Investition in die eigene Zukunft – Finanzierungsmöglichkeiten für ein LL.M.-Studium im Ausland

von Johannes Frankenfeld, Geschäftsführer der Brain Capital GmbH, Vallendar. Seit 2014 organisiert er in Kooperation mit der Deutsch-Amerikanischen Juristenvereinigung (DAJV) den LL.M. Bildungsfonds für deutsche Juristen, die den LL.M. im Ausland planen

Der LL.M. ist für Juristen eine entscheidende Zusatzqualifikation, die auf anspruchsvolle Tätigkeiten im internationalen Umfeld vorbereitet.
Die Kosten sind jedoch häufig die größte Herausforderung.
Dennoch: Die Entscheidung für einen internationalen LL.M. stellt eine Investition in die eigene Zukunft dar und sollte keinesfalls an der Finanzierung scheitern.

Die Kosten für den LL.M. im Ausland können sich schnell auf 50.000 Euro belaufen. In den USA betragen alleine die Studiengebühren 20.000 bis 40.000 US-Dollar für ein Studienjahr. Zusätzlich müssen erhebliche Reise- und Lebenshaltungskosten in Kauf genommen werden. Umso wichtiger ist es, bei der Planung alle zu erwartenden Kosten realistisch einzuschätzen und Fremdfinanzierungsangebote zu erwägen. Doch gerade hier stehen LL.M.-Interessenten vor einer Barriere: Geeignete Finanzierungsoptionen sind in Deutschland begrenzt.
Das Auslands-BAföG und staatliche Bildungskredite eignen sich in der Regel nicht. Ein vollständiges LL.M.-Auslandsstudium übersteigt meist die Förderkriterien und der Förderumfang ist stark begrenzt. Die drei wesentlichen Säulen in der Fremdfinanzierung eines LL.M. sind somit Bildungsfonds, Bankkredite und Stipendien.

Bildungsfonds – Studienfinanzierung ohne Kredit und Stipendium

Für den LL.M. können Bildungsfonds die Finanzierung deutlich erleichtern.
Im Vergleich zu Stipendien sind sie einfach zu erhalten und bieten einen größeren Finanzierungsumfang, wobei das Kreditrisiko dennoch gering bleibt. Der deutsche Markt verfügt über drei Fondsanbieter, die ein LL.M.-Studium im Ausland fördern. Einer davon hat sich auf LL.M.-Programme in den USA oder Großbritannien spezialisiert. Der Fonds übernimmt die Studiengebühren und teilweise Reise- und Lebenshaltungskosten. Die Geförderten leisten, wenn sie ihr Studium beendet haben und im Berufsleben stehen, eine einkommensabhängige Rückzahlung. Vor Studienbeginn wird vertraglich ein konstanter Rückzahlungssatz vereinbart: So werden erfahrungsgemäß für zehn Jahre etwa um die 5,5 Prozent des Bruttoeinkommens an den Fonds zurückgezahlt.

Im Gegensatz zu klassischen Bankkrediten liegt keine fixe Kreditbelastung vor und flexible Rückzahlungsmodalitäten sind gegeben. Die Tilgung wird erst ab einem stabilen Jahreseinkommen von etwa 30.000 Euro fällig. So ist sichergestellt, dass der Absolvent lediglich im Rahmen seiner finanziellen Leistungsfähigkeit belastet wird. In einkommensschwachen Zeiten, zum Beispiel während des Referendariats oder der Elternzeit, kann die Rückzahlung gestundet werden. Während des Studiums sind keine Zins- und Tilgungszahlungen fällig. Die Rückzahlungssumme hängt von dem zukünftig erwirtschafteten Einkommen ab und ist nicht von vorne herein bekannt. Der fixe Rückzahlungssatz und die großzügigen Karenzzeiten erlauben dennoch eine genaue Kalkulation und Freiheiten in der Karriere- und Lebensplanung. Zudem werden Höchstgrenzen für die Rückzahlungssumme vereinbart. Einige Anbieter verbinden die finanzielle Förderung mit individuellen Karriere-Coachings.
Die Bewerber um eine Förderung werden sorgfältig ausgewählt: Je nach Qualifikation, Motivation und Finanzierungssumme werden die Modalitäten individuell verhandelt. Meistens sind keine Sicherheiten oder Bürgschaften notwendig und eine Kombination mit Darlehen oder Stipendien ist möglich.

Kleine Finanzierungslücken mit Darlehen schließen

Eine weitere Finanzierungsoption ist der klassische Bankkredit.
Viele Kreditangebote sind allerdings nicht ideal auf die Bedürfnisse einer LL.M.-Finanzierung zugeschnitten. Gerade für Studierende bergen sie häufig wenig übersichtliche Risiken. Wer das Geld für den LL.M. von der Bank leihen möchte, sollte sich informieren, welche Belastungen später eintreten. Je nach Institut liegen die meist variablen Zinssätze zwischen 6 bis 8 Prozent. Bei den oben genannten Gesamtkosten entsteht schnell eine hohe Schuldenlast.

Es ist ratsam, genau zu taxieren, ob tatsächlich das gesamte Studium mit dem Bankkredit finanziert werden soll. Außerdem wichtig: Die Zinsen sollten nicht schon während des Studiums fällig werden. Für Studierende sind vor allem die Rückzahlungsbedingungen bedeutend. Der Tilgungsplan sollte möglichst flexibel für weitere Karriereschritte, wie zum Beispiel das Referendariat, sein und die Rückzahlungen nicht vor dem Berufseinstieg beginnen. Einige Kreditinstitute verlangen finanzielle Sicherheiten oder Bürgschaften. Die genauen Kosten und der beruflich-finanzielle Nutzen des LL.M.-Studiums sind ausführlich darzulegen.

Stipendien für besonders Qualifizierte

Stipendien sind die kostengünstigste Finanzierungsmöglichkeit für den LL.M.
Neben institutionellen und privaten Stipendiengebern bieten vermehrt große Anwaltskanzleien Stipendien an. Auch die eigene juristische Fakultät kann einbezogen werden, falls Kooperationsprogramme mit Universitäten im Ausland bestehen. Dennoch ist die Stipendienvergabe sehr limitiert und stellt zudem hohe Anforderungen an die Bewerber. Ein Prädikatsexamen, herausragendes soziales Engagement und Altersgrenzen werden häufig vorausgesetzt. Und selbst Vollstipendien decken selten den gesamten Kostenumfang ab. Ergänzende Finanzierungsquellen bleiben beinahe unumgänglich.

Was viele nicht wissen: Einige Law Schools, besonders in den USA, bieten Bewerbern die Möglichkeit auf eine Studiengebührenermäßigung, um so besonders qualifizierte Studierende zu gewinnen.
Also: Keine Scheu vor Verhandlungen mit der Law School!

Quelle NJW 13/2015