Kids, Karriere, Kompetenzen – in Teilzeit zur Equity Partnerin

Interview mit Maria Weiers

Maria Weiers (43) ist Corporate-Anwältin bei Taylor Wessing. 2005 erhielt sie ihre Anwaltszulassung und startete im selben Jahr ihre Karriere am Düsseldorfer Standort der internationalen Wirtschaftskanzlei. Spezialisiert hat sie sich auf die Bereiche Private Equity und Venture Capital. Den besonderen Reiz ihrer Arbeit sieht Maria Weiers in der Projektarbeit und den ständigen Veränderungen im Markt, die auch mal ein Querdenken erfordern.

Am Anfang ihrer Laufbahn standen der Juristin zwei Mentoren zur Seite, welche ihr den Weg in die Corporate-Welt eröffneten. „Ein wichtiger Grundstein für zukünftigen Erfolg ist eine solide Einführung durch versierte Kolleginnen und Kollegen und natürlich eine vertrauensvolle Zusammenarbeit“, sagt Weiers. „Zu Beginn meiner Arbeit hatte ich das Gefühl, mich dabei als Frau ein Stück weit mehr beweisen zu müssen als meine männlichen Kollegen. Aber dieses Thema war dann auch irgendwann passé. Spätestens nachdem ich in der Kanzlei und bei Mandanten als „Trusted Advisor“ anerkannt war, kreuzte es meine Wege nur noch sehr, sehr selten.“

Das Zauberwort lautet Flexibilität

2010 wurde sie zur Fixed Share Partnerin ernannt. Ihre beiden Söhne bekam sie 2012 und 2014. Bereits nach der Geburt ihres ersten Kindes entschied sie sich, schon nach wenigen Monaten und in Teilzeit zurückzukehren. „Es kam für mich nie in Frage, mich nur für eine Seite zu entscheiden, auch wenn es manchmal ein ziemlicher Spagat ist und die eine oder andere Nachtschicht erfordert“, so die Anwältin.

Ihr Zauberwort für gutes Gelingen lautet Flexibilität! „Mir ist es wichtig, auch unter der Woche aktiv am Leben meiner Kinder teilzuhaben. Gleichzeitig möchte ich stets die Bedürfnisse meiner Mandanten erfüllen und mich meinen Mandaten widmen – klappt zum Glück beides, wenn das Umfeld stimmt.“ Ein qualifiziertes und vertrauensvolles Kollegenteam, auf das sie sich blind verlassen kann, sowie ein privates Netzwerk aus Personen, die die Kinderbetreuung übernehmen, wenn die Bürozeit länger wird oder wichtige Termine anstehen, ist dabei das A und O.

Gleichzeitig hat sich ihre Arbeitsweise positiv verändert. Durch ihre Kinder hat sie gelernt, binnen Sekunden umzudenken und sich neu zu strukturieren, beispielsweise, wenn die Jungen plötzlich krank werden: Dann muss ein neuer Plan her, und es gilt, einen kühlen Kopf zu bewahren. Dies sind alles Fähigkeiten, die im Beruf ebenso wichtig sind und hervorragend eingesetzt werden können. Zudem erfordern die begrenzten Zeitfenster einen klaren Fokus und dulden kein Aufschieben: „In meinem Job bin ich seit der Geburt meiner Kinder noch effizienter und zielgerichteter geworden, gleichzeitig halte ich mich von überflüssigen Machtspielchen innerhalb und außerhalb der Organisation fern, was das Leben deutlich entspannter macht.“

Ausgezahlt hat sich die Entscheidung für den kurzfristigen Wiedereinstieg mit reduzierter Arbeitszeit bis heute, so wurde sie 2017 zur Equity Partnerin ernannt. Eine vollständige Abkehr vom Teilzeitmodell ist vorerst nicht geplant – so erhält sie sich die notwendige Flexibilität.

Offensichtlich gelingt es also Kinder und Karriere unter einen Hut zu bringen, aber bleibt dabei auch was auf der Strecke? „Zeit für mich selber, um entspannt ein Buch zu lesen, habe ich nur noch selten. Im Gegensatz zu früher verbringe ich diese freie Zeit heute mit meinen Kindern – vielleicht sogar die bessere quality time.“ Zudem sind viele ihrer Kolleginnen und Kollegen mit den Jahren zu Freunden geworden, sodass in der Pause auch mal privat geschnackt wird.

Die Veränderung lebt vom Miteinander

Neben ihrer Tätigkeit als Anwältin ist Maria Weiers als Vorstandsmitglied für das Private Equity Forum NRW aktiv.

„In meiner Branche herrscht eine starke Dynamik“, sagt Weiers. „Um Trends und Entwicklungen mitzubekommen, ist es extrem wichtig, sich auch abseits vom Schreibtisch umzuhören und auszutauschen, nur so gewinnt man den nötigen Wissensvorsprung für seine Mandanten.“

Zudem engagiert sie sich für die Innovationsplattform startport, eine Tochter der Duisburger Hafen AG. Dort entwickeln Start-ups in Kooperation mit eingesessenen Unternehmen neue Ideen und marktreife Produkte als Lösungen für die Herausforderungen der Digitalisierung und Automatisierung. „Unsere Kanzlei hat starke Tech-Wurzeln – ein Engagement im Bereich Start-ups ist darum selbstverständlich“, kommentiert Maria Weiers, der in ihrer Rolle als Netzwerkpartnerin vor allem das erforderliche „Out-of-the-box-Denken“ und die Aufbruchsstimmung gefallen.

Als ständiges Mitglied und zu Beginn einzige Frau der achtköpfigen startport-Jury entscheidet sie über die Aufnahme von jungen Unternehmen in ein Förderprogramm. Im Vorstand des Private Equity Forums NRW ist sie eine von zwei Frauen im 16-köpfigen Vorstand. – Die dürftige Frauenquote in den Gremien ist für die Juristin bei näherer Betrachtung selber überraschend:  „Für mich macht es keinerlei Unterschied, ob Mann oder Frau, meine Erwartungen an mein Gegenüber sind dieselben.“

Trotzdem findet sie es spannend auf andere Frauen zu treffen, die ähnliche Wege gehen oder gehen möchten. Für ein Gespräch und einen Blick hinter die Kulissen nimmt sie sich gerne Zeit. Das „Wie“ sollte dabei im Vordergrund stehen: „Es genügt nicht einfach zu sagen ‘Wahnsinn, dass die das schafft‘ – viele von uns schaffen das und jede hat ein System und Tipps und Tricks für den Alltag.“

Im Austausch miteinander könnten Frauen nach Meinung von Maria Weiers dabei aber noch mehr Gas geben und sich mit Anregungen besser gegenseitig unterstützen: „Erfolg fällt ja leider nicht vom Himmel!“.

Über die Interviewpartnerin:

Maria Weiers
Anwältin und seit 2017 Equity Partnerin
bei Taylor Wessing in Düsseldorf

Quelle JuS 4/2020