Die Steuerberaterprüfung – Möglichkeiten der Prüfungsvorbereitung

von Andreas Wellmann

Für die meisten Juristen und Dipl.-Kaufleute sowie für einen Teil der Steuerfachangestellten und Steuerfachwirte, die in einer Steuerberatungsgesellschaft/-kanzlei, in einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft oder in der Steuerabteilung eines Unternehmens arbeiten, ist es nach einigen Jahren Berufserfahrung eine Selbstverständlichkeit, die Steuerberaterprüfung „in Angriff zu nehmen“.

Und jeder, der sich schon einmal intensiv mit der Prüfung bzw. der Vorbereitung auf die Prüfung auseinandergesetzt hat, wird zustimmen, dass der Ausdruck „in Angriff nehmen“ in diesem Fall wirklich wörtlich zu nehmen ist. Der Schwierigkeitsgrad der Prüfung, die Anstrengungen der Vorbereitung und die Durchfallquoten sind gefürchtet und sogar schon außerhalb der Branche bekannt.

Die Steuerberaterprüfung

Die Steuerberaterprüfung gliedert sich in einen schriftlichen Teil – bestehend aus drei Aufsichtsarbeiten – und eine mündliche Prüfung (§ 37 Abs. 1 StBerG).

Die schriftliche Steuerberaterprüfung besteht aus drei in jeweils sechs Stunden zu bearbeitenden Klausuren. Inhalte sind:

  • Verfahrensrecht, Umsatzsteuer und Bewertungsrecht/Erbschaftsteuer (die sogenannte gemischte Klausur),
  • Ertragsteuern,
  • Buchführung und Bilanzierung.

Die schriftliche Prüfung wird in Form von zum Teil recht komplexen Sachverhalten gestellt. Die Sachverhalte sind überwiegend im Gutachtenstil zu bearbeiten.

Die Quote der vorzeitigen Abbrüche und die Durchfallquote bei dieser Prüfung sind sehr hoch, was in erster Linie durch die Fülle des Stoffes und die Länge der Klausuren begründet wird. Es werden maximal 100 Punkte pro Klausur vergeben, die Prüfungsteilnehmer sind jedoch sowohl aufgrund der Komplexität der Sachverhalte als auch aus Zeitgründen kaum in der Lage, diese auch zu erreichen, selbst wenn sie den gesamten Stoff beherrschen.

Beide Gründe spielen eine große Rolle für die Vorbereitung, die Stofffülle bedingt eine lange Vorbereitungszeit und die verlangte Klausurtechnik und die große Zeitnot bedingen ein ausgiebiges Klausurentraining für einen erfolgreichen Abschluss. Für alle Formen der Vorbereitung gilt jedoch, dass aufgrund der beschränkten Anwendung des materiellen Steuerrechts in der praktischen Tätigkeit eine ausgiebige theoretische Vorbereitung für das Steuerberaterexamen unerlässlich ist.

Die mündliche Prüfung findet dann im Winter/Frühjahr statt (je nach Bundesland), die Ergebnisse der schriftlichen Prüfung werden im Dezember oder Januar bekannt gegeben. Die mündliche Prüfung ist eine Gruppenprüfung, 5 Kandidaten und 6 Prüfer.

Jeder Prüfer hält eine Prüfungsrunde, vorher muss jeder Kandidat einen Vortrag zu einem Thema halten. Die 7 Noten (eine aus dem Vortrag und 6 aus den Prüfungsrunden) werden zur Note mündliche Prüfung gemittelt, die wiederum mit der schriftlichen Note zur Gesamtnote gemittelt wird. Die Gesamtnote muss mindestens 4,15 betragen, d. h., wenn man mit einer 3,0 in die mündliche Prüfung geht, reicht eine 5,3 mündlich. Hat man eine 4,5 als Vornote, muss man sich auf 3,8 mündlich verbessern.

Inhalt sind neben Steuerrecht und Bilanzierung auch Themen, die in der schriftlichen Prüfung nicht verlangt wurden, wie

  • BGB, Europarecht,
  • Wirtschaftsrecht, Insolvenzrecht,
  • Berufsrecht,
  • Betriebswirtschaftslehre und Volkswirtschaftslehre.

Die Fragen zu diesen Themen beschränken sich auf Basiswissen, sind aber zum Teil extrem breit gestreut. Der Prüfungsstil ist logischerweise ein anderer als in der schriftlichen Prüfung. Nach dem Vortrag werden die Kandidaten in sechs Fragerunden in Form kleiner Sachverhalte zu allen Themen befragt, d. h., neben dem reinen Fachwissen spielen in der mündlichen Prüfung rhetorische Fähigkeiten und grundsätzliches Problemlösungsverhalten gegenüber Mandanten eine sehr große Rolle.

Wer wird zur Steuerberaterprüfung zugelassen?

Zunächst benötigt man eine Ausbildung. Dies kann eine kaufmännische Ausbildung sein (Steuerfachangestellte, Bürokauffrau/-mann, welche, ist eigentlich egal) oder ein juristisches oder wirtschaftswissenschaftliches Studium (ein fakultätsübergreifendes Studium wie Wirtschaftsingenieur geht auch). Nach der Ausbildung oder dem Studium muss man einige Zeit für mindestens 16 Wochenstunden steuerlich arbeiten. „Steuerlich“ heißt: auf dem Gebiet der deutschen Steuern, wozu auch die Vorbereitung und Erstellung von Jahresabschlüssen (nach HGB oder Steuerrecht) und die Einrichtung und Kontrolle der Buchhaltung zählen. Wie lange man diese praktische Tätigkeit nun ausüben muss, ist abhängig von der Ausbildung.

  • Drei Jahre Berufserfahrung benötigen alle mit einem Studium mit einer Regelstudienzeit von weniger als acht Semestern (der übliche Bachelor).
  • Zwei Jahre Berufserfahrung benötigen alle mit einem Studium mit acht und mehr Semestern Regelstudienzeit.
    Sollte man einen Master haben, wird dieser mit dem vorher notwendigen Bachelor zusammengerechnet, d. h., man fällt unter die zwei Jahre notwendige Praxis. Und diese kann, Achtung, direkt nach Bachelorende erbracht werden. Dies bedeutet, schließt man einen Bachelor ab, arbeitet anschließend zwei Jahre und beendet einen Master, kann man direkt die Steuerberaterprüfung ablegen.
  • Zehn Jahre Berufserfahrung benötigen alle mit einer kaufmännischen Ausbildung.
  • Sieben Jahre Berufserfahrung benötigen alle mit einer kaufmännischen Ausbildung mit einem zusätzlichen erfolgreichen Abschluss zum Steuerfachwirt oder Bilanzbuchhalter.
    Hier gilt dasselbe wie beim Bachelor und Master oben, die sieben Jahre zählen ab dem Ende der Erstausbildung, d. h., der kaufmännischen Ausbildung.

Diese Zeiten müssen bis zum ersten Tag der angestrebten schriftlichen Prüfung erreicht sein und müssen auch nicht am Stück erbracht werden, man muss nur in der Summe auf diese zwei, drei, sieben oder zehn Jahre kommen. So, sollten diese Kriterien auf Sie zutreffen, nichts wie ran, ein bis zwei Jahre lernen und man ist Steuerberater/in.

Vorbereitungsalternativen

Die Prüfung ist zwar letztendlich eine staatliche Prüfung (die Finanzministerien der Bundesländer erstellen diese gemeinsam und bestimmen die Prüfungsausschüsse), eine Vorbereitung auf die Prüfung gibt es aber staatlicherseits nicht. Es gibt zwar einige Masterstudiengängen mit steuerrechtlichem Schwerpunkt, die wenigsten dieser Studiengänge bereiten aber auch auf die Steuerberaterprüfung vor. Daher ist es den meisten Kandidaten selber überlassen, sich vorzubereiten.

Und die überwiegende Zahl der Kandidaten nimmt hierzu Hilfe von privaten Bildungsanbietern in Anspruch, da eine erfolgreiche Vorbereitung neben der Berufstätigkeit aufgrund der Stofffülle, der Komplexität der Themen und, am wichtigsten, der verlangten Klausurtechnik, kaum zu schaffen ist. In der Praxis haben sich verschiedene Alternativen, entsprechend den unterschiedlichen Bedürfnissen der Kandidaten, entwickelt.

Berufsbegleitende Vorbereitung

Berufsbegleitende Präsenzkurse beginnen 12 – 18 Monate vor der schriftlichen Prüfung. Die Teilnehmer besuchen wöchentlich einen Präsenzkurs, erhalten dort Skripten und Übungsfälle und müssen von Beginn an den vermittelten Lehrstoff regelmäßig nacharbeiten.

In den ersten Monaten der Vorbereitung steht aufgrund der durch die praktische Tätigkeit eingeschränkten Betätigungsfelder die Nacharbeit, Wiederholung und Vertiefung des Unterrichtsstoffes im Vordergrund. Nach einigen Monaten beginnt das Klausurentraining, welches i. d. R. in einen längeren Klausurenkurs im August / September vor der Prüfung mündet. Es sollten mindestens 25 – 30 sechsstündige Klausuren geschrieben, nachbesprochen und nachgearbeitet werden.

Fernkursvorbereitung / Literaturstudium

Eine Alternative ist ein Fern- oder Literaturstudium mit zusätzlichem Klausurenfernkurs in der zweiten Vorbereitungshälfte. Ein reines Literaturstudium hat aufgrund der redaktionellen Beschränkungen den Nachteil, dass die zur Verfügung stehende Literatur nicht unbedingt auf dem für die Prüfung notwendigen Rechtsstand ist. Zudem muss der Autodidakt selber selektieren, welcher Sachgebietsstoff für das Steuerberaterexamen relevant sein könnte und dementsprechend die notwendige Fachliteratur für das eigenständige Lernen erwerben.

Aufgrund des Umfangs und der Komplexität der Prüfung ein großer Nachteil, da dies zumeist noch neben dem Job, der einen 40 – 50 Stunden die Woche beansprucht, erledigt werden muss.

Ein Fernkurs hat den Vorteil, dass die Unterlagen speziell für die Prüfungsvorbereitung aufbereitet werden und den prüfungsrelevanten Stoff beinhalten und zudem den für die Prüfung notwendigen Rechtsstand haben. Ein weiterer Vorteil ist, dass einzelne Lehrbriefe in regelmäßigen Abständen zugesendet werden und es hierdurch einen gewissen disziplinierenden, anleitenden Effekt gibt.

In einem abschließenden Klausurenfernkurs erhalten die Teilnehmer wöchentlich Klausuren, haben einige Tage Zeit diese zu lösen und zur Korrektur einzusenden. Zudem erhalten sie neben der individuellen Korrektur der Klausur auch ausführliche Lösungshinweise, die zusammen mit den gesetzlichen Grundlagen das detaillierte Nacharbeiten der Klausuren ermöglichen.

Eine reine Fernkursvorbereitung ist aufgrund des Schwierigkeitsgrads der Prüfung nur für Finanzbeamte zu empfehlen, da diese vorher über einige Jahre eine sehr fundierte steuerliche Ausbildung genossen haben.

Vollzeitvorbereitung

Die traditionelle Form der Vorbereitung auf die Steuerberaterprüfung ist die Vollzeitvorbereitung, bei der sich die Teilnehmer, wie der Name schon sagt, in Vollzeit auf die Prüfung vorbereiten.

Im Mittelpunkt steht ein Hauptkurs, der zwischen 8 und 15 Wochen andauert und im Mai oder Juni beginnt. In diesem Fall besuchen die Prüfungskandidaten fünf bzw. sechs Tage die Woche einen Präsenzkurs und beginnen nach drei bis vier Wochen die ersten Übungsklausuren zu schreiben.

Um die optimale Effizienz dieser Vorbereitungsform zu gewährleisten, ist eine tägliche Nacharbeit des vermittelten Lernstoffes unabdingbar. Viele dieser Vollzeitkurse finden in kleineren Orten, abseits jeglicher Ablenkungen, statt. Wichtig bei der Vollzeitausbildung ist eine intensive Vorbereitung auf den Kurs. In der Regel wird der oben beschriebene Fernkurs vorgeschaltet.

Abgeschlossen wird die Vollzeitvorbereitung wie die berufsbegleitende Vorbereitung mit einem Klausurenkurs.

Kombinierte Formen

Ein neueres Vorbereitungskonzept ist die Mischung aus Vollzeit- und berufsbegleitender Vorbereitung. Bei diesen Vorbereitungskursen findet der Unterricht in einigen Vollzeitblöcken statt (i. d. R. vier Wochen über 12 – 15 Monate verteilt) und an jedem zweiten Samstag berufsbegleitend. Dies vermeidet bei starker beruflicher Belastung den Stress über 12 – 16 Monate hinweg jeden Samstag einen Präsenzkurs zu besuchen und den Stoff nacharbeiten zu müssen. Abgeschlossen wird auch diese Vorbereitungsform mit intensivem Klausurentraining.

Die optimale Vorbereitungsart – welche Alternative ist für mich die beste?

Aus diesen grundsätzlichen Vorbereitungsarten die persönlich Beste zu wählen, geht man im Idealfall strategisch an. Es spielen folgende Faktoren eine Rolle:

  • die finanziellen Möglichkeiten,
  • der Wohnort,
  • die private Situation,
  • die berufliche Situation,
  • der eigene Lerntyp.

Entscheidend sind m. E. die Faktoren Lerntyp und private und berufliche Situation.

Im Idealfall wird die Vorbereitung ausschließlich an den eigenen Erfordernissen, die ungeheure Stofffülle zu erlernen und anschließend auch in Klausurlösungen umzusetzen, gewählt. Eingeschränkt wird die Wahl jedoch durch die Faktoren finanzielle Möglichkeiten und Wohnort.

Verfügt man für die ideale Vorbereitung über die entsprechenden finanziellen Mittel? Gibt es überhaupt den gewünschten Vorbereitungskurs in der Nähe zum eigenen Wohnort?

Wir werden uns in einem zweiten Teil dieses Aufsatzes im nächsten Karriere-Special Steuern mit den oben genannten Kriterien und der Auswahl dann näher beschäftigen.

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Über den Autor:

Andreas Wellmann
Geschäftsführer der Steuerlehrgänge Dr. Bannas GmbH, Köln

Quelle DStR 42/2018