Selbstfürsorge – Weil ich es mir wert bin!

von Diane Manz

Der Begriff der Selbstfürsorge ist aktuell in aller Munde, insbesondere wenn es um Stressbewältigung, Resilienz und den Herausforderungen der VUCA-Welt geht. Es gibt dazu Ratgeber, Youtube-Videos und Podcasts und auch in Workshops wird das Thema regelmäßig aufgegriffen.

Selbstfürsorge meint, sich selbst aktiv um das eigene körperliche und mentale Wohlbefinden zu sorgen und ganz gezielt Aktivitäten nachzugehen, die dies unterstützen bzw. Dinge zu unterlassen oder zu reduzieren, die dem entgegenstehen. Tun wir das nicht, gelingt es uns nicht, Stress und Belastung hinreichend auszugleichen. Damit laufen wir allerdings in Gefahr, uns zu überfordern und im schlimmsten Fall einen Burnout oder andere stressbedingte Krankheiten zu erleiden.

Betrachtet man das ganz nüchtern, mutet es seltsam an, dass der Mensch ganz ausdrücklich darauf hingewiesen werden muss, für sich selbst zu sorgen. Brauchen wir einen Ratgeber dafür zu wissen, dass wir den Motor abstellen sollen, wenn das Öllämpchen leuchtet? Würden wir damit noch eine Woche oder länger fahren? Wohl eher nicht. Trotzdem tendieren wir, wenn es um den eigenen Körper und Geist geht, oft dazu, uns zu vernachlässigen und unsere Bedürfnisse hintenanzustellen.

Der nächste Termin, der wichtige Kunde, die knappe Deadline, die anspruchsvollen Kinder und die fordernden Verwandten, es gibt immer einen Grund, warum wir zurückstehen und den Bedürfnissen anderer den Vorrang geben. Freunden, Familie und sogar Fremden begegnen wir, wenn diese Selbstfürsorge betreiben, wesentlich respekt- und verständnisvoller und damit deutlich gnädiger als uns selbst.

Eigene Selbstfürsorge hingegen wird oft mit Egoismus, Rücksichtslosigkeit und Selbstverliebtheit in Verbindung gebracht. Es geht hier aber nicht darum, die Bedürfnisse anderer zu ignorieren und nur an sich selbst zu denken, sondern darum, sich selbst als wichtig und der Fürsorge wert zu betrachten. Darüber hinaus wird leider oft beiseitegeschoben, dass ich anderen nur eine wirklich wertvolle Hilfe sein kann, wenn es mir selbst gut geht.

Nicht umsonst lautet die Anweisung in Flugzeugen, dass man in Notfällen als Erwachsener zuerst die eigene Sauerstoffmaske aufziehen und dann erst Kindern und anderen Bedürftigen helfen soll. Oft verhindern aber negative Glaubensätze, wie „Ich muss es immer allen recht machen“ oder „Ich muss immer stark sein“ und Selbstwertprobleme, die in Frage stellen, ob man das überhaupt verdient hat oder grundsätzlich gut genug ist, eine adäquate Selbstfürsorge zu praktizieren.

Wenn es darum geht, hinderliche Gegebenheiten zu minimieren, wird darüber hinaus oft erwartet, dass der Anstoß von außen kommt. Im Bringschuld– Holschuld-Dilemma kann Selbstfürsorge – wie der Name schon sagt – immer nur letzteres sein. Im ersten Schritt heißt das also, ganz klar die Verantwortung für das eigene Wohlbefinden zu übernehmen.

Hier spielt das Erkennen erster Warnzeichen von Stress und Überforderung eine große Rolle. Diese können u.a. sein:

• Schlafstörungen
• Erschöpfung und Antriebslosigkeit
• Verspannungen
• Geschwächtes Immunsystem
• Unausgeglichenheit
• Gereiztheit und häufige Meinungsverschiedenheiten um Kleinigkeiten
• Innere Unruhe
• Vergesslichkeit und mangelnde Planung, Übersicht und Ordnung

Um sich hier bewusster über das eigene Befinden zu werden, kann es hilfreich sein, ein Befindlichkeits-Tagebuch zu führen, in dem man täglich festhält, wie man sich fühlt und welche Auffälligkeiten es gibt.

Um sich insgesamt klarer über die eigenen Bedürfnisse zu werden, ist es wichtig, verschiedene Lebensbereiche zu reflektieren. Hierbei können folgende Fragen unterstützen:

• Was ist mir wichtig und wo will ich hin?
• Was sind meine größten Stressfaktoren?
• Wovon will ich weniger?
• Wovon will ich mehr?
• Was tut mir gut?

Können Sie diese Fragen für sich beantworten, haben Sie bereits die Stellschrauben entdeckt, die Sie für mehr Selbstfürsorge drehen müssen. Zusätzlich zu der gezielten Arbeit an diesen individuellen Einflussgrößen hat sich eine Reihe von grundsätzlichen Empfehlungen zur Steigerung der Selbstfürsorge bewährt.

Hier eine kleine Auswahl:

1. Kultivieren Sie einen gesunden Lebenstil, der geprägt ist von ausreichend und gutem Schlaf, gesunder Ernährung inkl. ausreichendem Trinken und regelmäßiger Bewegung.

2. Gönnen Sie sich regelmäßige Auszeiten, in denen Sie Dinge tun, die Ihnen Spaß machen. Entspannung heißt hier nicht zwangsläufig nur, Ruhe für den Körper zu finden, sondern auch Ausgleich für den Geist – Hauptsache, es lädt die Batterien auf.

3. Pflegen Sie soziale Kontakte und umgeben Sie sich mit Menschen, die Ihnen etwas bedeuten und die für Sie da sind – heißt auch, sich von toxischen, das Wohlbefinden gefährdenden Beziehungen zu trennen.

Untermauert wird eine erfolgreiche Selbstfürsorge von Ihrer Überzeugung, dass Ihre Bedürfnisse auch wichtig sind und Sie es verdient haben, ein gutes Leben zu führen. Entwickeln Sie entsprechende positive Glaubenssätze und erinnern Sie sich regelmäßig daran. Weil Sie es sich wert sind!

 

Über die Autorin:

Diane Manz
Dipl.-Psychologin und
systemischer Business Coach