Compliance: Externe Juristen als Legal-Project-Manager in Rechtsabteilungen

Dr. Stephanie Troßbach im Gespräch mit Liane Allmann

Die Komplexität der Wirtschaft und damit einhergehender rechtlicher Reglementierungen, stellen jedes Unternehmen vor eine große Herausforderung.

Wie stelle ich sicher, dass Compliance-Regeln in Unternehmen eingehalten werden und ich rechtlich immer up to date bin? Und wie vor allen Dingen führe ich solche Regeln wirksam ein? Fakt ist, wer die Rechtmäßigkeit seines wirtschaftlichen Handels nicht sicherstellt, gefährdet sein Unternehmen und seine Mitarbeiter.

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Gerade deshalb ist es jetzt höchste Zeit für versiertes und praxiserprobtes Legal-Project-Management. Unsere Autorin Liane Allmann sprach mit RAin Dr. Stephanie Troßbach, die Unternehmen in Compliance-Fragen strafrechtlich berät.

Frau Dr. Troßbach: Warum Projektmanagement in Rechtsabteilungen?

Nun, zunächst einmal die Antwort auf die Frage, was denn eigentlich Projekte sind. Projekte sind einmalige Vorhaben, die stark zielorientiert sind. Hat man Projektmanagement noch in jüngster Zeit zumeist im Marketing oder der IT verortet, verlangt nun auch die Komplexität der Herausforderungen in Rechtsabteilungen ein professionelles Projekt-Management. Das gilt besonders für den Bereich Compliance, da Compliance-Abteilungen unter enormem Druck stehen.

Sie sind einer starken Dynamik ausgesetzt – die gesetzlichen Anforderungen steigen beständig und im Tagesgeschäft bekommt man das nicht unter. Dazu kommt, dass die meisten Compliance-Abteilungen zu klein sind beziehungsweise nur langsam wachsen. Natürlich wollen Unternehmen flexibel sein. Deshalb ist ihre Bereitschaft, ihre Rechts- und Compliance-Abteilungen auszubauen, oft gering.

Und dann kommen Leute wie Sie ins Spiel?

Genau! Es gibt im Moment einen stark wachsenden Bedarf an wirklich erfahrenen Beratern, die spezialisiert sind auf juristisches Projektmanagement.

Das müssen Kollegen sein, die sowohl sehr tiefe Rechtskenntnisse haben, aber eben auch Projekte mit verschiedenen Tools managen und stark unternehmerisch, systematisch denken können. Nicht zu verwechseln mit Projektjuristen, die in Großmandaten eingesetzt werden, um Routinetätigkeiten wie Datenanalyse zu übernehmen.

Und welche Unternehmen brauchen Legal-Project-Manager für ihre Rechtsabteilung?

Erfahrungsgemäß sind das Unternehmen und Rechtsabteilungen, die ein komplexes Tagesgeschäft bewältigen müssen. Schon das ist dann für die Rechts- oder Compliance-Abteilung ein echter Brocken. Gerade auch, wenn sich die Komplexität der wirtschaftlichen Tätigkeit erhöht, Unternehmen wachsen und international werden, wird es oft richtig eng in den Abteilungen.

Da muss dann zugekauft werden – und zwar nicht nur „Rechtsdienstleistung“ im klassischen Sinn, sondern eben ein Legal-Project-Management, das Prozesse neu strukturiert oder eben auch erst einführt. Schlussendlich ist es wie mit einem Tuning. Im besten Fall wirkt Legal-Project-Management wie ein rechtlicher Sicherheits-Booster.

Was muss man denn als Legal-Project-Manager mitbringen?

Man darf sich vor Komplexität nicht scheuen. Das hat viel mit Erfahrung und Routine zu tun. Ich habe viele Jahre in der Großkanzlei und der Compliance-Abteilung eines Pharma-Unternehmens gearbeitet. Man muss das Business gut kennen, um das Business gut zu schützen.

Rechtlich muss man auf höchstem Niveau spielen, man muss Projektmanagement „aus dem effeff“ beherrschen und bereit sein, schnell Entscheidungen zu treffen oder – je nach Organisationsgrad – Empfehlungen auszusprechen. Außerdem sollte man ein echter Leader sein.

Natürlich ist auch hier der Erfolg menschengemacht und gerade in großen Unternehmen sind die Rechts- und Compliance-Abteilungen umfangreich.

Und wie wird man Legal-Project-Manager? Können Sie Berufseinsteigern etwas raten?

Häufig kommt man in diese Position nicht bewusst, sondern es ist ein Entwicklungsprozess. Vielleicht ist man am Anfang Teil einer Compliance-Abteilung, nachdem man in einer Großkanzlei angefangen hat, und wird dann selbständiger Berater, weil man selbst agil arbeitet und die Flexibilität liebt.

Man kann sich sehr gut vorbereiten, indem man Prozesse unternehmerisch betrachtet und jederzeit diesen Prozess mit den gesetzlichen Herausforderungen in der Situation übereinanderlegt. Wo sind neuralgische Punkte und wie kann ich gerade da mein Unternehmen schützen? Welche internen Entscheidungen brauche ich dafür? Diese Frage stellt sich dem Legal-Project-Manager in besonderem Maße.

Der Job verlangt höchste Anpassungsfähigkeit, denn in der Regel wird man für einen festgelegten Zeitraum für ein Projekt eingesetzt und ist danach für ein neues Unternehmensmandat tätig, vielleicht auch in einer neuen Branche. Da gilt es dann, rasch das Business zu verstehen, Prozesse zu analysieren und auch dieses Projekt erfolgreich aufzusetzen.

Fakt ist: Es ist Herausforderung pur, abwechslungsreich und unternehmerisch. Wer das mag, bringt schon eine gute Basis mit.

Über die Interviewpartnerinnen:

Liane Allmann
Dipl.-Betriebswirtin und Inhaberin
der auf Anwälte spezialisierten Strategie-
und Kommunikations-Agentur Kitty & Cie.
sowie zertifizierte Competence-Trainerin (SHB),
Change-Managerin und Systemischer Coach

www.kitty-cie.de

www.legal-coach.de

Dr. Stephanie Troßbach
Rechtsanwältin und Gründerin von Catus Law + Compliance,
sie ist Spezialistin für Compliance und strafrechtliche
Beratung von Unternehmen

Quelle BECK Stellenmarkt 3/2020