Verständlich schreiben und positiv in Erinnerung bleiben

von Susanne Kleiner

Rechtsanwälte verfassen nicht nur Schriftsätze für Berufskollegen. In Briefen, Vorträgen, Broschüren oder auf der Kanzlei-Webseite sprechen sie auch Nicht-Juristen an. Hinzu kommt, dass medienaffine Kanzleien sich in den sozialen Netzwerken tummeln.

Versierte Schreiber drücken sich verständlich aus und verstehen, was ihre Adressaten bewegt. Und sie begeistern, weil sie Inhalte lebendig schildern und Kompliziertes leicht erklären. Tipps und Tricks für eine Sprache, die Türen öffnet.

Nutzen Sie die Macht der Sprache

Sprache macht Stimmung und beeinflusst Beziehungen. Das heißt: Texte geben der Kanzleipersönlichkeit online und offline Kontur.

Gute Texte verschaffen Wettbewerbsvorteile. Sie laden die Dienstleistung ‚Rechtsberatung‘ positiv auf und erzeugen Nähe. Schlechte Texte hingegen laufen ins Leere und vermindern die Strahlkraft. Ganz gleich, ob Anwälte sich in Hochglanzbroschüren präsentieren oder sich online an Mandanten  wenden: Vertrauen erzeugt, wer so lebendig wie verständlich kommuniziert und sein Gegenüber wirklich erreicht. Botschaften kommen dann an, wenn sie auf den Punkt formuliert sind. Und Kanzleien punkten, wenn die Tonalität ihrer Aussagen über alle Kanäle harmoniert.

Das ist richtungsweisend. Denn das Gehirn entlarvt Widersprüche gnadenlos. Im Gedächtnis bleibt das zuerst und zuletzt Erlebte am deutlichsten haften. Das geschieht oft unbewusst. Verheerend also, wenn schlechte Mandantenkorrespondenz den Glanz aufwändig inszenierter Werbebotschaften eintrübt. Der erste, teuer bezahlte Eindruck bricht dann binnen weniger Sekunden weg.

Formulieren Sie einfach, klar, eindeutig und verständlich

Gute Texter gebrauchen starke Verben, um zu informieren, zu unterhalten und um ihre Leser zu überraschen. Sie vermeiden den sperrigen Nominalstil. Statt: „Die Optimierung unserer Teamkultur beschäftigt uns“, sagen sie besser: „Wir verbessern unsere Teamkultur.“ Dabei gilt: aktiv statt passiv.

Starke Texte leben davon, dass sie Ross und Reiter nennen. So gewinnen Aussagen Kraft. Passivsätze hingegen schaffen Distanz. Hinzu kommt: Persönlichkeiten kommen auf den Punkt und beziehen klar Position. Etwa so: Wer „sich für Mandanten stark macht, weil gute Gründe dafür sprechen“, bekennt sich persönlich und kommt besser an als derjenige, der sagt: „Hier müsste etwas getan werden.“

Kontur beweist, wer sich von Floskeln, Belanglosem und Binsen verabschiedet. Auch Fachtermini und Juristendeutsch werfen Fragen auf. Sind die Begriffe unverzichtbar und unbedingt zu nennen, erklären wache Kommunikatoren, was sich dahinter verbirgt.

Warum kompliziert, wenn es auch einfach geht?

Machen Sie aus einem Satz lieber zwei. Bandwurmsätze sind tabu. Autoren, die auf eine einfache Sprache setzen, arbeiten mit Doppelpunkten. Ihr Credo: ein Gedanke pro Satz. Sie punkten mit Hauptaussagen in Hauptsätzen und verzichten auf „dass“-Sätze. Statt: „Wenn wir die Entwicklung unserer Associates fördern, wird es uns gelingen, dass sich mehr Talente bei uns bewerben.“ Besser: „Wir investieren in unseren Berufsnachwuchs. Das Ergebnis: Mehr junge Talente bewerben sich bei uns.“

Vergangenheit, Futur, Konditional, Konjunktiv und Passiv schwächen. Statt: „Unsere Mandanten werden kontaktiert, weil ein Seminar in unseren neuen Büros stattfinden wird. Wir würden künftig gerne Geschäftsbeziehungen stärker beleben.“ Besser: „Wir heißen unsere Mandanten in unseren neuen Räumen willkommen. Gute Beziehungen sind uns wichtig.“ Auch Konjunktiv wie: „Wir würden gerne. Wir hätten sowieso...“ und Wenn-Dann-Sätze verwässern Botschaften.

Laden Sie Ihre Leser ein

Die richtigen Worte vermitteln gute Stimmung und Optimismus. Wer positiv formuliert, erzeugt Wohlbehagen. Verneinungen hingegen kommen sperrig daher. „Wir setzen uns für Nachwuchsförderung ein“ schwingt wohlwollender als: „Wir tun etwas gegen unzureichende Personalentwicklung.“

Zugewandte Texte vermitteln, dass der Verfasser sich dem Gegenüber innerlich öffnet. Und sie wirken dank positiver Begriffe. In der Alltagssprache dominiert oft negatives Denken. Deshalb ist es so wichtig, wachsam zu sein und positiv zu schreiben.

Markante Autoren sind sich dessen bewusst und feilen so lange, bis ihre Werke kraftvoll rüberkommen und Leser begeistern. Entscheidend ist: Positiv zu formulieren bedeutet keineswegs, Schönfärberei zu betreiben. Wirklich Schlechtes ist auch negativ darzustellen.

Schreiben Sie so wie Sie sprechen

Geschätzte Texter stellen sich vor ihrem inneren Auge vor, einem Zuhörer oder Leser gegenüberzusitzen, bestenfalls einem Traum- oder Lieblingsmandanten. Sie versetzen sich in die Gesprächssituation hinein und finden aus dem Bauch heraus die richtigen Worte. Profis schreiben wie sie sprechen, und zwar wie bei einem entspannten Restaurantbesuch – nicht wie vor Gericht.

Sie wirken deshalb kompetent, weil ihre Inhalte leicht verdaulich sind. Verständlichkeit fördert Vertrauen und schafft Nähe. Vorlesen hilft: Wer seine Texte laut ausspricht, nimmt den Sprachrhythmus wahr und spürt, ob auch Leser und Zuhörer leicht und beschwingt mitgehen.

Ihre klare Sprache stärkt Ihre Marke

Es ist ihre Sprache, die Kanzleien als Dialogpartner oder unnahbare Festungen identifiziert. Gewinner bauen Brücken und bleiben in Wort und Schrift ihrer Persönlichkeit treu.

Über die Autorin:

Susanne Kleiner
Autorin, Kommunikationsexpertin,
Trainerin (dvct) und Coach (dvct)

www.susanne-kleiner.de

www.trainings-workshops-seminare.de

Quelle BECK Stellenmarkt 11/2019