.M.-Studium am Georgetown University Law Center (GULC) in Washington D.C.

von Rechtsanwalt Mehdi Farahbakhsh, Barrister-At-Law und Attorney-At-Law (CA, USA) mit mehrjähriger Berufserfahrung im Investment-, Fonds- und Kapitalmarktrecht und Dr. Elisabeth Rudolf-Sipötz, Verantwortliche für Strategisches Marketing sowie Ansprechpartner LL.M. Bildungsfonds der Brain Capital GmbH

Seit 2014 organisiert die Brain Capital GmbH in Kooperation mit der Deutsch-Amerikanischen Juristenvereinigung (DAJV) den LL.M. Bildungsfonds für deutsche Juristen, die den LL.M. im Ausland planen.
Zu ihnen gehört Herr Mehdi Farahbakhsh, der diesen Sommer sein LL.M.-Studium an der Georgetown als bester seines Jahrgangs absolviert hat.

Lieber Herr Farahbakhsh, als Erstes herzlichen Glückwunsch zum Abschluss Ihres LL.M-Studiums! Was hat Sie bewogen Ihren LL.M. in den USA und insbesondere an der Georgetown Universität zu machen?

Ich fand das Kapitalmarktrecht und das Recht der derivativen Finanzinstrumente schon immer faszinierend. Da ich in Deutschland, Irland und USA als Volljurist qualifiziert bin, habe ich auch den Berufseinstieg in diese Jurisdiktionen gesucht. Ich habe aber ziemlich schnell festgestellt, dass aufgrund der voluminösen und recht komplexen Materie der berufliche Einstieg, vor allem in Deutschland, ohne Schlüsselqualifikationen sich als unverhältnismäßig schwierig erweist. Aus diesem Grund habe ich mich für einen LL.M. mit dem Schwerpunkt auf die vertragsrechtliche Gestaltung und die regulatorische Behandlung der derivativen Finanzinstrumente entschieden.

Nach ausgiebiger Recherche der angebotenen LL.M.-Programme in Deutschland, Europa und USA konnte ich meine Auswahl auf das LL.M.-Programm der LSE in London, das LL.M.-Programm der Columbia University in NYC und schließlich das Securities & Financial Regulation LL.M.-Programm der GULC in Washington D.C. beschränken. Meine Entscheidung für USA und nicht für UK war der Tatsache geschuldet, dass die USA – als ein globales Finanzzentrum – über einen äußerst starken Markt für derivativen Finanzinstrumente und über ein fortgeschrittenes Regelwerk dieser Märkte verfügt.

Letztendlich haben mich das Curriculum und die Expertise der Dozenten der GULC überzeugt.

Welches waren die wesentlichen Hürden, die es bei der Entscheidung für den LL.M. zu überwinden galt?

Die Familie, die Freunde und meine Wahlheimat Deutschland für eine lange Zeit nicht zu sehen war natürlich eine große emotionale Belastung für mich. Meine Auslandserfahrung in Irland machte es mir aber leichter, diese Herausforderung zu meistern.

Da die Studiengebühren in den USA generell – und für LL.M. ganz speziell – sehr hoch sind, war die Finanzierung dieses Vorhabens ein großes Thema. Die Finanzierungshilfe des LL.M.-Bildungsfonds der Brain Capital GmbH hat letztendlich geholfen, mein Vorhaben zu realisieren.

Was war das Besondere an Ihrem Studium an der Georgetown University?

Wie bereits erwähnt, das Curriculum und die Expertise der Dozenten der GULC sind meiner Meinung nach einmalig! Georgetown University zieht immer Professoren mit höchster Reputation an. Die einzigartige Lage der Universität, die Nähe zum Kongress, SEC, Treasury u.v.m. ist aber auch nicht zu verachten.

Es gab doch sicher auch ein Leben außerhalb des Campus? Was waren Ihre Erfahrungen?

Ja, natürlich! Es gibt viele extra-curriculare Aktivitäten die von der Universität angeboten werden, z.B. Internships, Externships, verschiedene Konferenzen und Workshops außerhalb des Campus. Es gibt auch diverse Touren, um diese tolle Stadt und das Nachtleben in D.C. besser kennenzulernen. Die Stadt überzeugt mit ihrem Charme und ihren intellektuellen und unterschiedlichen Einwohnern.

Ich denke, dass ich mir das beste Jahr ausgesucht hatte, um in D.C. zu sein, nämlich das Jahr der Präsidentschaftswahlen. Es war sehr interessant, die Entwicklung und die Dynamik dieses großen Ereignisses live zu erleben und dabei zu sein. Die Stimmung nach der Bekanntgabe der Ergebnisse war sehr gemischt.

Im Nachhinein betrachtet, alles richtig gemacht oder haben Sie Tipps für LL.M.-Interessenten?

Ich bin froh sagen zu können, dass ich meine Ziele hier vollständig erreicht habe:

Auf der akademischen Ebene konnte ich meine Kenntnisse in diesem faszinierenden Rechtsgebiet vertiefen. Ich konnte in den Kursen teilnehmen, die mich auch wirklich interessiert haben und mich in meiner beruflichen Karriere weiterbringen. Erfreulicherweise konnte ich meinen LL.M. als bester meines Jahrgangs „with Distinction“ und als „Dean’s List Honoree“ abschließen.

Auf der praktischen Seite hatte ich die Ehre, als Research Assistent mit Prof. Brummer an vielen interessanten Projekten zu arbeiten. Ich konnte zwei juristische Beiträge ausfertigen, die bis Ende des Jahres veröffentlicht werden. Zudem konnte ich für die Commodity Futures Trading Commission, im Office von Chairman J. C. Giancarlo, als Intern arbeiten und somit Erfahrungen über Regulierung der Märkte für derivative Finanzinstrumente aus erster Hand gewinnen.

Auf der sozialen Ebene war ich in der Lage jeden Tag neue und interessante Menschen in einer tollen Stadt kennenzulernen und somit meinen Freundeskreis und mein professionelles Netzwerk zu erweitern.

Das sind alles Punkte, die mich sehr stolz machen. Nichts davon ist selbstverständlich und ich bin sehr froh, dass ich diese Möglichkeiten hatte.

Meine Tipps für LL.M.-Interessenten: Es ist empfehlenswert, den LL.M. erst dann zu machen, wenn man weiß, wofür man sich auch tatsächlich interessiert. Jedoch ist der LL.M. generell eine gerne gesehene Zusatzqualifikation. Falls man also noch unentschieden ist und sich erst in der Promotionsphase entscheiden möchte, kann man auch einen LL.M. in General Studies machen. Das „Ranking“ der Zieluniversität und das angebotene Curriculum spielen eine große Rolle bei der Entscheidungsfindung.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Das Gespräch führte Elisabeth Rudolf-Sipötz

Quelle NJW 45/2017