Steuern Sie Ihre Karriere mit Ihrem inneren Kompass

von Susanne Kleiner -- Quelle Foto: motortion/stock.adobe.com

Bevor charakterstarke Rechtsanwälte den Job wechseln, blicken sie bewusst zurück. Sie betrachten Kritisches und würdigen Gelungenes. Und sie verinnerlichen ihre Stärken und achten ihre Schwächen.

Eine Standortbestimmung ist Gold wert, weiß Susanne Kleiner. Denn wer sich selbst besser versteht, kann selbstbestimmt neu beginnen. Die Beraterin, Coach und Autorin ermuntert Wechselwillige, sich selbst zu reflektieren und bewusst zu positionieren. Impulse für mehr Balance bei der Arbeit und eine Karriere, die wirklich passt.

Die Dynamik der Digitalisierung fordert Berufstätige immer mehr heraus, Verantwortung für sich zu übernehmen. Psychischer Stress nimmt zu. Automatisierte Arbeitsprozesse verändern Stellenprofile.

Es geht darum, gut für sich zu sorgen und die eigene Karriere zu steuern. Bewerber von heute wollen sich entfalten und in einer Weise leben und arbeiten, wie es ihnen guttut. So bleiben sie im turbulenten Alltag gesund und leistungsfähig.

Darauf stellen sich kluge Arbeitgeber ein. Denn geradlinige Talente wissen, was sie antreibt und richten ihr Verhalten danach aus. Markante Persönlichkeiten sind sich ihrer Motive, Werte, Bedürfnisse, Interessen, Kompetenzen und Ziele bewusst. So individuell Angestellte und Inhaber in Kanzleien sind, so vielfältig und einzigartig sind die ureigenen Gründe, die ihr Tun und Lassen beeinflussen.

Im Klartext: Für viele Jobkandidaten kommt nur ein berufliches Umfeld in Frage, das ihre persönlichen Bedürfnisse achtet.

Wer sich gut kennt, entscheidet selbstbewusster

Selbstbewusste Menschen – Anwältinnen und Anwälte also, die sich im eigentlichen Wortsinn ihrer selbst bewusst sind – leben freier und engagieren sich aus Überzeugung.

Wer versteht, was ihn antreibt und danach lebt, schöpft Energie, gewinnt Lebensfreude und entfaltet Strahlkraft. So entsteht Authentizität, die Charakterstärke stützt, Charisma leuchten lässt und Entwicklung ermöglicht.

Angestellte und Kanzleiinhaber wachsen in ihrer Persönlichkeit und die Kanzlei wird als Arbeitgeber attraktiver. Neue Kollegen, die klar kundtun, was sie im Inneren motiviert, signalisieren: ‚Wenn wir uns frei entfalten, gestalten wir eine Kultur mit, die Individualität als Erfolgsfaktor schützt und fördert.‘ In dieser Haltung entwickeln sich Kanzleien agil und stärkenorientiert. Ein starkes Argument, um junge Talente zu rekrutieren.

Sich selbst reflektieren und neu justieren

Erfreulich ist, dass immer mehr erfahrene Kräfte und junge Bewerber veränderungsbereit sind und achtsam hinschauen. Nicht umsonst ist Coaching als effiziente Methode zur Persönlichkeitsentwicklung in der Wirtschaft längst etabliert.

Der Schlüssel ist: Wache Gemüter analysieren, was sie antreibt, nährt und bewegt – und sie richten sich danach aus. Sie entwickeln mentale Stärke und nehmen ihre berufliche Zukunft selbst in die Hand. So überwinden sie auch die kräftezehrende Angst, etwas zu verpassen, das womöglich gar nicht zu ihnen passt.

Wer das Herzstück seiner Persönlichkeit entschlüsselt, lernt sich besser kennen und kann sich selbst wirksam führen. Ein mögliches Fazit: ‚Ich erkenne jetzt, dass Macht mir nicht wichtig ist. Erfolg heißt für mich: Ich positioniere mich konsequent als Experte auf meinem Gebiet und übernehme mehr Verantwortung in anspruchsvollen Mandaten, anstatt ein Team zu führen.‘

Dem inneren Kompass trauen und folgen

Es lohnt sich also für Jobwechsler innezuhalten und Bilanz zu ziehen. Denn die eigene berufliche Identität ist richtungsweisend. Wer einen inneren Kompass entwickelt, um seine Karriere zu steuern, bleibt sich selbst treu.

Ganz wichtig: Zugewandte Menschen, die gut mit sich in Kontakt stehen, artikulieren klar, was sie brauchen. Sie präsentieren sich schon in Bewerbungsgesprächen aufrichtig und selbstachtend. So lernen Kanzleiinhaber, wie sie Neueinsteiger dabei unterstützen, leistungsfähig zu sein und sich wohlzufühlen.

Enttäuschungen lassen sich so vermeiden. Und: Vorgesetzte, die Individuen respektieren und Freiraum gewähren, beugen psychischem Stress und Burnout vor.

 

Aktivieren Sie Ihren inneren Kompass – Fragen für einen wachsamen Dialog mit sich selbst

 

Analysieren Sie Ihre Vita

Welche Kompetenzen habe ich im Studium, in der Ausbildung und in beruflichen Stationen erworben?

Was sind meine Stärken?

Was fällt mir besonders leicht?

Was belastet mich?

Welche Fähigkeiten habe ich in diesen oder jenen Situationen eingebracht?

Welches Know-how habe ich mir angeeignet?

Und was hat mir besonders Freude bereitet?

 

Graben Sie tiefer, wenn es um Ihre Kompetenzen geht

Worin bin ich fachlich stark?

Was gelingt mir methodisch gut?

Was weckt außerhalb des Juristischen meine Leidenschaft?

Moderiere ich gerne Meetings oder punkte ich bei Pitches als Präsentator und Repräsentant der Kanzlei?

Mag ich es, Projekte zu planen oder arbeite ich lieber wissenschaftlich?

Zu den persönlichen und sozialen Stärken:

Wie willensstark oder flexibel bin ich?

Wie schaffe ich es, Gesprächspartner zu begeistern?

Wie bringe ich mich ins Team ein?

Reizt es mich, andere zu führen und warum?

 

Gehen Sie auf Tuchfühlung mit Ihren persönlichen Werten

Was ist mir wichtig im Leben?

Was bedeuten mir materielle Sicherheit, Status, Prestige, Arbeitsklima, Freizeit, Familie, Beziehungen, Anerkennung, Arbeitsplatzsicherheit oder Macht?

Welche Glaubenssätze und Überzeugungen motivieren mich, meine Prioritäten zu setzen?

Welches Verhalten lege ich in diesem Kontext an den Tag?

Sind meine festen Einstellungen noch angemessen und förderlich?

Welches Denken bremst mich aus?

Welche alten Muster bin ich bereit loszulassen?

 

Spüren Sie Ihre innere Kraft

Welche Inseln schaffe ich mir im Alltag, um zur Ruhe zu kommen?

Bin ich gut mit meinem Bauchgefühl verbunden und folge ich meiner Intuition?

Wie tanke ich Kraft?

Welche Energiefresser machen mir das Leben schwer?

Wie oft war ich krank oder habe mich geschwächt zur Arbeit geschleppt?

Was bringt mich in mein körperliches, seelisches und geistiges Gleichgewicht?

Was möchte ich auf jeden Fall anders machen?

Wieviel Zeit verbringe ich nur mit mir selbst?

Welche Zeiten richte ich mir nur für mich selbst ein?

Waldspaziergang, Musik, Lesen oder Stille: Was ritualisiere ich?

 

Sie sind nicht allein: Teamgeist verbindet

Was schätze ich sehr, wenn ich im Team arbeite?

In welcher Rolle bin ich in meiner Kraft?

Bin ich ein Macher, Perfektionist oder arbeite ich lieber Aufgaben ab?

Komme ich als Koordinator, Teamarbeiter oder Beobachter in meine Größe?

Oder bin ich Experte, dessen Spezialwissen gefragt ist?

Bin ich kreativ und punkte als Ideengeber?

Oder überzeuge ich als Netzwerker?

Wie pflege ich Beziehungen?

Was wünsche ich mir für die neue Stelle im Team?

Was bin ich bereit einzubringen?

 

Malen Sie sich Ihr persönliches Ideal aus

Nehmen Sie sich Zeit und atmen Sie tief ein und aus. Schließen Sie die Augen und stellen Sie sich vor: In zehn Jahren haben Sie als gewachsene Persönlichkeit den Job, der Ihrem Wesenskern entspricht. Es gibt weder Hürden noch Begrenzungen.

Fragen Sie sich:

Was, wie und wo arbeite ich?

Was ist dann anders als heute?

Wie fühlt sich diese kraftvolle Position an?

Welche Etappen habe ich gemeistert, um dorthin zu kommen?

Was davon kann ich hier und heute schon umsetzen?

Über die Autorin:

Susanne Kleiner
Autorin, Kommunikationsexpertin,
Trainerin (dvct) und Coach (dvct)

www.susanne-kleiner.de

www.trainings-workshops-seminare.de

Quelle BECK Stellenmarkt Karrierebeilage I_19