An Werten wachsen

von Susanne Kleiner, freie PR-Beraterin, Texterin, Journalistin und Mediatorin, München

Immer mehr Rechtsanwälte setzen sich bewusst mit ihren Werten auseinander. Sie würdigen Bewährtes und hinterfragen, was bremst. So beleben sie ihre Unternehmenskultur und gewinnen Strahlkraft. Mandanten, Bewerber, Mitarbeiter und Journalisten spüren den Unterschied und honorieren das. Impulse für eine wertvolle Kanzleistrategie.

Den guten Ton treffen

Viele Kanzleien fixieren ihre Werte in Hochglanzbroschüren, barock gerahmt oder online. Weil ambitionierte Anwälte die Extrameile gehen, thronen diese Bekenntnisse reell und virtuell in deren heiligen Hallen. Zu Recht. Exzellenz, Innovation und Internationalität zeichnen genauso wie Effizienz, Professionalität und höchste Ansprüche eine 1A-Beratung aus.

Exzellenz neu definieren

Die Krux: Wer strategisch „nur“ auf Expertise setzt, beschneidet sich selbst. Dass etablierte Kanzleien sauber arbeiten und gute Arbeitgeber sind, steht außer Frage. Eine starke Kanzleikultur braucht mehr. Und sie kann viel mehr, nämlich: inspirieren, begeistern und bewegen. Was Menschen wirklich antreibt, geht über Geschäftliches hinaus. Hoch im Kurs stehen Vertrauen und Begeisterung. Auch Wertschätzung, Mitbestimmung und Teamgeist, eine gemeinsame Vision und Work-Life-Balance – oder im Sinne der Generationen Y und Z – das Work-Life-Blending. Es zählt das gute Gefühl, vollkommen gesehen, gehört und verstanden zu sein, - und die Gewissheit, in einem so effizienten wie sinnvollen Umfeld gut und gerne zu wirken und dazuzugehören. Den Kitt bilden Beziehungen, die tragen. Gepaart mit der Klarheit, ein bedeutender Teil eines noch bedeutenderen großen Ganzen zu sein. Magnetisch wirken Kanzleien also, wenn sie so authentisch wie verbindlich handeln, lebendig rüberkommen und stabil verwurzelt sind.

Wertvoll zusammenarbeiten

Werte sind per se abstrakt. Zum Beispiel: Jeder assoziiert, interpretiert oder deutet Mandantenservice, Sicherheit, Risikobereitschaft, Ergebnisverantwortung, Engagement, Wachstum der Organisation, offene Kommunikation, Kreativität, Respekt oder Mut anders. Und: Man kann Werte nicht verordnen. Nur wer freiwillig ein System anerkennt, das seinen Idealen gerecht wird, engagiert sich aufrecht. Deshalb ist es goldrichtig, über Werte zu sprechen. Nicht umsonst investieren kluge Entscheider in ihr Wertemanagement, initiieren einen Prozess und binden alle Mitarbeiter ein. Ihr Credo: Homogenität schwächt. Vielfalt stärkt. Sie nehmen sich Zeit, um zu verstehen, was jeden antreibt. So lichten sie das Geheimnis ihres Erfolgs. Wertebejahende Anwälte erkennen, wofür sie und ihr Team brennen. Sie hören zu: der Assistenz und den Fachangestellten genauso wie den Juristen. Und sie respektieren, dass jeder den Status quo anders wahrnimmt. Dabei interessieren sie sich aufrichtig für das Wie und die Ideen dahinter.

Kreativ und mutig voran

Vorwärtsorientierte Akteure zeichnen zusammen ihr Bild von der Kultur, die ihr volles Potenzial entfalten kann. Sie erkennen: Weniger ist mehr. Erlesene Schlüsselwerte wirksam zu aktivieren ist besser als Worthülsen zu horten, die mit der Zeit todsicher verblassen. Einsichten und Aktionen folgen. Eine Spielart: Effizienz verlangt schlanke Prozesse. Mandantennähe lebt von verständlichen Briefen. Tradition heißt: Generationen lernen voneinander. Und schon ist der Projektplan klar: Abläufe verbessern, Textbausteine kraftvoll und klar formulieren – und natürlich Verantwortliche und Termine fixieren. Oder es entsteht Raum für Dialog, etwa bei einem Kanzleidinner zum Ende jedes Halbjahres. Die Bühne gehört dem Nachwuchs. Themen für Impulsvorträge sind frei wählbar. Schlüsselmandanten sind dabei.

Werte gehören auf die Agenda

Werte sind eine Farce, wenn sie ihr Versprechen brechen. Und: Man kann nicht nicht kommunizieren wie der Kommunikationsforscher Paul Watzlawick sagt. Jedes Handeln spurt die Bahn. Das heißt: Unternehmen geben unweigerlich ein Bild von sich ab. Was negativ wirkt – gewollt oder ungewollt – kratzt jäh am Lack. Nicht umsonst richten sich starke Kanzleien sehr bewusst nach ihren Werten aus und handeln konsequent danach. Die Strategie geht auf: Gelebte Werte stabilisieren. Denn die Arbeitswelt gleicht einem Perpetuum mobile. Aus gutem Grund kultivieren agile Unternehmen ihre Ideale. Das heißt: Sie würdigen Wertvolles regelmäßig. Und sie thematisieren Fortschritte. Das können gute Arbeit, Nachwuchsförderung oder soziale Initiativen sein. Wache Kanzleien beleuchten überdies, warum anerkannte Werte bröckeln. Sie stellen sich ihren Blockaden und verabschieden verkantete Strukturen. Sie überwinden verfahrene Gewohnheiten und lassen fixe Denkmuster hinter sich. So achten sie auf das, was sie hebt. Und sie lösen das, was bremst.

Weil Einzigartigkeit not tut und gut tut

Jeder kann ein Wertebotschafter sein; unabhängig von Hierarchiestufen, Funktionen oder akademischen Würden. Wenn jeder das Leitbild mitträgt, pulsiert Engagement. Und die Präsenz einer Kanzlei strahlt kraftvoll aus. Dann greift Identität Raum und Begeisterung zieht Kreise. Das kommt intern und extern an. Und zwar richtig gut. Denn: Werte tragen. Und Werte heben. Wer sie kennt und lebt, ist stärker. Wer sie erlebt, geht mit. Weil es an der Zeit ist, die graue Masse hinter sich zu lassen.

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Quelle BECK Stellenmarkt 6/2016