Anstrengend, aber lohnend: Das LL.M.-Studium neben dem Beruf

von Prof. Dr. Henrike Mattheis und Prof. Dr. Dr. Norbert Geiger

Die Nachfrage nach Fachkräften mit einem Masterabschluss (LL.M.) im Wirtschaftsrecht, die sowohl betriebswirtschaftliche als auch rechtliche Kenntnisse haben, ist in vielen Branchen stark angestiegen und erhöht sich weiter. Rechtskonformes und gleichzeitig betriebswirtschaftliches Handeln gewinnt im Kontext von Globalisierung und Digitalisierung in einer sich stark wandelnden Arbeitswelt zunehmend an Bedeutung.

Doch wie soll ein Unternehmen oder die öffentliche Hand an diese, auf dem Arbeitsmarkt so begehrten Fachkräfte kommen und woran erkennt ein Arbeitgeber, welcher Bewerber über diese betriebswirtschaftlichen und rechtlichen Kompetenzen verfügt?

Es besteht zum einen die Möglichkeit, neue Mitarbeitende durch intensive Recruiting-Maßnahmen zu gewinnen. Ein anderer, sehr vielversprechender Ansatz besteht darin, gute Mitarbeitende zu halten und weiter zu qualifizieren. Der Vorteil einer Weiterqualifizierung von leistungsstarken Mitarbeitenden gegenüber der Rekrutierung neuer Beschäftigter ist, dass diese die Unternehmenskultur kennen und Vorgesetzte bereits über ein differenziertes Bild über Potentiale, Leistungen und bestehende Kompetenzen verfügen.

Die Herausforderung in der Weiterbildung dieser Fachkräfte ergibt sich jedoch daraus, dass man die Mitarbeiterin oder den Mitarbeiter in aktuellen Abläufen, d. h., im Tagesgeschäft und laufenden Projekten nicht über längere Zeitperioden entbehren kann und dennoch eine Weiterqualifikation ermöglichen möchte.

An dieser Stelle kommen neue, berufsbegleitende Studienformate zum Tragen. Durch diese Modelle wird ermöglicht, dass die Beschäftigten weiter im Unternehmen arbeiten und lediglich zu wenigen kompakten Präsenzeinheiten vor Ort an der Hochschule sind und daher auch nur in diesen überschaubaren Zeiten im Unternehmen nicht zur Verfügung stehen.

Die Modelle des berufsbegleitenden Studiums werden aus einem Mix aus kompakten Präsenzveranstaltungen, E-Learning-Einheiten, Selbstlernphasen anhand von extra dafür erstellten Studienskripten, Lernvideos, Webinaren, virtuellen Lerngruppen sowie interaktiven Selbsttests gestaltet. Dabei macht die Kombination dieser unterschiedlichen Vermittlungselemente, Medien und Methoden eine erfolgreiche Lehre aus. Denn auch wenn für Lehrende der Inhalt das Wesentliche eines Studiums ist, so lässt sich nicht von der Hand weisen, dass das Studienformat große Auswirkungen auf die Aufnahme des Lernenden hat.

In fernstudienbasierten Studienmodellen können alle Lernformate – außer in der Präsenzphase – dabei zeitlich und räumlich unabhängig genutzt werden und ermöglichen ein individuelles Lerntempo sowie die Abstimmung mit anderen beruflichen und privaten Verpflichtungen und Interessen. Da die Belastung durch Berufstätigkeit und Studium bei einem berufsbegleitenden Studium entsprechend größer ist als bei einem Vollzeitstudium, sind gerade hier die Möglichkeiten zum Austausch und der gegenseitigen Motivation bei den kurzen Präsenzphasen und Vor-Ort-Treffen in der Lerngruppe nicht zu unterschätzen.

Fachspezifische Studieninhalte an der Schnittstelle von Wirtschaft und Recht sowie die flexiblen Gestaltungsmöglichkeiten eines berufsbegleitenden Studiums Wirtschaftsrecht stellen damit optimale Weiterbildungsformate im Rahmen einer Weiterbildungsstrategie für Mitarbeitende dar.

Derartige berufsbegleitende Formate bieten sich besonders für diejenigen an, die bereits über ein breites berufspraktisches rechtliches Wissen verfügen und die einen fachspezifischen LL.M. erlangen möchten. Es gibt eine vielfältige Ausdifferenzierung im Bereich der LL.M.-Studiengänge nach konkreten Spezialisierungen auf einen bestimmten Arbeitsmarktfokus.

Insbesondere ist auch der Bedarf an Fachkräften, die betriebswirtschaftliche als auch rechtliche Kenntnisse haben, in den letzten Jahren in der Bau- und Immobilienbranche sowie bei der öffentlichen Hand immens gestiegen. Die Baubranche boomt und Immobilien gehören zu den beliebtesten Geldanlagen.

Allerdings weisen große Bauvorhaben und Projektentwicklungen einen hohen Grad an Komplexität und entsprechend großes Konfliktpotential auf. Gleiches gilt für komplexe Immobiliengeschäfte. Fragen, die in diesem Zusammenhang entstehen, gehen weit über den rein juristischen Bereich hinaus. Um diese komplexen Zusammenhänge zu analysieren sowie Kompetenzen und Kenntnisse zur Bewältigung sich daraus ergebender Herausforderungen zu erlangen, bedarf es eines interdisziplinären Ansatzes, der juristische, betriebswirtschaftliche und immobilien- und bautypische Aspekte in den Modulen eines LL.M.-Studiums verknüpft.

Über die Autoren

Prof. Dr. Henrike Mattheis
Professorin an der Hochschule Biberach für
Grundlagen des Rechts und Zivilrecht,
Didaktikbeauftragte. Zudem ist sie in der
Studiengangsleitung der berufsbegleitenden
Fernstudienprogramme Bachelor und Master
Wirtschaftsrecht (Bau und Immobilien)

Prof. Dr. Dr. Norbert Geiger
FRICS, Professor für Bau-, Immobilien- und
Steuerrecht an der Hochschule Biberach, zudem
derzeit Dekan im Fachbereich Betriebswirtschaft
und in der Studiengangsleitung der berufsbegleitenden Fernstudienprogramme Bachelor und Master
Wirtschaftsrecht (Bau und Immobilien)

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Quelle NJW 13/2020