Corona-forcierte Digitalisierung in der Fort- und Weiterbildung

von Dipl.-Finw. (FH) StB Alexander Horst

Mit der Corona-Pandemie hat wohl keiner gerechnet, aber: Aus der Not heraus entstehen viele gute Dinge und erweisen sich auch im langfristigen Einsatz als vorteilhaft. Ganz klar ist hier die Digitalisierungsbranche als Gewinner aus der Krise hervorgegangen, auch im Fort- und Weiterbildungsbereich.

Zwar gibt es schon seit Jahren Webinare, allerdings waren diese gerade bei größeren zu vermittelnden Lehrinhalten eher nicht die erste Wahl der Teilnehmer. Vielmehr wurden diese für kleinere Lerneinheiten oder Update-Veranstaltungen präferiert.

Zu Zeiten von Homeoffice-Geboten und Reiseverboten musste der im wirtschaftlichen Bereich obligatorischen Fortbildung jedoch weiterhin Rechnung getragen werden. Die ausgesprochenen Kontaktverbote hätten ohne Digitalisierung der Lehrinhalte darüber hinaus nahezu zum Komplettausfall eines ganzen Jahrgangs von Steuerberatern, Steuerfachwirten und Bilanzbuchhaltern geführt.

So investierte z. B. die Steuer-Fachschule Dr. Endriss sehr schnell und sehr umfangreich in diverse Möglichkeiten der „Fernübertragung“ von Wissen. Zwar waren die technischen Hürden – was die Hardware betrifft – relativ schnell überwunden, doch der Softwaremarkt hält eine schier unüberschaubare Anzahl von Möglichkeiten bereit, die es zu evaluieren galt.

Weiterhin bedurfte es der effizienten Heranführung der Dozenten an das Mittel der Wahl. Auch die Bandbreite der Möglichkeiten – von reinen Videos bis hin zu interaktiven Webinaren musste mit allen Vor- und Nachteilen geprüft werden.

Schlussendlich verständigte man sich auf den situativen Einsatz verschiedener Lösungen, je nach individueller Vorteilhaftigkeit. Insbesondere erwiesen sich Zoom und GoTo-Meeting hier als solide Alternativen. Die Akzeptanz der Teilnehmer war von Beginn an gegeben. Kleinere IT-technische Unsicherheiten des ein oder anderen Dozenten vermochte man als charmante Petitesse zu übersehen.

Die Lernkurve auf Anbieterseite war währenddessen sehr steil und mehr und mehr konnten die technischen Möglichkeiten der Software ausgeschöpft werden:

– Interaktive Mitarbeit durch Audio- und Videointeraktion
– Chatfunktion privat und öffentlich
– „Handheben“ durch Emoticons
– Beantwortung von Umfragen

usw.

Gerade die jüngere Generation von Teilnehmern hatte großes Gefallen an dieser Darbietungsform, weshalb wir entschieden, diese Art der Vermittlung auch über „Corona“ hinaus als festen Bestandteil der Seminare und Lehrgänge zu integrieren. Aber auch Teilnehmer der „mittleren Altersgruppe“ waren dieser Weiterbildungsform gegenüber sehr offen und sehr angetan von diesem Weg der Stoffvermittlung.

Bereits etabliert haben sich hybride Veranstaltungen: So können sich die Teilnehmer des Vollzeitlehrgangs Köln zur Vorbereitung auf die Steuerberaterprüfung jeden Tag frei entscheiden, ob sie dem Unterricht heute physisch beiwohnen möchten oder lieber von zu Hause verfolgen möchten.

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten: Auch wenn die digitale Wissensvermittlung dem ein oder anderen zum Vorteil gereicht, was z. B. Ansteckungsrisiko oder Reisezeiten und -kosten betrifft; so gibt es auch klare Nachteile der digitalen Wissensvermittlung. Insbesondere das Netzwerken im Seminarbereich, welches viele Teilnehmer intensiv wahrnehmen, entfällt im Prinzip vollständig.

Zudem ist die Wirkung der Dozenten in der Präsenz möglicherweise anders als beim Sprechen in eine Webcam. Wenn man sich jedoch den perfomanten „youtuber“ anschaut, scheint auch das nur eine Übungssache zu sein.

In jedem Fall wird sich der Fort- und Weiterbildungsbereich an die „neuen Gegebenheiten“ anpassen. Es tut gut, dass die Pandemie hier zu einer deutlichen Forcierung geführt hat.

Über den Autor:

Dipl.-Finw. (FH) StB Alexander Horst
externer fachlicher Berater der Steuer-Fachschule
Dr. Endriss GmbH & Co. KG in Köln und
Inhaber einer Steuerberatungskanzlei in Pulheim

Quelle DStR 36/2020