Wer möchte schon Senior Associate sein?

von Benji Field und Sven Laacks, Shilton Sharpe Quarry, juristische Personalberatung

Nach wie vor ist es eine Herausforderung, Senior Associate in einer internationalen Wirtschaftskanzlei zu sein, und die Wahrscheinlichkeit der Ernennung zum Partner ist auch weiterhin gering. Hier möchten wir einige Gesichtspunkte ansprechen und zugleich Vorschläge geben, die auf dem Karriereweg weiterhelfen sollen.

Vorbei sind die Tage, als ein Associate über die Jahre einfach den Weg zur Partnerschaft gehen konnte. Heute spielen weit mehr Faktoren eine Rolle und stellen eine Herausforderung für die Associates und auch die Kanzleien dar.

Dass zwischen dem Erreichen der Vorgaben und dem zeitgleichen Entwickeln eines Business Cases Frustrationen aufkommen, ist nur allzu verständlich. Hinzu kommt, dass sich das Umfeld stark verändert hat: Die (inter-)nationalen Wirtschaftskanzleien konnten seit den 90er Jahren ein überragendes Wachstum generieren. Zugleich sind mehr Teilnehmer in den Markt gedrungen und die Anzahl der Associates hat erheblich zugenommen. Auf der anderen Seite wird dies nicht durch die Anzahl der ausscheidenden Associates kompensiert, befeuert auch durch die lange Lebensarbeitszeit vieler Partner.

Dies erzeugt einen entsprechenden Flaschenhals-Effekt, und die Statistik sieht nicht gut aus. Betrachtet man – nur einmal beispielhaft – die Anzahl der Partnerernennungen der Magic Circle Kanzleien, so stagnierten die Zahlen in Deutschland zuletzt auf niedrigem Niveau (in den Jahren 2012 und 2013 wurden jeweils zwölf Equity Partner ernannt) bzw. sind global gesehen sogar stark rückläufig (während es im Jahr 2012 noch 93 Partnerernennungen waren, wurden 2013 bereits nur noch 77 Partner ernannt). Schaut man weiter auf die Zahlen für das Jahr 2014, die gegenwärtig bekannt werden, so sieht die Lage noch dramatischer aus.

Bei dem Versuch, die Associates zu halten und einen Ausgleich zu den steigenden Stundenvorgaben zu schaffen, bewegen sich die Kanzleien weg von dem klassischen Lockstep System und hin zu einem leistungsorientierten System. Zusätzlich werden alternative Entwicklungswege wie z. B. der Counsel etc. angeboten, um die Promotion der Associates aufzuschieben oder, direkt gesagt, um diese zu parken.

Die Kanzleien täten gut daran, wenn sie realistisch bewerten würden, was ein solcher „Zwischenschritt“ im Einzelfall bedeutet und sollten eine offene und unbelastete Diskussion mit den Mitarbeitern darüber führen. Die Wahrheit ist schlussendlich, dass nicht so viele befördert werden können, wie über die Jahre den Weg bis zur Partnerentscheidung durchlaufen. Viele werden nach wie vor auch in Zeiten guter wirtschaftlicher Rahmenbedingungen enttäuscht werden. Die Partnerernennung ist für jede Kanzlei eine finanzielle Verpflichtung und es ist daher auch unvermeidlich, dass diese auch weiterhin für einige wenige Glückliche reserviert bleibt.

Aber wie können erfahrene Associates das Beste aus der Situation machen und auf dem Weg zur Partnerschaft die richtigen Entscheidungen treffen?

Für Associates der Magic Circle Kanzleien zum Beispiel lag die Antwort oft bei den Silver Circle Kanzleien oder, um es pauschaler auszudrücken, man orientierte sich für einen Karriereschritt hin zu einer Kanzlei mit einer geringeren Reputation am Markt. Dieser Schritt scheint der weniger direkte Weg zu sein, aber nach wie vor ergeben sich für Associates hieraus größere Möglichkeiten. Inzwischen wird wesentlich strategischer an die Karriereplanung herangegangen, und Associates wechseln zu kleineren Kanzleien, wo ein Business Plan als Sprungbrett angesehen wird, bevor sie sich wieder in die Richtung einer größeren oder renommierteren Kanzlei entwickeln.

Andere Überlegungen zur Weiterentwicklung der Karrierepläne hängen auch davon ab, wie proaktiv man an die Sache herangehen will.

Sich von den Wettbewerbern absetzen: Von Beginn an aktiv Business Development zu betreiben sowie entsprechende Trainingslehrgänge zu besuchen, tun einem jungen Juristen nachhaltig gut. Wirtschaftskanzleien sind sich sehr wohl bewusst, dass sich die Mitarbeiter im Bereich Business Development entwickeln müssen, um neues bzw. weiteres Geschäft zu generieren. Und es wird zunehmend realisiert, dass dies auch antrainiert werden kann und es weiterer Investitionen wert ist, auch wenn solche Talente nicht natürlich gegeben sein sollten.

Spezialisierung: Eine Unterkategorie innerhalb eines Fachbereiches einzunehmen, sorgt zusätzlich dafür, als Spezialist am Markt wahrgenommen zu werden. Aber so etwas geschieht nicht über Nacht und es bedarf einer Menge Planung und Voraussicht (so ist zum Beispiel das Beihilferecht heute in einem Stadium, wo sich das Kartellrecht etwa vor zehn Jahren befand und bietet damit entsprechendes Potenzial).

Karrieremanagement: Associates müssen heutzutage allgemein proaktiver sein, wenn es um die eigene Karriereplanung geht. Es reicht nicht aus, einfach nur das nächste jährliche Review Gespräch abzuwarten. Gerade Senior Associates müssen sich klar sein, dass das Abwarten und Hoffen auf die Partnerernennung keine Lösung darstellen kann und dass nichts falsch daran ist, wenn sie direkte Fragen zu ihrer beruflichen Entwicklung stellen.

Integration fordern: Der Beruf des Rechtsanwalts besteht nicht nur aus der Bearbeitung rechtlicher Fragen am eigenen Schreibtisch. Der Rechtsanwalt ist auch ein Unternehmer und muss sich um sein Geschäft sorgen. Fordern Sie mit zunehmender Seniorität die Einbindung in „Partneraufgaben“: Wie sieht die Umsatzplanung des Fachbereichs für das nächste Geschäftsjahr aus? Welche Mandate möchte man gewinnen? Welche Pitches werden angestrebt? Mit welchen Strategien sollten die Ziele erreicht werden? Und erlernen Sie so auch die weiteren Aufgaben eines Rechtsanwalts.

Quelle NJW 20/2014