Berufsbilder: Der Chief Restructuring Officer

von Malte Drews

Aus den verschiedensten Gründen kann es dazu kommen, dass ein Unternehmen in eine wirtschaftliche Schieflage gerät und sich in einer Krisensituation befindet.

Regelmäßige Konsequenz hierbei ist, dass ein Insolvenzverfahren eröffnet werden muss, wird allerdings die Krise rechtzeitig erkannt, kann ein solches Verfahren auch oftmals abgewendet werden. Unabhängig davon, ob ein Insolvenzverfahren bereits eröffnet werden muss oder nicht, besteht grundsätzlich die Möglichkeit, einen sogenannten Chief Restructuring Officer – teilweise auch als Krisenmanager bezeichnet – mit an Bord zu holen, um den es im Folgenden gehen wird.

Dabei handelt es sich grundsätzlich nicht um ein komplett neues Berufsbild, denn grundsätzlich hat der Chief Restructuring Manager die Aufgabe, das Unternehmen wieder aus der Krise zu führen. Und Krisenmanager wurden auch bereits früher eingesetzt, oftmals aber nur in ganz akuten Krisensituationen.

Heute hingegen wird ein Chief Restructuring Officer bereits deutlich früher beauftragt, um auf diese Weise nachhaltig eine Sanierung und Erholung des kriselnden Unternehmens erreichen zu können. Neben kurzfristigen Maßnahmen – wie etwa Entlassungen – hat der Chief Restructuring Officer daher auch längerfristige Maßnahmen zu ergreifen.

Denn eine Unternehmenskrise ist grundsätzlich kein Zufallsprodukt, sondern deutet auf Probleme in der Aufstellung des Unternehmens hin, sodass die Unternehmensstrategie unter Umständen der gegenwärtigen Situation angepasst werden muss.

Ein gewichtiger Vorteil bei der Einsetzung eines Chief Restructuring Officers ist häufig der, dass es sich dabei um eine unternehmensfremde Person handelt. Das heißt, er ist zunächst nicht in die Unternehmensstruktur eingebunden, sondern kann gegenüber dem Vorstand, der Geschäftsführung und auch den Gesellschaftern deutlich freier und flexibler agieren als etwa ein unternehmensinterner Krisenmanager.

Häufig wird er dabei von den schon länger im Unternehmen verankerten Personen als „ungebetener Gast“ gesehen. In der Folge muss er regelmäßig mit Widerständen rechnen. Damit sich der Chief Restructuring Officer gegenüber diesen unternehmensinvolvierten Personen behaupten kann, wird ihm häufig eine Organstellung eingeräumt, sodass er etwa – während seiner Beauftragung – auch Vorstandsmitglied ist.

Insbesondere kommt die Einsetzung eines Chief Restructuring Officers dann in Betracht, wenn das Führungspersonal des angeschlagenen Unternehmens selbst nicht über Erfahrungen in der Krisenbewältigung verfügt oder auch dann, wenn der Vorstand keine ausreichenden Kapazitäten mehr hat, sich in angemessener Weise mit der Krisensituation auseinanderzusetzen und Lösungsstrategien zu entwerfen.

Da es sich hier um eine externe Person handelt, stellt sich auch die Frage, wie lange ein Chief Restructuring Manager in einem Unternehmen beschäftigt wird. Dieses muss jeweils im Einzelfall geklärt werden und ist sowohl von der Unternehmensart als auch von den zu ergreifenden Maßnahmen abhängig. Beschäftigungen von ein paar Monaten bis hin zu einigen Jahren sind jedoch keine Seltenheit.

Der Posten des Chief Restructuring Officers wird oftmals mit einem erfahrenen Juristen oder auch Diplom-Kaufmann besetzt. Dieser muss – naheliegender Weise – bereits Erfahrungen im Umgang mit einer Unternehmensführung haben und idealerweise auch die juristischen Rahmenbedingungen, die sich aus einer solchen Krisensituation ergeben, kennen und richtig bewerten können.

Ein Hauptaugenmerk ist beim Chief Restructuring Officer jedoch auf seine soft skills zu werfen. Denn oftmals muss er unpopuläre Entscheidungen treffen. Diese können entweder das Personal in Form von Entlassungen betreffen oder auch die Gesellschafter, die etwa dazu aufgefordert werden, dem Unternehmen weitere Liquidität zur Verfügung zu stellen.

Diese Entscheidungen können jedoch auch Unternehmensexterne betreffen, etwa Lieferanten oder andere Gläubiger, mit denen unter Umständen weitere Stundungen oder sogar komplette Forderungsverzichte ausgehandelt werden müssen. Dafür liegt es auf der Hand, dass die Situation – insbesondere auch aus der Sicht dieser anderen Beteiligten – für den Chief Restructuring Officer nachvollziehbar ist, um hierauf angemessen reagieren zu können.

Insgesamt agiert der Chief Restructuring Officer in einem höchst anspruchsvollen Umfeld: Er muss in kurzer Zeit unternehmerische Entscheidungen treffen, ohne dabei voreilig zu handeln. Dabei sieht er sich regelmäßig unterschiedlichsten Widerständen sowohl innerhalb wie auch außerhalb des Unternehmens ausgesetzt, die er zu einem angemessenen Ausgleich bringen muss.

Zusammenfassend kann man festhalten, dass es sich bei der Tätigkeit des Chief Restructuring Officers um eine äußerst komplexe und abwechslungsreiche Tätigkeit handelt, die höchste Anforderungen und erhebliche einschlägige Erfahrung verlangt. Dabei kann grundsätzlich davon ausgegangen werden, dass in den nächsten Jahren der Bedarf an erfolgreichen Chief Restructuring Officers eher steigen als abnehmen wird.

Über den Autor:

Malte Drews
Diplom-Jurist, Promotionsstudent an der
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und
wissenschaftlicher Mitarbeiter in einer
mittelständischen Kanzlei

Quelle BECK Stellenmarkt 3/2020