Auf dem Weg zum Steuerberaterexamen: Der berufsbegleitende Master als Examensvorbereitung

von Prof. Dr. Michael Preißer, Rechtsanwalt, Steuerberater und Professor für Wirtschaftsprivatrecht und Steuerrecht, Studiengangsleiter des berufsbegleitenden Masterstudiengangs Tax Law – Steuerrecht LL.M. an der Professional School der Leuphana Universität Lüneburg sowie Partner in der Partnergesellschaft PRS, Hamburg

Der Weg zum Steuerberater und die dazugehörende Prüfung gelten als besonders hart.
Weniger als die Hälfte aller Prüflinge bestand 2015/16 die Steuerberaterprüfung. Vorbereitende Angebote sind deshalb bei den angehenden Steuerberatern stark nachgefragt. Paul Pfahlert und Christian Bleicher haben sich für einen besonderen Weg der Vorbereitung entschieden: Sie studieren seit 2015 parallel zu ihrer Berufstätigkeit in einem berufsbegleitenden Masterstudiengang Tax Law in Lüneburg und wollen so das notwendige Fachwissen für das Examen erwerben.

Für Christian Bleicher stand von vornherein fest, dass er sich in einem Studium auf das Steuerberaterexamen vorbereiten möchte: „Viele Bekannte haben mir diesen Weg zum Steuerberaterexamen empfohlen, weil man so viel umfangreicher vorbereitet wird als in Crashkursen und viel mehr in die Tiefe des Stoffs gehen kann.“ Paul Pfahlert hingegen hat auch über andere Formen der Examensvorbereitung nachgedacht, sich aber letztlich fürs Masterstudium entschieden: „Ich brauchte einen Masterabschluss, um die Vorbereitungszeit verkürzen zu können. So verringert sich die Zeit von drei auf zwei Jahre. Mit dem berufsbegleitenden Masterstudium bekomme ich nun sozusagen ein Komplettpaket aus Berufsvorbereitung, Berufszeit, Abschluss und Examensvorbereitung. Viele Vorbereitungskurse sind ja komprimierte Wochenendveranstaltungen oder laufen über ein paar Monate – im Rahmen eines Studiums ist die Vorbereitung aber strukturierter und natürlich deutlich umfangreicher, weil wir uns zwei Jahre lang vorbereiten können.“

Dass sein Weg ihn zum Steuerberaterexamen führen soll, stand für Pfahlert schon früh fest: „Während meines Bachelors im Wirtschaftsrecht wurde mir schon klar, dass ich kein Anwalt werden will, aber praktisch mit Gesetzen arbeiten möchte. Steuerrecht hat mir Spaß gemacht, deshalb habe ich mich für das Ziel Steuerberater entschieden.“ Christian Bleicher dagegen hat zunächst Betriebswirtschaftslehre studiert und spezialisiert sich nun erst im Master auf das Thema Steuerrecht. Als Quereinsteiger studiert er jetzt unter anderem mit Rechtsanwälten zusammen. „Am Anfang des Studiums standen für uns alle Grundlagenmodule in Jura, Steuerrecht, BWL und VWL an. Das hat sehr dabei geholfen, alle auf einen ziemlich gleichen Stand zu kriegen. Dennoch war es für mich als Betriebswirt am Anfang schwierig, im Gutachtenstil zu schreiben. Das hat mich einige Anstrengung gekostet, da reinzukommen. In diesem Punkt war es natürlich für die Kommilitonen mit rechtswissenschaftlichem Hintergrund leichter.“

Der Lüneburger Studiengang behandelt in vier Semestern umfangreich diverse Facetten des Steuerrechts. „In den ersten drei Semestern beschäftigen wir uns vor allem mit der Theorie. Im vierten Semester sind dann neben der Masterarbeit auch Probeexamen vorgesehen. So lernen wir auch die Klausurtechnik, die wir im Examen anwenden müssen. Das Zusammenspiel aus Fachwissen und der Kenntnis der richtigen Technik ist wichtig, um das Examen zu bestehen, das eines der schwersten in Deutschland ist“, beschreibt Paul Pfahlert den Aufbau des Studiengangs. Doch bereits in den ersten Semestern wird der Blick immer wieder auf die kommende Steuerberaterprüfung gelenkt. „Begleitend wird immer auch auf die Steuerberaterprüfungen der vorherigen Jahre eingegangen, so dass man schon die Möglichkeit hat, sich auf die Klausurstellung vorzubereiten. Zur Übung schreiben wir außerdem immer wieder alte Steuerberaterklausuren, die teilweise auch benotet werden, damit wir prüfen können, wo wir stehen“, ergänzt Christian Bleicher. Pfahlert empfindet es hier als besonders wertvoll, dass auch ein Großteil der Dozierenden selbst das Examen hinter sich hat: „So wissen die Lehrenden genau, worauf es ankommt und was wir lernen müssen.“

Neben dem Fachwissen spielt im Studium auch die Praxisorientierung eine große Rolle. „Unsere Dozierenden bringen immer wieder Praxisfälle in anonymisierter Form oder abgewandelt mit in den Unterricht ein. So ist ein sehr hoher Praxisbezug gegeben“, erklärt Pfahlert. Auch Christian Bleicher hat im Studium schon viel gelernt, was er bei seiner Arbeit praktisch anwenden kann: „Ich merke bei meiner Arbeit in der Kanzlei, dass ich Sachverhalte viel schneller aufnehmen und bewerten kann. Seit meinem Bachelorstudium habe ich mich in dieser Hinsicht deutlich entwickelt.“ „Es hilft, dass unsere Dozierenden mit ihrer jahrelangen Berufserfahrung als Steuerberater Einblicke geben, mit welcher Methodik sie an Fälle herangehen und wie sie mit dem Gesetz arbeiten. Das kann ich auch in meine Tätigkeit als Steuerberater einbringen“, ergänzt Pfahlert.

Beide Studenten würden das Studium weiterempfehlen.
Paul Pfahlert sieht das Studium als geeigneten Weg für jeden, der Interesse hat, Steuerberater zu werden, und gleichzeitig nach einer Möglichkeit sucht, die Zeit der Berufstätigkeit zu verkürzen: „Hier erwirbt man das Fachwissen nebenbei und bleibt im Rhythmus mit dem regelmäßigen Lernen und Klausurenschreiben drin.“ Das Examen will Pfahlert direkt an den Masterabschluss anschließen. Wenn sein Studium im September 2017 beendet ist, wird er im Oktober sein Examen absolvieren: „So ist das ganze Wissen noch frisch.“

Quelle DStR 3/2017