Aus- und Fortbildungen im Steuerbereich: Vom Präsenzunterricht zum Online-Seminar

von Anne-Wiebke Bergmeister

Die Corona-Krise wirkt sich nicht nur auf die Arbeitswelt im Allgemeinen, sondern insbesondere auch auf die betriebliche Weiterbildung aus. Das Verbot der Durchführung von Präsenz-Veranstaltungen sowie das weit verbreitete Homeoffice haben bewirkt, dass viele Anbieter der Branche ihre Angebote auf digitale Formate umgestellt haben.

Steuerberater und Mitarbeiter in steuerberatenden Berufen sind abhängig von einer fortwährenden Fort- und Weiterbildung. Gerade in diesem Bereich waren die Seminare vor der Corona-Pandemie zumeist als Präsenz-Seminar zu besuchen. Weiterbildungsanbieter, Referenten und auch die Teilnehmer der steuerberatenden Berufe haben den Frontalunterricht und den Austausch untereinander geschätzt und häufig als Voraussetzung für eine gelungene Veranstaltung gesehen.

Noch wenige Wochen vor dem Pandemiebeginn haben wir eine Umfrage unter unseren Teilnehmern durchgeführt. Dabei gaben zu diesem Zeitpunkt 74 % der Befragten an, dass sie sich nicht vorstellen können, regelmäßig an Online-Seminaren teilzunehmen.

Abrupte Umstellung notwendig

Mit dem Beginn der Pandemie im März 2020 erfolgte ein harter Einschnitt für die Weiterbildungsbranche, von dem nicht nur die Seminarveranstalter an sich, sondern auch die Referenten und Teilnehmer der gebuchten Seminare betroffen waren. Innerhalb kürzester Zeit mussten die Präsenz-Seminare auf Online-Seminare umgestellt werden. Wie viele andere Weiterbildungsanbieter waren wir hier mit einigen Herausforderungen konfrontiert: Wie lange darf ein Online-Seminar sein? Können wir die gleichen Inhalte vermitteln wie bei einem Präsenz- Seminar? Wie nehmen die Teilnehmer dieses Angebot ohne eine lange Kennenlernphase an? Wie gut können unsere Teilnehmer mit dieser Veränderung umgehen? Und zu guter Letzt: Wie können unsere Referenten genauso informative Online-Seminare halten wie sie es in Präsenzform tun?

Neben den technischen Voraussetzungen, die wir uns aneignen und anwenden mussten, haben wir den Fokus auf die Umsetzung mit den Referenten und die Akzeptanz der Teilnehmer gelegt.

Besondere Herausforderungen für Teilnehmer und Referenten

Insbesondere bei Fortbildungs-Veranstaltungen im Steuerrecht sind oftmals komplexe und schwierige Thematiken darzustellen, bei denen eine Einbeziehung der Teilnehmer essenziell ist. Gerade bei Online-Seminaren wird diesbezüglich den Teilnehmern eine deutlich größere Selbstdisziplin abverlangt, da immer wieder Ablenkungen durch andere Programme, E-Mails von Mandanten o.ä. lauern.

Um für eine konzentrierte Mitarbeit der Teilnehmer zu sorgen, stehen dem Referenten im virtuellen Klassenzimmer verschiedene Tools zur Verfügung, wie die direkte Ansprache, die aktive Aufforderung, den Chat zu bedienen, Umfragen oder die Live-Schaltung von Teilnehmern zur direkten Kommunikation. Um diese Mittel einsetzen zu können, wurden die Referenten intensiv geschult.

Zudem bieten Referenten-Teams eine gute Möglichkeit für einen dynamischen Vortrag. So kann ein Referent seinen Vortrag halten und der andere die Fragen der Teilnehmer im Chat beantworten. Außerdem können die Referenten untereinander interagieren, was die anonyme Atmosphäre zusätzlich auflockert. Zusätzlich kann ein Smartboard, an dem der Referent während seines Vortrags arbeitet, den Teilnehmern am Bildschirm das Gefühl geben, mit im Seminarraum zu sitzen.

Weiterhin hat es sich bewährt, die Veranstaltungen nicht ganztägig durchzuführen und während des Seminars immer wieder kleinere Pausen einzubauen. Die Akzeptanz der Teilnehmer war eine weitere Herausforderung. Der Großteil der Seminarbesucher stand der Umstellung von Präsenz- auf Online-Seminare positiv gegenüber.

Es wurde hierbei zum Teil viel Flexibilität von den Teilnehmern gefordert: Auf die Umstellung zur Teilnahme an Online-Seminaren waren die meisten Steuerbüros nicht vorbereitet. Internetleistung, fehlende Technik, geringe Kenntnis der Nutzung von Online-Seminar- Tools waren nur einige der alltäglichen Themen, bei denen Unterstützung erforderlich war.

Online-Veranstaltungen mittlerweile akzeptiert

Fast zwei Jahre später haben sich tiefgreifende Veränderungen ergeben: Mittlerweile haben rund 80 % unserer Teilnehmer mindestens an einer Online-Veranstaltung teilgenommen. Vor allem die Vorteile der Online-Seminare haben sie schätzen gelernt: Keine langen Anfahrtszeiten und -kosten, gesteigerte Flexibilität, da von überall teilgenommen werden kann und vor allem auch die Möglichkeit, trotz Präsenz-Seminar-Verbots weiterhin Informationen und Seminare zu den steuerrelevanten Themen zu erhalten.

Ob es auch ohne die Lockdowns eine so hohe Akzeptanz für Online-Seminare gegeben hätte, werden wir nicht mit Gewissheit herausfinden können. Sicher ist jedoch, dass Online-Veranstaltungen eine sinnvolle Ergänzung des Portfolios darstellen, so dass lerntyp-individuell die optimale Fortbildungsmöglichkeit gefunden werden kann.

 

Über die Autorin:

Anne-Wiebke Bergmeister
Geschäftsführerin der info-Steuerseminar
GmbH