Anwalt aus Leidenschaft (1/2)

Interview mit Dominik Herzog

In unserer neuen Rubrik „BECK Talks“ sprechen wir mit Juristinnen und Juristen, die uns auf die ein oder andere Weise besonders beeindruckt haben.

Heute sprechen wir mit Rechtsanwalt Dominik Herzog, der seine berufliche Laufbahn nach der Promotion in der Rechtsabteilung der ProSiebenSat.1 Media SE begonnen hat. Heute hat er seine eigene, wirtschaftsrechtlich ausgerichtete Sozietät, mit der er schwerpunktmäßig digitale Unternehmer und Unternehmen berät. Neben seiner Anwaltstätigkeit ist er als Kabarettist aktiv, zudem ist er regelmäßig als Rechtsexperte im TV zu sehen und coacht Juristen und Führungskräfte.

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Herr Herzog, Sie sind ein Mann mit vielen Talenten, ein echter Tausendsassa. Welcher Disziplin gehört dabei denn Ihre Leidenschaft und was ist eher Mittel zum Zweck?

Dominik Herzog: Das ist eine sehr gute Frage. Ich wusste eigentlich schon immer, dass ich einmal selbständiger Anwalt werden will und darauf habe ich zielstrebig hingearbeitet. Selbstbestimmtheit war mir immer wichtig. Mein Großvater meinte einmal, du hast doch ein gutes Abitur, studiere Medizin. Aber das kam für mich nie in Frage, dieser Gedanke von morgens bis abends durchgetaktet zu sein, von einem zum nächsten Patienten zu hetzen, das hat mich abgeschreckt. Letztendlich war die Entscheidung für das Jurastudium und später den Anwaltsberuf eine Entscheidung aus voller Überzeugung und keine rein rationale – das ist meine Leidenschaft. 

Die juristische Ausbildung, speziell das Studium, setzt zum Teil enge Grenzen. Wie haben Sie in dieser Phase des Lebens denn Ihre kreative Ader bedient?

Dominik Herzog: Ich habe schon in der Schule Theater gespielt, auch im Stadttheater hatte ich eine Rolle und auch kleine Fernsehauftritte, das lief immer so nebenbei. Die ersten Semester im Studium habe ich mich ehrlicherweise noch recht wenig mit Jura beschäftigt, da blieb ausreichend Zeit für meine Hobbies. Ab dem 6. Semester habe ich mich voll fokussiert. Da habe ich meine kreativen Aktivitäten dann runtergefahren. Mir war klar, jetzt zählt es.

Wie sind Sie mit Rückschlägen im Studium umgegangen?

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Dominik Herzog: Gerade in den Anfangssemestern lief es mal besser und mal schlechter. Ich habe versucht, das nicht so an mich heranzulassen und es nicht zu ernst zu nehmen. Auch wenn ich mal durch eine Klausur gefallen bin, hat mich das nicht gleich aus der Bahn geworfen. Ich war aber immer absolut überzeugt, dass ich das schaffe und dass ich das Examen erfolgreich absolvieren werde. 

Wie sah Ihre Examensvorbereitung aus?

Dominik Herzog: Ziemlich klassisch, ein Jahr lang habe ich sechs Tage die Woche zwölf Stunden am Tag in der Bibliothek zugebracht und gelernt. Zur Vorbereitung habe ich auch ein kommerzielles Repetitorium besucht.

Haben Sie die Entscheidung, Jura zu studieren, je bereut?

Dominik Herzog: Nein, das nie, aber nach dem zweiten Examen im Jahr 2010 gab es eine Phase, in der ich das Gefühl hatte, dass mir etwas Distanz zu Jura guttun würde. Neben der Promotion habe ich mich dann auch wieder anderen Projekten gewidmet und meine Aktivitäten auf YouTube und als Kabarettist forciert. In 2011 bin ich in der Rechtsabteilung der ProSiebenSat.1 Media SE als Syndikus Anwalt eingestiegen und habe mich weiter parallel dazu meinen künstlerischen, darstellerischen und kabarettistischen Aktivitäten gewidmet. Das war eine spannende Zeit, damals hätte ich mir vielleicht sogar vorstellen können, als professioneller Kabarettist zu arbeiten oder als Künstler mein Geld zu verdienen.

Und was hat dann den Ausschlag gegeben, dass Sie 2014 Ihre eigene Kanzlei gegründet haben?

Dominik Herzog: Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich mich einfach zu vielen Themen gleichzeitig widme. Was ich eigentlich immer machen wollte, nämlich selbständig als Anwalt zu arbeiten, ist immer stärker in den Hintergrund geraten. Die anderen Projekte haben mir alle Spaß gemacht, so als ad-on, aber eigentlich ging es mir immer nur um den Anwaltsberuf. Deshalb habe ich dann meinen angestellten Job bei ProSiebenSat.1 gekündigt und meine eigene Kanzlei, SYLVENSTEIN Rechtsanwälte, gegründet. Ab diesem Zeitpunkt habe ich alle anderen Nebenprojekte runtergefahren, um mich voll auf die Kanzlei und meine anwaltliche Tätigkeit zu fokussieren.

Wen beraten Sie schwerpunktmäßig?

Dominik Herzog: Heute sind unsere Mandanten größtenteils digitale Unternehmer, also etwa Start-Ups aber auch größere, schnell wachsende Unternehmen. Vor allem im Bereich digitale Geschäftsmodelle sind wir sehr stark. Das war aber nicht von Anfang an so, das haben wir uns erarbeitet. Wir haben über die Jahre auch in anderen Gebieten Erfahrungen gesammelt.

Also war diese erste Phase noch eine Art Findungsprozess? 

Dominik Herzog: Sicher, ich habe schon immer gerne Dinge ausprobiert, das zieht sich ja durch meine Vita. Mir war aber auch von vornherein klar, dass zum Beispiel gewisse Rechtsgebiete ausscheiden, Strafrecht und Ö-Recht etwa fand ich nie spannend. Also habe ich mich auf Rechtsgebiete konzentriert, die mir Spaß machen und die mir liegen.

Wie wichtig ist es als Anwalt, dass man das Geschäftsmodell seiner Mandanten versteht?

Dominik Herzog: Absolut entscheidend. Man muss eine gemeinsame Basis haben, Interesse an den Fragestellungen, die die Mandanten bewegen, eine Portion Empathie schadet auch nicht. Deswegen haben wir uns inzwischen auf digitale Unternehmen konzentriert, das macht mir Spaß, hier kennen wir uns aus, da können wir am meisten Mehrwert liefern.

Mit welchen Fragestellungen kommen Ihre Mandanten auf Sie zu?

Dominik Herzog: Mit ganz unterschiedlichen. Digitale Geschäftsmodelle sind skalierbar, was bedeutet, dass im Regelfall in kurzer Zeit viele Kunden gewonnen werden. Da müssen die Verträge wasserdicht sein, es geht also um Vertragsprozesse, Vertragsgestaltung, aber auch AGB-Themen. Viele unserer Kunden sind ehrgeizig und wachsen stark. Damit ändern sich schnell die Anforderungen und Probleme, mit denen sie es zu tun bekommen. Arbeitsrechtliche Fragestellungen wie Kündigungs- oder Abmahnungsthematiken stellen sich dann oft, gerade wenn schnell Personal auf- oder auch abgebaut werden muss. Forderungsausfälle bzw. Forderungsdurchsetzung sind zentrale Themen, wenn Kunden oder Lieferanten säumig sind. Dann stellen sich wettbewerbsrechtliche Fragen, aber auch UWG-Geschichten, Abmahnungen, das ganze Spektrum.

Klingt so, als ob man als Berater über den Tellerrand schauen muss und es zum Beispiel mit Fragen der Finanzierung zu tun bekommt, also mit Themen, die nicht unbedingt nur juristischer Natur sind?

Dominik Herzog: Ganz genau, das zeichnet uns auch aus. Dadurch, dass wir einen engen Austausch mit unseren Mandanten pflegen, haben wir die Branche insgesamt sehr gut kennengelernt. Deswegen können wir auch die Probleme nachvollziehen und wissen, wo wir konkret ansetzen müssen. Die juristische Würdigung ist oft nur das eine, aber um wirklich passgenaue Lösungen finden zu können, muss man die Zusammenhänge verstehen und wissen, wie  Digitalunternehmer ticken. Das ist eine eigene Welt. Aber das ist gerade das, was mir Spaß macht.

In Teil 2 berichtet Dominik Herzog unter anderem von seiner Motivation einen YouTube-Kanal für Jurastudenten einzurichten und wie er sich seine Zukunft vorstellt. 

Hinweis über den Interviewpartner:

Dominik Herzog,
studierte Rechtswissenschaften in München, Heidelberg und Lausanne und absolvierte sein Referendariat in München und Los Angeles.

Nach seiner Promotion im Rundfunkrecht begann er 2011 seine berufliche Laufbahn in der Rechtsabteilung der ProSiebenSat.1 Media SE. 2014 wurde er Gründungspartner der wirtschaftsrechtlich ausgerichteten Sozietät SYLVENSTEIN Rechtsanwälte. Er berät schwerpunktmäßig Firmen im Wirtschaftsrecht.

Daneben hat er den größten Youtube-Kanal für Jurastudenten.  

Das Interview führte: 

Thomas Hepp,
BECK-Stellenmarkt-Redakteur