Aus dem Leben und Arbeiten im Verband oder was es heißt Verbandsjurist/in zu sein…

von Pia Rixner und Maria Schimmel

Was macht man eigentlich so den ganzen Tag in einem Arbeitgeberverband? Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften führen den Auftrag des Grundgesetzes aus, die Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen zu gestalten (Art. 9 Abs. 3 GG). Das Aufgabengebiet könnte dabei vielseitiger nicht sein.

Natürlich gehört der Kontakt mit den verschiedensten Mitgliedern zur Tagesordnung. Besonders gängig ist es, E-Mail-Anfragen von den Mitgliedsunternehmen zu verschiedenen arbeitsrechtlichen Fragestellungen zu beantworten, sowohl im Hinblick auf das Individual- als auch auf das Kollektivarbeitsrecht.

Für reibungslose Abläufe sind Absprachen mit Kolleginnen und Kollegen und Vorgesetzten angedacht. Daraus ergeben sich unter anderem auch die Tages-To-dos. Außerdem werden gemeinsam mit Kollegen Schulungen für Personalverantwortliche aus den Mitgliedsunternehmen gehalten und man wird auch in Gerichtsprozesse eingebunden.

Dafür müssen anfangs Schriftsätze vorbereitet werden und letztendlich übernimmt man dann auch die Prozessvertretung für die Unternehmen. Auch das Verfassen von Newslettern und Rundschreiben an Mitgliedsunternehmen, die Vorbereitung politischer Gespräche und Stellungnahmen zu aktuellen Themen gehören dazu.

Dabei gibt es unterschiedlich organisierte Verbände wie Regionalverbände oder Fachverbände auf Landesebene. Hier unterscheiden sich die Tätigkeiten ein wenig. Genauer heißt das: Bei den regionalen Verbänden stehen die umfassende juristische Beratung und Vertretung der Mitglieder im Vordergrund. In Rundschreiben werden die Personalabteilungen über neueste Änderungen in der Gesetzgebung oder Rechtsprechung informiert.

Die Herausforderung liegt in der praxisnahen und verständlichen Sprache, die auch von Lesern ohne juristische Vorbildung verstanden wird. Bei Problemen mit den Beschäftigten werden die Verbände häufig um Rat gefragt. So werden sie vielfach auch als Berater bei Verhandlungen eines Interessenausgleichs tätig, oder sie vertreten ihre Mitglieder bei rechtlichen Auseinandersetzungen vor den Arbeits- und Sozialgerichten.

Auch Schulungen werden angeboten, um die neusten Rechtsprechungen entweder per Webinar oder Präsenzseminar den Mitgliedern zugänglich zu machen. Bei den Fachverbänden auf Landes- oder Bundesebene stehen rechtliche Grundsatzfragen sowie die Vorbereitung von Tarifvertragsverhandlungen und die Umsetzung der Ergebnisse im Vordergrund. Je nach Komplexität müssen ergänzend zu den Vertragsinformationen umfangreiche Kommentierungen ausgearbeitet und Schulungen durchgeführt werden.

In tariflichen Eingruppierungsfragen arbeiten die Juristinnen und Juristen eng mit den Betriebsleitern und Verbandsingenieuren zusammen, um Arbeitnehmer korrekt einzustufen. Im Zusammenwirken mit der BDA setzen sich die Juristinnen und Juristen der Bundesfachverbände und Landesvereinigungen dafür ein, die gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Unternehmen zu verbessern.

Was macht die Arbeit im Verband so spannend?

Wer nach einer außergewöhnlichen Tätigkeit abseits der klassischen juristischen Pfade als Richter im Staatsdienst oder Anwalt in einer Kanzlei sucht, wird hier fündig. Die perfekte Kombination aus Politik und Jura ist spannend und abwechslungsreich. Wir beschäftigen uns sowohl mit der Legislative und Exekutive als auch im Speziellen mit Arbeits- und Sozialrecht.

Der politische Teil kommt gerade bei Landes- oder Spitzenverbänden wie der BDA vor: Hier geht es dann beispielsweise um Stellungnahmen zu politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen. Der tägliche Kontakt zu verschiedenen Mitgliedsunternehmen unterschiedlicher Größe lässt einen immer wieder mit neuen Fragestellungen beschäftigen, die auch über das rein Juristische hinausgehen.

Es kommen immer neue Herausforderungen dazu und genau das macht den Beruf als Verbandsjuristin bzw. -jurist super abwechslungsreich und spannend. Es wird also nie langweilig.

Welche Eigenschaft sollte jede Verbandsjurist bzw- -jurist im Gepäck haben?

Die Grundvoraussetzung ist ganz klar: der Spaß am juristischen Tätigkeitsfeld. Durch das breit aufgestellte Aufgabenspektrum ist Flexibilität hier das absolute A und O. Von dem Verbandsjuristen bzw. der Verbandsjuristin wird sowohl eine hohe fachliche Kompetenz als auch eine hohe Lösungs- und Gestaltungskompetenz jenseits des rein Juristischen erwartet. Manchmal geht es auch darum, in der Öffentlichkeit für betriebliche Maßnahmen zu werben bzw. die Haltung der Arbeitgeber zu bestimmten rechtspolitischen Fragestellungen zu begründen.

Im Verband ist man stets Teamplayer: Um dem Mitglied die beste Lösung anbieten zu können, stimmen sich die Juristinnen und Juristen mit den relevanten Fachleuten in den Verbänden ab. Manchmal sind die Probleme so komplex, dass mehrere Verbände mit ihren jeweiligen Kompetenzen zusammenarbeiten.

 

Über die Autorinnen: 

Pia Rixner
Volljuristin und Teilnehmerin des
Nachwuchsprogramms der BDA

Maria Schimmel 
Referatsleiterin Personal
im Nachwuchsprogramm der BDA