Die Bedeutung eines Fachangestellten für die Rechtsanwaltskanzlei

von Ronja Tietje und Veronika Gebertshammer

Man könnte die Meinung vertreten, dass Rechtsanwaltsfachangestellte das wahre Aushängeschild einer Kanzlei sind. Denn bei ihnen laufen ja alle Fäden zusammen. In der Realität klagen viele Fachangestellte über die fehlende Wertschätzung ihres Berufes. Welche Rolle spielen nun Rechtsanwaltsfachangestellte für die Kanzlei? Wir haben mit Frau Ronja Tietje, Vorstandsmitglied des ReNo-Bundesverbands, ein Gespräch über die Bedeutung der Rechtsanwaltsfachangestellten für die Anwaltskanzlei sowie über aktuelle Problemlagen des Ausbildungsberufes geführt.

Verantwortung und Sorgfaltspflichten

Als Rechtsanwaltsfachangestellter ist man für die Koordination aller Termine, für die Kommunikation mit Behörden und Gerichten, für die korrekte Führung der Akten, die Einhaltung der Fristen und für den Umgang mit Mandanten verantwortlich. Die Liste der Aufgaben eines Rechtsanwaltsfachangestellten ließe sich hier fast endlos fortführen. „Fachangestellte haben für einen effizienten Kanzleiablauf eine sehr hohe Bedeutung.“, bestätigt auch Frau Tietje.

All diese Aufgaben müssen mit höchster Sorgfalt bearbeitet werden, da es sonst zu teuren Schadensersatzansprüchen kommen kann. Als Rechtsanwaltsfachangestellter ist man damit quasi die rechte Hand des Anwalts. Es ist ein Job, der mit viel Verantwortung und Sorgfaltspflichten einhergeht. Frau Tietje stellt jedoch fest: „Voraussetzung ist allerdings, dass die Fachangestellten je nach Berufserfahrung und Fähigkeiten im Rahmen eines gut durchdachten Personalentwicklungskonzeptes gezielt in der Kanzlei eingesetzt werden.“

Der Fachkräftemangel in der Rechtsbranche

Einer Studie des Soldan Instituts zufolge haben allerdings rund 95 Prozent aller Kanzleien Probleme bei der Rekrutierung von Fachangestellten. „Der Fachkräftemangel hat auch die Rechtsbranche fest im Griff.“, sagt Ronja Tietje und führt aus, woran das liegen könnte: „Zum einen stehen durch den demografischen Wandel nicht mehr so viele junge Menschen zur Verfügung, zum anderen wählen viele junge Menschen lieber eine akademische Laufbahn, statt einer dualen Ausbildung. Es liegt aber auch daran, dass der Beruf der Rechtsanwalts- (und/oder) Notarfachangestellten leider nicht unter den TOP 10 der dualen Ausbildungsberufe gelistet ist.“

Um die Probleme bei der Rekrutierung zu beseitigen, ist es maßgeblich, sich die Frage zu stellen, was sich Rechtsanwaltsfachangestellte von ihrem Arbeitgeber wünschen. Oder anders herum gefragt: Was vermissen Rechtsanwaltsfachangestellte bei ihrem Arbeitgeber? „Diese Frage lässt sich nicht so einfach beantworten.“, meint Frau Tietje. Die schlechte Bezahlung sowie die fehlende Wertschätzung werden hier oft als Gründe für den Fachkräftemangel in der Rechtsbranche genannt.

Insbesondere das Gefühl, die Aufgaben des Rechtsanwaltsfachangestellten würden nicht als ebenso wichtig erachtet werden wie die eines Anwalts, lässt viele Fachangestellte Kanzleien den Rücken kehren. Frau Tietje betont, wie wichtig es ist, die Wertschätzung vielschichtig zum Ausdruck kommen zu lassen: „Kurz gesagt, das Gesamtpaket muss stimmen: Die Kommunikation im Team, das Kanzleiklima, also der Umgang miteinander, die Vergütung, die persönliche Entwicklungsmöglichkeit, das Aufgabengebiet und sicher noch ein paar andere Punkte.“

Die Digitalisierung als Bedrohung für die Fachangestellten?

Ein weiteres Problemfeld stellt die voranschreitende Digitalisierung dar. Allerdings unterstreicht Frau Tietje, dass die Digitalisierung keine Bedrohung für den Beruf des Fachangestellten sei. Sie bezeichnet es eher als ein Unterstützungsmedium, damit die Fachangestellten die anstehenden Aufgaben in der zur Verfügung stehenden Zeit möglichst ohne Druck und Stress bewältigen können.

Nichtsdestotrotz werden sich die Aufgaben des Rechtsanwaltsfachangestellten im Zuge der Digitalisierung verändern. „Die im Einsatz befindlichen Anwaltsprogramme werden immer komplexer und müssen durch den Anwender effektiv zum Einsatz kommen. Daneben gibt es mittlerweile zahlreiche weitere Programme, die ebenfalls in den Kanzleialltag integriert werden müssen. Hier sei beispielhaft das beA (besonderes elektronisches Anwaltspostfach) zu nennen.“, führt Frau Tietje aus. „Es wird keinen Stillstand geben, die Digitalisierung schreitet immer weiter voran und Kanzleien müssen mitschreiten, damit sie nicht abgehängt werden.“

 

Über die Autorinnen:

 

Ronja Tietje
Vorstandsmitglied des
ReNo-Bundesverbands

 

Veronika Gebertshammer
Diplom-Juristin