Vertrauen visualisieren und Stärken transportieren

Wolfgang Zwanzger, Fotograf in Maisach bei München, im Gespräch mit Susanne Kleiner, freie PR-Beraterin, Texterin, Journalistin und Mediatorin, München

Wolfgang Zwanzger lichtet Rechtsanwälte, Kanzleiteams, Büros und Immobilien ab. Im Interview erklärt der Businessfotograf den Wert professioneller Bilder und verrät, wie starke Motive entstehen.

Wann kommen Kanzleien auf Sie zu?

Kanzleien kontaktieren mich in der Regel, wenn sie Imagefotografien für Flyer und Internetauftritte brauchen oder Pressefotos beauftragen. Viele kommunizieren gezielt im Netz und setzen eigene Fotografien in ihrer Social-Media-Kommunikation ein. Wichtig dabei ist, dass die Fotografien die Zielgruppen erreichen. Und es ist zentral, Mandanten emotional und inhaltlich dort abzuholen, wo sie stehen. Diese Perspektiven bringe ich als Fotograf in das Projekt ein.

Welche Kriterien gelten für aussagekräftige und gute Fotos?

Ein Foto ist immer dann gut, wenn der Auftraggeber darin seine Persönlichkeit und die Kernkompetenzen der Kanzlei wiederfindet – und wenn diese Qualitäten für Dritte erkennbar und nachvollziehbar sind.

Gute Fotografien bilden nicht nur eine Person oder einen Gegenstand ab. Gute Bilder transportieren Inhalt. Wer rechtlichen Beistand im Immobilienrecht sucht, tickt anders als Mandanten, die IT-Recht brauchen. Rechtsgebietstypische Bildelemente erleichtern die Orientierung.

Anderes Beispiel: Nehmen wir ein klassisches Gruppenfoto. Im besten Fall wirkt das Team sympathisch und freundlich. Ein Imagefoto mit Menschen, die engagiert an einem Fall arbeiten und diskutieren, unterstreicht: Hier sind Experten aktiv, die mein Problem lösen. Anwälte auf ihre Funktion als juristische Ratgeber zu reduzieren, greift also zu kurz. Gute Juristen sind Problemlöser. Menschen wenden sich an Berater, die sich mit Herz und Verstand für ihre Interessen einsetzen. Meine Aufgabe ist es, genau diese Qualität, dieses Gefühl, zu visualisieren. Es geht um Kompetenz, Seriosität und Vertrauen.

Wie erleben Sie die Arbeit mit und für Juristen?

Juristen sind sehr genau und absolut zuverlässig. Sie haben klare Ziele und vertreten selbstbewusst ihre Meinungen. Das erleichtert meine Arbeit, denn ich kann strukturiert und zielorientiert vorgehen. Unter den Berufsträgern gibt es sehr starke, aber auch unterschiedliche Persönlichkeiten. Übrigens erfüllen die meisten keineswegs das Klischee des ernsten, unnahbaren Anwalts. Ich hatte schon sehr viel Spaß mit meinen Kunden.

Welche Projekte haben Ihnen besonders Spaß gemacht?

Letztes Jahr habe ich Imagefotos für den Internetauftritt einer Patentanwaltskanzlei gemacht. Eine Projektleiterin des Kunden hat die Umsetzung sehr professionell mit mir abgestimmt. Zunächst war meine Beratung für die visuelle Darstellung gefragt. Dann haben wir die Details für das Shooting geplant: Locations, Termine, Dienstleister wie Assistenten und Visagisten. Es zeigt sich immer wieder: Mit einer sorgfältigen Planung läuft die Realisierung sehr effizient und erfolgsorientiert.

Wie bereiten Sie sich auf ein Shooting vor?

Das hängt vom Auftrag ab. Meistens schaue ich mir vorher die Location an. Selbstverständlich muss auch das Equipment passen. Grundsätzlich habe ich alle wesentlichen Komponenten in doppelter Ausfertigung dabei. So bin ich für mögliche Ausfälle gewappnet.

Auch die Recherche über den Kunden ist elementar. Im persönlichen Gespräch oder online mache ich mir mein Bild. In welchen Rechtsgebieten ist die Kanzlei aktiv? Welche Mandanten vertrauen den Anwälten? Mandantenstimmen auf der bisherigen Website oder in Broschüren, Berichterstattungen der Presse oder Fachartikel in Publikumsmedien liefern aufschlussreiche Erkenntnisse.

Wie gelingt es Ihnen, das Eis zum Schmelzen zu bringen?

Das ist einer der wichtigsten Punkte. Möchte jemand nicht fotografiert werden, wird das Bild nicht gut. Kommunikation und Empathie sind hier die Schlüsselworte. Fühlen sich Menschen von mir verstanden, sind sie bereit, sich zu öffnen. Ist der Anwalt der Auftraggeber selbst, gelingt das in der Regel sehr gut. Bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist oft mehr Einfühlungsvermögen gefragt. Auch kommt es vor, dass Menschen mit ihrem Äußeren nicht zufrieden und kamerascheu sind. Das ist aus meiner Sicht oft unbegründet. Das Eis bringe ich zum Schmelzen, wenn es mir gelingt, deutlich zu machen, welchen unverzichtbaren Beitrag die Mitarbeiter für das Unternehmen leisten und wenn ich vermittle, wie wertvoll sie als Mensch sind. Jeder Mensch ist besonders, auch vor der Kamera.

Welche Entwicklungen nehmen Sie im Laufe Ihrer Berufsjahre wahr?

In manchen Branchen sind Kunden geneigt, ihre Bilder selbst zu fotografieren, um Kosten zu sparen. Anwälte stehen für hochwertige Leistungen, sind entsprechend anspruchsvoll und investieren aus Überzeugung in einen unverwechselbaren, professionellen Auftritt am Markt.

Für Kanzleien ist es mehrheitlich selbstverständlich, mit Profis für die visuelle Umsetzung imagebezogener Inhalte zusammenzuarbeiten. Sie wissen, wie wertvoll es ist, professionell rüberzukommen. Sehen Sie, das ist wie beim Kochen: Besitze ich einen Topf für mehrere hundert Euro, brennt mir vielleicht nichts mehr an. Deshalb kann ich noch lange kein Fünf-Sterne-Menü kochen.

Vielen Dank für das Gespräch.

www.wolfgangzwanzger.de

www.susanne-kleiner.de

www.trainings-workshops-seminare.de

Quelle BECK Stellenmarkt 19/2018