Karriere-Turbo LL.M. – Der Master of Laws im Überblick

von Jan-Rasmus Schultz, Diplom-Jurist und Promotionsstudent an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Ob Promotion, Master of Arts oder LL.M. – angehenden Juristen und Berufsanfängern stehen heutzutage vielfältige Angebote der individuellen Weiterbildung und Qualifizierung zur Verfügung, mit denen die Ein- und Aufstiegsmöglichkeiten in Kanzleien oder Unternehmen erhöht werden können. Der LL.M. erfreut sich durch seine Bedeutung als Karriere-Motor wachsender Beliebtheit.

Der folgende Beitrag bietet einen Überblick über Voraussetzungen, Ablauf und Chancen dieses Abschlusses.

Die Zulassung zum LL.M.-Studium

Für die Zulassung ist grundsätzlich ein Hochschulabschluss, entweder das erste juristische Staatsexamen, der Bachelor of Laws oder ein vergleichbarer juristischer Abschluss, erforderlich. Darüber hinaus müssen Bewerber eines englischsprachigen LL.M.-Studiengangs entsprechende Sprachkenntnisse nachweisen, wofür entweder auf allgemeine Sprachtests, etwa den sogenannten TOEFL-Test, oder auf im Rahmen des vorherigen Studiums absolvierte Sprachkurse verwiesen werden kann. Ferner fordern einige Universitäten zusätzliche Bewerbungsunterlagen, etwa ein ausführliches Motivationsschreiben, eine Weiterempfehlung durch Arbeitgeber oder Professoren sowie wissenschaftliche Arbeiten. Das Auswahlverfahren richtet sich in erster Linie nach den bisher erreichten Noten der Bewerber. Da die Nachfrage nach LL.M.-Studienplätzen in den vergangenen Jahren angestiegen ist, sind daher für eine erfolgreiche Bewerbung auch gute bis sehr gute Noten erforderlich. Interessierte Bewerber sollten sich somit frühzeitig über die an der jeweiligen Universität erforderlichen Zulassungsvoraussetzungen informieren.

Die Wahlmöglichkeiten

Aufgrund des nahezu unüberschaubaren Angebotes an LL.M.-Studiengängen in Deutschland und auf internationaler Ebene sind für die Bewerber neben den Zulassungsvoraussetzungen insbesondere auch die verschiedenen Fachrichtungen von Interesse. In einem ersten Schritt sollten sie daher prüfen, welches Gebiet in Frage kommt und wo dieses angeboten wird. Am meisten nachgefragt werden hierbei Studiengänge, die auf das internationale Privat- oder Wirtschaftsrecht zugeschnitten sind. Hoher Beliebtheit erfreuen sich zudem Angebote des Europäischen und Internationalen Rechts, des Steuerrechts oder des Gewerblichen Rechtsschutzes. Das Angebot wird durch Studiengänge abgerundet, die sowohl gängige Rechtsgebiete wie das des Arbeits- und Sozialrechts als auch Spezialgebiete wie das des Informationsrechts oder des Medienrechts umfassen.

Aufbau und Inhalt

Der Ablauf des anhand der individuellen Interessenlage ausgewählten LL.M.-Studiengangs variiert von Universität zu Universität und bietet ferner die Möglichkeit, das Studium berufsbegleitend abzuschließen. Wer sich für ein Studium neben dem Beruf entscheidet, kann dieses meist innerhalb von zwei Jahren absolvieren. Die Dauer des Präsenzstudiums beträgt hingegen regelmäßig lediglich ein Jahr. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, bestimmte LL.M.-Studiengänge via Fernstudium zu absolvieren. In diesem Fall kann der Großteil des Studiums bequem von Zuhause aus verrichtet werden. In gleichem Maße, wie Ablauf und Aufbau des Studiengangs von Universität zu Universität abweichen kann, unterliegt auch der Studienabschluss einigen Variationen: Während manche Universitäten als Abschlussprüfungen Klausuren und eine mündliche Prüfung vorsehen, fordern andere Universitäten das Anfertigen einer umfangreichen wissenschaftlichen Arbeit und deren mündliche Verteidigung. Abhängig von der persönlichen Eignung sollten Interessierte daher auch diesen Aspekt bereits bei ihrer Bewerbung berücksichtigen und ein dieser Eignung entsprechendes Angebot wählen.

Die Finanzierung

Nachdem der passende LL.M.-Studiengang ausgewählt und ein Überblick über Aufbau und Inhalt verschafft worden ist, stehen die Bewerber einer letzten Hürde gegenüber - der Finanzierung. Auch in diesem Punkt unterscheiden sich die verschiedenen Angebote teils erheblich: Während in Deutschland vergleichsweise günstige Studiengänge zu finden sind, müssen Bewerber, die einen ausländischen LL.M.-Abschluss erreichen wollen, meist tief in die Tasche greifen. Mehrere zehntausend Euro sind für einen LL.M.-Abschluss etwa in den USA keine Seltenheit. Allerdings stehen für die Finanzierung eines LL.M.-Studiums auch zahlreiche nationale und internationale Stipendiengeber zur Verfügung, die die jeweiligen Studienkosten vollständig oder wenigstens teilweise abdecken. Interessierte sollten daher bereits zum Zeitpunkt ihrer Bewerbung in Erfahrung bringen, welche Stipendien für sie geeignet und welche Annahmevoraussetzungen zu erfüllen sind. Denn eines zeigen die Erfahrungen der letzten Jahre: der LL.M. zahlt sich aus!

Im Vergleich zu denjenigen Berufsanfängern, die keinen LL.M.-Titel vorweisen können, zeichnen sich die Absolventen eines solchen Studienganges nämlich sowohl durch vertiefte und überdurchschnittliche Kenntnisse in dem dem LL.M.-Studium zugrundeliegenden Rechtsgebiet als auch durch das Sammeln erster internationaler Erfahrungen aus. Daher ist der LL.M. in den letzten Jahren zu einer der Promotion nahezu ebenbürtigen Zusatzqualifikation aufgestiegen, die den Zugang zu Großkanzleien und international tätigen Unternehmen erheblich erleichtert – ein Vorteil, der den finanziellen und zeitlichen Aufwand mehr als ausgleicht.

Quelle NJW 33/2017