Spezialisierungen im Master werden in der Praxis zunehmend wichtiger

von Prof. Dr. Peter Zaumseil

Komplexere Unternehmensstrukturen, der Mangel an geeigneten Fachkräften und die zunehmende Internationalisierung stellen nicht nur Unternehmen, sondern auch Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungskanzleien vor immer größere Herausforderungen. Der Wunsch nach qualifiziertem Personal mit gezielten Spezialisierungen ist auf dem Arbeitsmarkt präsenter denn je. Dabei steigt auch der Bedarf vor allem im Bereich des immer komplexer werdenden und zunehmend durch die Digitalisierung geprägten Unternehmenssteuerrechts.

Erste Hochschulen haben diesen Bedarf bereits erkannt und entsprechende Studienangebote entwickelt, welche diese neuen Anforderungen an zukünftige Absolventen bedienen. So bieten etwa die Universitäten Potsdam und Mannheim Mastermodelle mit einer Spezialisierung im Unternehmenssteuerrecht an.

Neues Modell im Unternehmenssteuerrecht

Ein neues Modell in diesem wichtigen Bereich des Steuerrechts stellt die Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW Berlin) in Kooperation mit der Hochschule Stralsund (HOST) seit dem Wintersemester 2021/2022 bereit. Der staatlich getragene konsekutive Masterstudiengang Unternehmenssteuerrecht, welcher in drei Semestern absolviert wird, bietet dabei ein passgenau zugeschnittenes Programm aus steuerlichen Modulen, welches in enger Zusammenarbeit mit namhaften Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaften entwickelt wurde.

Dabei wurde sowohl auf die rein steuerliche Ausrichtung des Curriculums als auch auf die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit praxisrelevanten Fragestellungen der Unternehmensbesteuerung Wert gelegt. Um den Anforderungen des Arbeitsmarktes gerecht zu werden, vermittelt der Master von Tag eins an gezielt unternehmenssteuerrechtliches Spezialwissen auf ausschließlich vertiefender Ebene.

Individuelle Schwerpunktsetzung

So sieht der Modulplan neben Modulen wie Ertragssteuerrecht, Besteuerung von Kapitalgesellschaften und Steuerverfahrensrecht in jedem Semester Wahlpflichtmodule zu aktuellen Praxisthemen vor.

Die Studierenden können dadurch ihr Wissen unter anderen auf den Gebieten Insolvenz- und Sanierungssteuerrecht oder in aktuellen steuerrelevanten Entwicklungen der Digitalisierung ausbauen und somit bereits im Rahmen des Masterstudiengangs individuelle Schwerpunkte setzen. Zugelassen werden nur Bewerber, in deren Bachelorabschluss bereits mindestens 15 Leistungspunkte in steuer(recht)lichen Modulen erreicht wurden.

Praxisbezug durch Exkursionen und Workshops

Damit die Studierenden bestmöglich auf die berufliche Praxis vorbereitet werden und sich zugleich vertiefend mit wissenschaftlichen Fragestellungen auseinandersetzen, sind im Studienverlauf auch Exkursionen zu Kongressen und Tagungen sowie Workshops in Zusammenarbeit mit der beruflichen Praxis vorgesehen.

Dadurch sollen nicht nur reale Einblicke in die Berufspraxis und Netzwerkmöglichkeiten garantiert werden, sondern die Studierenden auch in der Wahl eines praxisnahen Themas für die Masterarbeit unterstützt werden. Die bewusste Vernetzung wissenschaftlicher Expertise mit signifikanten Praxisproblemen im beruflichen Alltag gewährleistet eine gezielte Vorbereitung auf eine erfolgreiche Tätigkeit im anspruchsvollen Umfeld der steuerberatenden Berufe.

Den großen Defiziten, denen sich Berufsanfänger im Bereich des Steuerrechts häufig ausgesetzt sehen, wird durch derartige spezialisierte Masterstudiengänge wirksam begegnet.

Warum Spezialisierung so wichtig ist

Ein Großteil der Studierenden aus steuervertiefenden Studiengängen strebt nach dem Bachelor- oder Masterabschluss das Steuerberaterexamen an und wählt oftmals Masterangebote ohne spezifischen Schwerpunkt, teilweise mit der Annahme, eine bessere, generalistische Ausgangslage für das Examen zu haben.

Die konsequente Spezialisierung im Bereich Unternehmenssteuerrecht dürfte sich dabei insbesondere auch für das erfolgreiche Bestehen des Steuerberaterexamens als erfolgversprechender herausstellen. Angepasst an die konkreten Anforderungen des Arbeitsmarktes und des Zeitmanagements der Studierenden sind der konsekutive Master von HTW Berlin und HOST und vergleichbare Studienangebote so ausgerichtet, dass sie entweder die Vorbereitung auf das Examen im Studienverlauf integrieren oder aber zeitlich so konzipiert, dass das Absolvieren des Examens im Anschluss an den Master und eine individuelle Vorbereitungsphase problemlos möglich sind.

Als Resultat erhält die Branche bestens qualifizierte Steuerberaterinnen und Steuerberater, welche gezielt den Anforderungen einer immer rasanter wachsenden Unternehmensumwelt und der zunehmenden Globalisierung gerecht werden.

 

Über den Autor:

Prof. Dr. Peter Zaumseil
Dekan des Fachbereichs
für Wirtschafts- und Rechtswissenschaften
an der HTW Berlin
Professor für Betriebliche Steuerlehre und Steuerrecht