Juristen von Morgen studieren das chinesische Recht

von Stephan Benz, Madeleine Martinek und Sandra Michelle Röseler

Die Volksrepublik China ist zur Weltmacht aufgestiegen und als Wirtschaftsmacht allgegenwärtig, man denke nur an die Belt and Road Initiative, die die wirtschaftlichen und politischen Abhängigkeiten gegenüber China offenbart. Auch der innerchinesische Markt mit seiner Innovationskraft und Dynamik zieht nach wie vor deutsche Investoren an. Dynamisch ist auch das chinesische Recht: Das Gesetz für ausländische Investitionen (2020), das Corporate Social Credit System oder das neue chinesische Zivilgesetzbuch (2021) sind nur wenige Beispiele für Chinas rasante Rechtsentwicklung. Zugleich wächst der Bedarf an Juristen, die sowohl mit der deutschen als auch der chinesischen Rechtsordnung vertraut sind und über Sprachkenntnisse sowie das nötige kulturelle Fingerspitzengefühl verfügen.

Hieran knüpft das Masterprogramm des Deutsch-Chinesischen Instituts für Rechtswissenschaft an und vermittelt mit dem LL.M.-Programm „Chinesisches Recht und Rechtsvergleichung“ gezielt diese Kompetenzen.

Sinojuristisches Know-How erwerben

Der Studiengang „Chinesisches Recht und Rechtsvergleichung“ ist ein Double Degree Program, dessen Absolventen nach erfolgreichem Studienabschluss einen LL.M.- oder M.A.-Abschluss der Universität Göttingen und zusätzlich einen LL.M.-Grad der Universität Nanjing verliehen wird.

Als konsekutiver Studiengang richtet sich das Masterprogramm an qualifizierte Absolventen der Rechtswissenschaft oder der Sinologie. Je nach Vorstudium ist hierbei für eine erfolgreiche Bewerbung der Nachweis von sprachlichen oder juristischen Kernkompetenzen erforderlich.

Das Studium im Doppelmasterstudiengang vermittelt seinen Studierenden interkulturelle sowie fachwissenschaftliche Kompetenzen im Bereich des chinesischen Rechts und der Rechtsvergleichung mit dem Ziel, die Absolventen für den deutsch-chinesischen und internationalen Arbeitsmarkt zu qualifizieren. Das LL.M.-Studium beginnt mit einem Vorbereitungssemester an der Universität Göttingen. Die Studierenden sammeln erste Kenntnisse zum chinesischen Recht, vertiefen ihre Sprachfähigkeiten, befassen sich mit der Rechtsvergleichungsmethodik und besuchen Vorlesungen mit rechtlichem, wirtschaftlichem oder kulturellem China-Bezug. Für das zweite und dritte Semester erhalten die Studierenden die einzigartige Gelegenheit, an einer der ältesten und ehrwürdigsten Universitäten Chinas zu studieren. Vorlesungen in deutscher Sprache vermitteln den Studierenden in einem optimalen Lernklima fundierte Kenntnisse im chinesischen Zivil- und öffentlichen Recht. Zugleich können die Studierenden ihre Sprachkenntnisse durch den Besuch der universitätseigenen Sprachschule weiter festigen. Mehrtägige Seminare zur Rechtsvergleichung fördern den wissenschaftlichen Austausch zwischen chinesischen und deutschen Studierenden. Im Anschluss an den Auslandsaufenthalt widmet sich das abschließende Fachsemester der Anfertigung der Masterarbeit.

Berufsperspektiven für Sinojuristen

Der Doppelmaster lässt sich hervorragend mit einer Promotion zu einer china-rechtlichen Thematik verbinden. Aber auch ohne Anschlusspromotion stehen einem mit dem Doppelmaster „Chinesisches Recht und Rechtsvergleichung“ für den Berufseinstieg viele Türen offen: Kanzleien sowie Unternehmen in Deutschland richten ihre Tätigkeit durch die Einrichtung von China Desks und Streitbeilegungsteams gezielt auf chinesische Mandanten aus. Auch in China selbst haben zahlreiche deutsche Kanzleien und Unternehmen einen erheblichen Bedarf an Juristen mit Fachkompetenzen im chinesischen Recht. Gleichermaßen setzen Ministerien, deutsche diplomatische Auslandsvertretungen, sowie Auslandshandelskammern in China verstärkt auf Juristen mit fundierten Kenntnissen zum politischen, wirtschaftlichen und rechtlichen System Chinas. Nicht zuletzt eröffnen Wissenschaft und Lehre reichhaltige Möglichkeiten, den wichtigen chinesisch-deutschen Rechtsaustausch als Beruf und Berufung zu begleiten.

 

Über die Autoren:

Stephan Benz
LL.M., LL.M. oec. (Nanjing)

Madeleine Martinek
LL.M., LL.M. oec. (Nanjing)

Sandra Michelle Rösele