Vielfältige Tätigkeitsfelder in der Justiz

von Dr. Pamela Knauss

Bereits während der Oberstufe hatte ich das Ziel, Jura zu studieren und anschließend in den Staatsdienst zu gehen. Der Richterberuf hatte mich schon immer fasziniert und ich wollte diesen unbedingt ausüben. Doch wie sagt man so schön:

»1. kommt es anders, und 2. als man denkt!«

Aber der Reihe nach.

Nach dem Abitur begann ich mit dem Studium an der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen. Das Studium dort unterbrach ich durch ein Erasmus-Auslandsjahr an der Università Statale di Milano (Mailand). Nach dem Examen folgte das Referendariat in Tübingen und anschließend ein sechsmonatiges Praktikum bei einem Bundesverband in Bonn.

Die Dissertation veranlasste mich, an die Universität Tübingen zurückzukehren, wo ich gleichzeitig eine Assistentenstelle an einem Lehrstuhl erhielt. Nach Abschluss der Dissertation wollte ich voller Tatendrang in die baden-württembergische Justiz einsteigen, doch damals (im Jahr 2003) verhängte das Land Baden-Württemberg eine Haushaltssperre. Somit hieß es, ich würde zwar eingestellt werden, aber wann, das könne man nicht sagen.

Was tun?

Also überbrückte ich die Zeit bei Bosch in der Rechtsabteilung. Schlussendlich konnte ich im August 2003 in der Justiz beginnen und wurde beim Amtsgericht in Albstadt in Zivilsachen eingesetzt.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten, mit der Masse der Akten, der Verfügungstechnik und den Sitzungen klarzukommen, hatte ich als bald viel Freude; vor allem sehr nette und hilfsbereite Kollegen, die mich unermüdlich unterstützten.

Nach ca. 1,5 Jahren stand der Wechsel zum Landgericht Hechingen an. Ich übernahm eine zunächst zweigeteilte, später dreigeteilte Stelle (Berufungen, FG-Angelegenheiten, Beschwerdesachen sowie erstinstanzliche Zivilsachen – Banksachen und Steuerberater-, Anwalts- und Architektenhaftung – , und Strafsachen als Beisitzerin in der großen Strafkammer). Auch hier gewöhnte ich mich gut ein und habe die Zeit in Hechingen – mit einem sehr kleinen Landgericht – in sehr guter Erinnerung.

Bereichernde Zeit

Nach einiger Zeit stand der Wechsel zur Staatsanwaltschaft Hechingen an. Kurz zuvor war das Angebot aus dem Justizministerium Baden-Württemberg gekommen, für zwei Jahre nach Berlin zum Bundesjustizministerium zu gehen. Ich freute mich über dieses Angebot und begann Mitte 2006 meinen Dienst in Berlin im Referat »Internationale und multilaterale strafrechtliche Zusammenarbeit«.

Das Referat erwies sich als Glücksfall. Zum einen waren die Kollegen extrem nett und hilfsbereit, zum anderen stand die deutsche EU-Präsidentschaft an und das Referat hatte einige Dossiers »in der Pipeline«, die während der Präsidentschaft in Angriff genommen werden sollten.

Dies bedeutete zwar viel Arbeit, aber andererseits auch den Gewinn guter Einblicke in die EU-Rechtssetzung sowie den Ablauf einer Präsidentschaft. Zahlreiche Dienstreisen standen an, Ratsarbeitsgruppensitzungen, Diskussionen am Rande der Sitzungen, Erarbeitung von Kompromissvorschlägen usw.

Ich habe diese Zeit als sehr bereichernd empfunden. Nach der Präsidentschaft standen weiterhin europäische Dossiers auf der Tagesordnung, aber auch nationale Gesetzgebungsvorhaben, Verhandlungen von bilateralen Rechtshilfeübereinkommen etc. Mein Verständnis für den Gesetzgeber ist in dieser Zeit – nachdem ich selbst gesehen habe, wie Gesetze entstehen – extrem gewachsen.

Ganz unterschiedliche Eindrücke

Nach Verlängerung des Aufenthalts in Berlin um ein halbes Jahr kam ich zurück nach Baden-Württemberg, diesmal zum Landgericht nach Stuttgart in die Schwurgerichtskammer.

Diese Station, obschon sehr spannend, währte indes nur kurz, denn ich erhielt die Möglichkeit, die Arbeit des Generalbundesanwalts beim Bundesgerichtshof näher kennenzulernen. Dort bekam ich ganz verschiedene Eindrücke. Ich war sowohl in der Ermittlung (Abteilung Terrorismus) als auch in der Revision eingesetzt.

Zudem konnte ich mein in Berlin erworbenes Wissen einsetzen und war im dortigen Europareferat tätig. Weiterhin bekam ich die Gelegenheit, als Referentin für Sonderaufgaben für die damalige Generalbundesanwältin zu arbeiten. Eine spannende Zeit.

Noch während der Abordnung nach Karlsruhe kam mein erstes Kind zur Welt. Nach sechsmonatiger Babypause war ich nur noch in der Revision eingesetzt und konnte dort – in Absprache mit meinem damaligen Referatsleiter – auch einiges von zuhause aus erledigen.

Die Abordnung endete nach dreieinhalb Jahren und ich kehrte zurück nach Stuttgart – zunächst sechs Monate zur Generalstaatsanwaltschaft (Erprobungsabordnung) und danach zur Staatsanwaltschaft. Dort war ich – unterbrochen durch die Geburt eines weiteren Sohnes und einer Tochter – in der Wirtschaftsabteilung und der BtM-Abteilung tätig, bevor ich Mitte 2016 als stellvertretende Abteilungsleiterin in eine Allgemeinabteilung kam.

Der Aktenumlauf war hoch, das Kollegium jedoch sehr sympathisch, was die Aktenberge erträglich machte. Schon Mitte 2017 stand ein weiterer Wechsel an. Die Leitung der beiden Vollstreckungsabteilungen der Staatsanwaltschaft Stuttgart wurde frei.

Diesmal ein ganz anderes Gebiet, denn ich hatte von Strafvollstreckung – mit Ausnahme des allgemeinen Dezernentenwissens – noch nichts Näheres gehört. Die Personalverantwortung für über 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kam hinzu. Seitdem bin ich auf dieser Stelle, auf welcher ich mich sehr wohl fühle.

Aus der genannten Schilderung können Sie sehen, wie vielfältig die Justiz ist. Ich würde jederzeit noch einmal in die Justiz gehen und kann dieses Tätigkeitsfeld nur wärmstens empfehlen. Vielleicht treffen wir uns demnächst im Kollegenkreis?

Dr. Pamela Knauss ist Oberstaatsanwältin bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart. Sie ist dort als Leiterin der Vollstreckungsabteilungen tätig. 

Dieser Text stammt aus dem Beck'schen Referendarführer 2019/2020. Sie können ihn hier bestellen.

Quelle Beck'scher Referendarführer 2019/2020