
Zu Beginn meines Jurastudiums hatte ich eine spätere Tätigkeit in der Allgemeinen Inneren Verwaltung noch kategorisch ausgeschlossen, weshalb ich der Verwaltungsstation im Referendariat mit gemischten Gefühlen entgegensah. Da ich bereits ehrenamtlich mit Geflüchteten gearbeitet hatte, wählte ich den Bereich 1B (Asyl, Zentrale Ausländerbehörde) bei der Regierung von Oberbayern. Rückblickend war das die beste Entscheidung, die ich während meiner Ausbildung getroffen habe. Dass ich nach dem Zweiten Staatsexamen Anfang 2021 in genau diesem Bereich meine erste Stelle als »Arbeitsbereichsleitung Anschlussunterbringung« bei der Regierung von Oberbayern antreten durfte, war ein sehr glücklicher Zufall.
Einsatzmöglichkeiten für Juristen in der Verwaltung
Die Aufgabenbereiche für Juristen in der Verwaltung sind zu zahlreich, um sie hier abschließend aufzuzählen (Verwaltungsgericht, Bezirksregierung, Landratsamt, Staatsministerium des Innern, für Integration und Sport, verschiedene Landesämter …). In den ersten Jahren sind regelmäßige Stellenwechsel vorgesehen, um die verschiedenen Bereiche kennenzulernen. Man erhält so die Chance, sowohl rein fachlich als auch in einer Führungsposition mit Personalverantwortung zu arbeiten.
Arbeit im Asylbereich
Unter »Anschlussunterbringung« versteht man die Unterkünfte, in denen Geflüchtete während des Asylverfahrens und ggf. auch danach leben. Meine Aufgabe ist es, für den ordnungsgemäßen Betrieb dieser Unterkünfte und die Belange der Mitarbeitenden zu sorgen. Dies umfasst neben der Planung neuer Unterkünfte inkl. Ausstattung auch die Erarbeitung neuer Unterbringungskonzepte sowie die Kommunikation mit Bewohnerschaft/Behörden/Sozialverbänden. Zudem bin ich für alle Rechtsfragen und die Bearbeitung von Gerichtsverfahren zuständig. Von der Möbelbestellung über die Klage gegen die Hausordnung bis hin zum Konzept für eine Unterkunft für Personen mit Mobilitätseinschränkungen geht also alles über meinen Schreibtisch. Das Spannende, aber auch Fordernde an meiner Arbeit ist, dass man morgens nie weiß, was bis zum Abend passieren wird. Dies erfordert zwar Flexibilität, bedeutet aber auch, dass es garantiert nie langweilig wird.
In der Anschlussunterbringung hat man sowohl zu den Verbänden und Helferkreisen einerseits als auch zu Gemeinden und Anwohnerschaft andererseits Kontakt, während zugleich die Bedürfnisse der Bewohnerschaft sowie der Mitarbeitenden miteinander in Einklang gebracht werden müssen. Man befindet sich also mitten in einem der meistdiskutierten Themen dieser Zeit und hat dabei eine klar definierte Aufgabe: die hier angekommenen Personen adäquat unterbringen, egal woher sie kommen und weshalb sie geflohen sind.
Dabei überholt der Arbeitsalltag manchmal die abendlichen Nachrichtensendungen. Während man dort noch den Fall Kabuls zeigte, waren wir bereits mit der Aufnahme der Evakuierten beschäftigt. Für mich waren das keine Bilder aus dem Fernsehen, nach denen Werbung und Wetter folgen. Das waren Menschen, deren Ankunft uns in Echtzeit mitgeteilt wurde und die ohne Gepäck oder Plan in München landeten. Menschen, die ein Dach über dem Kopf, ein Bett, eine warme Mahlzeit, medizinische Versorgung und einen Corona-Test benötigten. Ohne Vorbereitungszeit mussten Unterkünfte gefunden und vorbereitet werden, es musste herausgefunden werden, wo die Geflüchteten eigentlich hingehören und gemeinsam mit den zuständigen Behörden die Weiterreise organisiert werden. Später erfuhr man dann aus Reportagen, wo diese Personen gearbeitet hatten und weshalb sie fliehen mussten, sodass sich der Kreis wieder schloss.
Personalverantwortung als Berufsanfänger
Wichtig, auch in solchen Krisensituationen, ist der Austausch mit den Mitarbeitenden. Diese bringen ganz unterschiedliche berufliche und persönliche Geschichten mit. Neben dem Innendienst, der vom Büro aus tätig ist, gibt es den Außendienst, der den Betrieb mehrerer Unterkünfte koordiniert oder als Verwaltungsleitung/Hausmeister das Tagesgeschäft vor Ort betreut. Durch die Arbeit in einem interdisziplinären, multikulturellen Team lernt man, Probleme aus verschiedenen, neuen Blickwinkeln zu betrachten und findet so – bisweilen überraschende – Lösungen für die vielfältigen täglichen Fragen.
Als Berufsanfängerin plötzlich Personalverantwortung zu tragen, war zunächst ungewohnt. Dank Fortbildungsangeboten und der Unterstützung meiner Vorgesetzten fühlte ich mich hiermit jedoch nie allein gelassen. Dass die Arbeit mit einem großen Team aus unterschiedlichsten Persönlichkeiten mir so viel Freude bereiten würde, war für mich eine der größten Überraschungen an dieser Stelle. Es ist sehr faszinierend zu sehen, was ein gut eingespieltes Team erreichen kann und wie sich Teams durch neue Mitglieder oder Aufgaben weiterentwickeln.
Demnächst werde ich die Regierung von Oberbayern nach 3,5 sehr schönen, abwechslungsreichen Jahren im Rahmen der Rotation voller Wehmut, aber auch voller Vorfreude auf neue Aufgaben verlassen. Dem Asylbereich bleibe ich allerdings auch bei meiner neuen Verwendung treu.
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Über die Autorin:

Ruth Lorenz - Regierungsrätin bei der Regierung von Oberbayern
Sie hat in München Rechtswissenschaften studiert. Bei der Regierung von Oberbayern leitet sie den Arbeitsbereich Anschlussunterbringung.