„Der Kampf um die besten Köpfe hat längst begonnen“

Interview mit Prof. Dr. Frank Maschmann

Wie gefragt ein LL.M.-Absolvent im Human Resource Management (HRM) heutzutage ist, weiß Herr Prof. Dr. Frank Maschmann, Ordinarius für Bürgerliches Recht und Arbeitsrecht an der Universität Regensburg und wissenschaftlicher Leiter des dort angebotenen Studiengangs LLM HRM. Er erzählt uns, weshalb ein berufsbegleitender LL.M.-Abschluss in diesem Bereich wichtiger denn je ist und welche Herausforderungen und Karrieremöglichkeiten zukünftig auf die Absolventen warten.

Herr Professor Maschmann, warum wird das Human Resource Management für Unternehmen immer wichtiger?

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Dafür gibt es die unterschiedlichsten Gründe. Manche Branchen beklagen einen erheblichen Fachkräftemangel. Für sie geht es vor allem darum, die richtigen Leute zu finden und zu binden. Das wird immer schwieriger, weil längst der Kampf um die besten Köpfe begonnen hat. Wer diesen „War for talents“ gewinnen will, muss nicht nur ordentlich vergüten, sondern auch eine ausgewogene Work-Life-Balance bieten. „Young Professionals“ erwarten außerdem gute Führung und maßgeschneiderte Karrierewege. Andere Branchen kämpfen mit dem digitalen Strukturwandel, den wir momentan verschärft in der Automobilindustrie erleben. Dort werden in den nächsten Jahren Tausende Arbeitsplätze in der Fertigung abgebaut. Gleichzeitig sucht man händeringend Programmierer. All das sind spannende Herausforderungen für ein modernes HRM, das für den langfristen Erfolg eines Unternehmens unverzichtbar ist.

Das klingt ziemlich anspruchsvoll. Von daher: was müssen Juristen für eine Tätigkeit im HRM können?

Wer es im Personalbereich zu etwas bringen will, braucht außer exzellenten Jura-Kenntnissen auch Expertenwissen in benachbarten Disziplinen. Dazu gehört sicherlich die BWL. Die allein genügt jedoch nicht. Für global agierende Unternehmen ist die Zusammenarbeit von Mitarbeitern, die aus unterschiedlichen Kulturkreisen stammen, ebenfalls von großer Bedeutung. Sie erfolgreich zu gestalten, ist eine Frage des Interkulturellen HRM. Auch die Wirtschaftspsychologie wird immer wichtiger. Sie kommt bereits beim Recruiting ins Spiel, wenn es um die „evidenzbasierte“ Auswahl von Bewerbern nach psychologischen Grundsätzen geht, aber auch bei den Themen Führung, Motivation Mitarbeitern und Change-Management. All dieses Zusatzwissen vermitteln wir in unserem Studiengang LLM HRM. Nicht von ungefähr steht er unter der Devise „HRM weiterdenken...“

Und welche spezifisch arbeitsrechtlichen Themen halten Sie für relevant?

Für die Praxis des HRM sind Themen wichtig, die im Curriculum des Staatsexamensstudiengangs Rechtswissenschaft zu kurz kommen. Hier bessert unser LLM HRM nach: Vertragsgestaltung und effektives Verhandlungsmanagement, flexibler Personaleinsatz, Beschäftigung von Fremdpersonal, Änderung von Arbeitsbedingungen, Restrukturierung und Umstrukturierung von Unternehmen, Beschäftigung in Konzern- und Matrixorganisationen und natürlich die arbeitsrechtlichen Fragen von M+A.

Gibt es eine aktuelle Debatte im Bereich des Human Resource Managements, die einen LL.M. besonders wichtig macht? 

Das sind außer den Mega-Trends „Internationalisierung“ und „Digitalisierung“ der Arbeitswelt mit den schwierigen Folgeproblemen des Beschäftigtendatenschutzes vor allem die Diskussion um die zivil- und strafrechtliche Verantwortlichkeit von Führungskräften. Hier gibt es in unserem Regensburger Studiengang spannende Überschneidungen mit den Bereichen Compliance und Corporate Governance, denen man sich in anspruchsvolleren Masterarbeiten widmen kann.

Was sind die Vorteile eines berufsbegleitenden LL.M.s? 

Unser Regensburger berufsbegleitender LLM hat natürlich den Vorteil, dass das im Studium erworbene theoretische Wissen sofort in die Praxis umgesetzt werden kann. Umgekehrt sorgt die Diskussion mit den betrieblichen Praktikern dafür, dass die Kursinhalte „geerdet“ bleiben und sich nicht im akademischen Glasperlenspiel verlieren. Natürlich muss der umfangreiche Stoff so konzipiert sein, dass man ihn bei entsprechendem Engagement in 3 Semestern absolvieren kann. Eine gewisse Anzahl von Präsenzeinheiten in der Universität ist dabei unverzichtbar. Denn nur vor Ort kann man intensiv diskutieren, Ideen austauschen und persönliche Netzwerke knüpfen. Auch die Masterarbeit kann vom berufsbegleitenden Zuschnitt des Studiums profitieren.

Wie sieht der aktuelle Arbeitsmarkt aus?

Juristen mit Kenntnissen sowohl im Bereich Arbeitsrecht als auch im HRM werden nach wie vor händeringend gesucht. Der Weiterbildungsbedarf ist auch aus Sicht des Bundesverbands der Arbeitsrechtler in Unternehmen enorm, mit dem wir den Studiengang entwickelt haben. Gefragt sind Juristen, die neben fundierten Kenntnissen im Arbeitsrecht über das für das HRM notwendige betriebswirtschaftliche, pädagogische und psychologische Know-how verfügen. Auch die großen Wirtschaftsprüfungs- und Consultingunternehmen bieten Arbeitsrechtlern mittlerweile attraktive Positionen, in denen verstärkt vernetztes Denken und die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Nicht-­Juristen verlangt wird.

Welche Betätigungsfelder gibt es zukünftig mit einem LL.M. in Human Resource Management und welche Geschäftsfelder benötigen einen LL.M.-Experten? 

Mit einem LLM HRM bestehen Einsatzmöglichkeiten in allen Bereichen des Personalwesens. Die Absolventen sind natürlich für anspruchsvolle Leitungsaufgaben prädestiniert. Da die Digitalisierung und Flexibilisierung in der Arbeitswelt, der Einzug künstlicher Intelligenz, der demografische Wandel und die fortschreitende Internationalisierung und Globalisierung auch die Geschäftsführungen und die Beratungsunternehmen zunehmend herausfordern, werden auch diese Bereiche LL.M Experten in Zukunft besonders nachfragen.

Über den Interviewpartner:

Prof. Dr. Frank Maschmann
Ordinarius für Bürgerliches Recht und
Arbeitsrecht an der Universität Regensburg
und Gastprofessor an der Karlsuniversität zu Prag

Quelle NJW 28/2020