„Organisiertes“ Stressmanagement – wie man als Arbeitgeber ein nachhaltig gesundes Arbeitsumfeld fördern kann

von Diane Manz

Die Auswirkungen von Stress bei Mitarbeitenden haben für Unternehmen bzw. Kanzleien oft sehr unangenehme Folgen. Stressbedingte Gesundheitsbeeinträchtigungen können zu hohen Ausfallzeiten führen: Stressbedingte Leistungseinbußen wie z.B. Unkonzentriertheit, Vergesslichkeit und Schwerfälligkeit in Entscheidungsprozessen sowie eine daraus resultierende, steigende Fehlerquote haben oft eine sinkende Produktivität zur Folge. Ein überforderungsbedingter Tunnelblick erstickt Kreativität und Innovation im Keim. Und nicht zuletzt möchte niemand bei einem Arbeitgeber unterschreiben, der seine Mitarbeitenden ausbrennen lässt.

Mehr als zu viel Arbeit

Definiert man Stress als den Moment, in dem man sich den Anforderungen, mit denen man konfrontiert ist, nicht mehr gewachsen fühlt und nicht auf hilfreiche innere oder äußere Ressourcen zurückgreifen kann, dann wird schnell offensichtlich, dass es um mehr geht, als nur um zu viel Arbeit. Alles kann Stress verursachen: Schlechte Führung, unzureichende Einbindung, unklare Ziele und Perspektiven, unreflektierter Leistungsdruck, und klar, auch ineffiziente Meetings oder eine nicht-funktionierende Technik. Das volle Ausmaß an stressbedingten „Schäden“ am Unternehmenserfolg wird erst sichtbar, wenn Maßnahmen zur Stressbewältigung und Gesundheitsförderung implementiert sind und zu greifen beginnen. Erst dann impliziert z.B. eine Senkung der Fluktuation, dass früher wertvolle Mitarbeitende deshalb das Unternehmen oder die Kanzlei verlassen haben. Erst dann zeigt sich z.B. durch eine Reduzierung der durchschnittlichen Krankheitstage, dass das frühere Arbeitsumfeld im wahrsten Sinne des Wortes ungesund war. Erst dann zeigt sich u.U., dass es kein Fehler der Anwältinnen war, dass der Frauenanteil in der Partnerschaft früher so niedrig ausgefallen ist.

Mehr als Entspannung Massage im Büro

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Es liegt auf der Hand, dass es im Umgang mit diesen Stressfaktoren um sehr viel mehr als nur um Entspannung und Massage im Büro geht. Wie kann man also hier von Seiten der Organisation unterstützen, das Arbeitsumfeld so zu gestalten, dass die Mitarbeitenden gesund und leistungsfähig bleiben, Freude an ihrer Arbeit haben und ihr volles Potential entfalten können? Um hier positiv zu wirken, kann man an vielen Stellen ansetzen, je nachdem, wo der größte Veränderungsbedarf besteht. Ich möchte nun auf die Punkte eingehen, die aus meiner Sicht substanziell sind, wenn man als Unternehmen bzw. Kanzlei „von oben“ ein gesundes Arbeitsumfeld fördern will:

1. Machen Sie Gesundheit und Wohlbefinden zum Gespräch
Probleme mit der psychischen Gesundheit sind im juristischen Umfeld noch regelrecht stigmatisiert - wer gestresst ist, ist schwach oder unmotiviert. Dabei sind es z.B. besonders die eher überengagierten Mitarbeitenden, die ein hohes Burnout-Risiko haben. Umso wichtiger ist es, Überforderung und Unwohlsein frühzeitig zu thematisieren. Verankern Sie die diese Haltung offiziell in Ihrer Firmenkultur und leben Sie sie vor. Sensibilisieren Sie durch aufklärende Informationen, adäquate Rollenvorbilder und der Bitte um Rückmeldung zu möglichen Stressfaktoren. Motivieren Sie, darüber zu sprechen - mit KollegInnen, mit Vorgesetzten oder mit der Geschäftsleitung. Schaffen Sie die Basis für einen angstfreien Raum, in dem es in Ordnung ist, über Gefühle zu sprechen. Und ziehen Sie Konsequenzen, wenn Mitarbeitende dieser Kultur nicht folgen wollen.

2. Stärken Sie die Stresskompetenzen Ihrer Mitarbeitenden
Ob es nun ein kompaktes Training zum Umgang mit Stress ist oder einzelne Module wie Zeitmanagement, Mentaltraining und Entspannungstechniken, jede zusätzliche Kompetenz, die Ihre Mitarbeitenden erwerben können, fördert einen gesunden Umgang mit Herausforderungen jeglicher Art. Je nach Situation kann hier auch Coaching gezielt unterstützen.

3. Schulen Sie Ihre Führungskräfte
Kein Projekt zu personalbezogenen Themen ist erfolgreich, wenn die Führungskräfte sich nicht dafür verantwortlich fühlen und es dementsprechend nicht leben. Das Unternehmen bzw. die Kanzlei als Ganzes hat nur begrenzt Einfluss auf das Band zwischen Führungskraft und Mitarbeitendem. Entsprechende Schulungen bilden eine solide Basis für ein gesundes Arbeitsumfeld. Mögliche Themen sind hier eigener Aufbau von Stresskompetenzen, Ressourcenorientierung, Kommunikation & Feedback, unbewusste Vorurteile, Konfliktmanagement und Umgang mit Betroffenen.

4. Bieten Sie Hilfe für betroffene Mitarbeitende
Gut ausgebildete Führungskräfte erkennen Signale wie auffällige Leistungseinbußen, hohe Ausfallzeiten oder verändertes Sozialverhalten früh, sprechen diese direkt an und suchen gemeinsam mit den Betroffenen nach Lösungen. Unter Umständen kann bereits dadurch Schlimmeres vermieden werden. Sollte es dennoch zu längeren Ausfällen kommen, hilft ein professionelles Wiedereingliederungsmanagement, die Rückkehr zu erleichtern.

Auf je mehr dieser Ebenen Sie ansetzen umso höher die Erfolgsaussichten. Natürlich funktioniert das alles nicht über Nacht. Ein ernstgemeinter und zielgerichteter Umgang mit dem Thema sowie eine offene und vorurteilsfreie Haltung sind hier allerdings bereits die halbe Miete.

 

Über die Autorin:

Diane Manz
Dipl.-Psychologin und systemischer Business Coach