Steuerfachangestellte(r) … ein Beruf mit Zukunft?

von Holger Bodmann

„Die Zukunft ist auch nicht mehr das, was sie mal war ...“, wusste schon die amerikanische Baseball-Legende Yogi Berra. Als er diesen Yogiism formulierte, hatte er ganz sicher nicht die Ausbildungssituation in einer Steuerkanzlei in Corona-Zeiten im Blick.

Die Aussage passt aber dennoch exakt zu dieser Situation. Gerade in den gegenwärtig in vielfacher Hinsicht unsicheren Zeiten ist eine kluge Berufswahl gefragt. Die gesamte Steuerberaterbranche befindet sich derzeit in einem andauernden Wandel ihres Geschäftsmodells weg von der Verarbeitung von Vergangenheitszahlen hin zu digitalen und zeitnahen Verarbeitung vielfältiger Informationen mit deutlich mehr Durchdringung der Geschäftsmodelle der Mandanten als dies in der Vergangenheit der Fall war.

Die Angst vorm Aussterben des Berufs im Sinne von „die künstliche Intelligenz übernimmt“ ist nur da berechtigt, wo Kanzleien den Transformationsprozess in die digitale Welt nicht mit Nachdruck gestalten. Da, wo eine solche Transformation stattgefunden hat und weiterhin stattfindet, bietet eine Ausbildung zum/zur Steuerfachangestellten hervorragende Entwicklungsmöglichkeiten.

An den klassischen Ausbildungsinhalten hat sich inhaltlich abgesehen von der zunehmenden Etablierung auch digitaler Lernwerkzeuge nichts geändert. Nach wie vor umfasst die Ausbildung die solide und umfassende Vermittlung eines breiten steuerrechtlichen und betriebswirtschaftlichen Grundwissens, dies organisiert im dualen Modell in der Arbeitsteilung zwischen Ausbildungsbetrieb und Berufsschule.

Was hinzukommt und massiv an Bedeutung gewonnen hat ist die Vermittlung von digitaler Kompetenz. Diese digitale Kompetenz bezieht sich nicht nur auf das Wissen über digitale Arbeitsweisen in der Kanzlei, sondern zunehmend auch auf Kenntnisse, um die Mandanten bei der Transformation ihrer Geschäftsmodelle in einer zunehmend digital organisierten Geschäftswelt zu unterstützen.

Dies erfordert eine Durchdringung der vielfältigen und zunehmenden digitalen ERP (Enterprise Resource Planning) Systeme, mit denen vielfältige Unternehmensanforderungen digital wirksam unterstützt werden – u.a. auch durch den Transfer von Daten vom Unternehmen zum Steuerberater und zurück – und dies ohne Medienbrüche, sondern in einer arbeitsteilig genutzten und cloudbasierten Arbeitsumgebung.

Dieser Ansatz eines direkten Zugriffs auf die Daten der Mandanten mit digitalem Datentransfer ist auch insofern von besonderer Bedeutung, als dass nur bei weiterem und vor allem zeitnahen Zugriff auf diese Daten betriebswirtschaftlich relevante Aussagen getroffen und darauf aufbauende und Beratungsempfehlungen gegeben werden können.

Zwischenfazit

Der Aufbau und Ausbau von digitaler Kompetenz ist in Steuerkanzleien eine zunehmend wichtige Basis für den weiteren Erfolg dieses Geschäftsmodells. Hierfür braucht es Menschen, die mit digitalen Strukturen und Arbeitsweisen vertraut sind … was in der „Generation Z“, die aktuell in die Ausbildungswelt einsteigen, ohne Wenn und Aber der Fall sein dürfte.

Aus diesem Zwischenfazit ergibt sich möglicherweise ein weiterer interessanter Aspekt, der für eine Ausbildung in einer Steuerkanzlei spricht. War es bislang so, dass die Altvorderen den Nachkommenden etwas beigebracht haben, ändert sich dies insbesondere im Hinblick auf die Steigerung der digitalen Kompetenz grundlegend. Denn hier sind es oft die Auszubildenden, die ältere und erfahrene Mitarbeiter im Bereich der digitalen Transformation unterstützen. Der lange Jahre geltende Grundsatz „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ erscheint so in einem anderen Licht.

Ein kurzer Einblick in die aktuelle Ausbildungssituation im beruflichen Umfeld des Autors:

Aufgrund eines hohen Digitalisierungsgrades schon lange vor Corona konnten wir unseren Geschäftsbetrieb mit Beginn der Pandemie nahezu vollständig auf einen „Home-Office-Modus“ umstellen. Im Interesse eines maximalen Gesundheitsschutzes aller Beteiligten gilt dies auch für unsere Auszubildenden, auch wenn die derzeit noch geltenden Empfehlungen der Steuerberaterkammern eine solche Möglichkeit nicht vorsehen. Dort können sie ihren mandantenspezifischen Ausbildungsinhalten im digitalen Kontakt mit ihren Ausbilderinnen und Ausbildern nachgehen und haben darüber hinaus die Möglichkeit, digitale Lernangebote zu nutzen. Die innerbetriebliche Kommunikation erfolgt nahezu vollständig über Zoom und über eine seit Jahren etablierte digitale Austauschplattform.

Zwischenfazit

Der Aufbau von digitaler Kompetenz als ein zunehmend wichtiger Ausbildungsinhalt für Steuerfachangestellte erfordert von Seiten der Ausbildungsbetriebe eine technische Ausstattung auf zeitgemäßem Niveau.

Insgesamt ändert sich das Berufsbild des/der Steuerfachangestellten aufgrund der beschriebenen Entwicklungen nachhaltig, was neben den tradierten Ausbildungsinhalten auch Auswirkungen auf die Erweiterung der Ausbildungsinhalte hat. Dadurch wird das Berufsbild zunehmend attraktiver unter der Prämisse, dass die jeweiligen Ausbildungsbetriebe diese digitalen Ausbildungsinhalte vermitteln können.

Zur Steigerung der Attraktivität wurde im Mai 2017 VALTAXA Verband der Angestellten in steuerberatenden Berufen in Deutschland e.V. (www.valtaxa.de) gegründet.

Die Verbandsgründung erfolgte mit dem Ziel, aktiv an der Fortentwicklung des Berufsstands zu arbeiten und so neben einem Nutzwert in der Gegenwart Lösungen für die Herausforderungen der Zukunft zu finden. Eine aktuelle Aktivität des Verbandes die Erstellung eines Azubi-Reports, der die Ausbildungssituation in der Steuerberatungsbranche umfassend analysiert und darstellt.

Der Autor wird dazu – wenn die Ergebnisse vorliegen – in diesem Medium berichten.

Fazit

Steuerfachangestellte(r) ist definitiv ein Beruf mit Zukunft und mit hervorragenden Entwicklungsmöglichkeiten … bis hin zur Erlangung der Qualifikation als Steuerberater(in).
Die Tätigkeiten sind attraktiv und herausfordernd, sofern die Ausbildungsbetriebe sich den Herausforderungen der digitalen Transformation stellen und diese aktiv gestalten.

Über den Autor:

Holger Bodmann
Steuerberater und Rechtsanwalt, Wirtschaftsmediator,
zertifizierter Eigenland-Berater und EFQM-Assessor,
Geschäftsführender Gesellschafter der HSP STEUER
Henniges, Schulz und Partner Steuerberatungsgesellschaft
in Hannover, Aufsichtsratsmitglied bei VALTXA