Traumberuf Staatsanwalt - Sitzungsvertretung, Bereitschaftsdienst und täglich neue Fälle: langweilig wird es nie

von Maximilian Heindl

Für mich stand schon immer fest, dass ich nach dem Zweiten Staatsexamen zur bayerischen Justiz gehen würde. Da zum Glück auch notenmäßig alles klappte, bewarb ich mich unmittelbar nach Erhalt der schriftlichen Noten und noch vor meiner mündlichen Prüfung auf eine Stelle in der bayerischen Justiz. Bereits einige Wochen später erhielt ich die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch. Am Ende des Vorstellungsgesprächs wurden mir eine Stelle als Richter am Landgericht Augsburg sowie eine Stelle bei der Staatsanwaltschaft München I angeboten. Da mir die Tätigkeit als Staatsanwalt für den Berufseinstieg geeigneter erschien (was aber natürlich eine ganz persönliche Frage ist), entschied ich mich für die Stelle in München.

Wie den meisten Dienstanfängern wurde auch mir ein allgemeines Referat zugeteilt. Das bedeutet, dass auf meinem Schreibtisch alle »Alltagsdelikte « landen. Ich kümmere mich um eine Vielzahl von Straftaten: von Impfpassfälschungen über Wirtshausschlägereien und Internetbetrügereien bis hin zum Raub ist alles dabei. Zudem habe ich zu einem kleineren Teil eine Spezialzuständigkeit für Straftaten von Rechtsanwälten und Notaren inne.

Mein Arbeitsalltag

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Polizeipräsidium Ludwigsburg
Ludwigsburg
Sonstiges

Die meisten Arbeitstage verbringe ich in meinem Büro und bearbeite Akten. Jeden Morgen bringt meine Geschäftsstelle neue Akten in mein Büro und nimmt die Akten, die am Vortag von mir bearbeitet wurden, mit. Dabei bin ich grundsätzlich völlig frei, was meine Arbeitszeiten anbelangt – Hauptsache, die laufenden Verfahren werden gefördert und (im besten Fall) abgeschlossen. Gerade zu Beginn meiner Tätigkeit bei der Staatsanwaltschaft war die Arbeitsbelastung groß. Dies lag vor allem daran, dass ich nicht wusste, was zu verfügen war und wie ich die Verfahren sinnvoll abschließen soll. Mittlerweile bin ich deutlich schneller und routinierter. Häufig erhalte ich von der Polizei einen vollständig ausermittelten Sachverhalt. Die Ermittlungsakte enthält in diesen Fällen bereits sämtliche Zeugenaussagen und sonstige Beweismittel. Ich kann direkt darüber entscheiden, ob ich das Verfahren einstelle, den Erlass eines Strafbefehls beantrage oder die Tat bei Gericht anklagen möchte. Nicht selten werde ich aber bereits in einem früheren Stadium des Ermittlungsverfahrens tätig. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn Anträge bei Gericht gestellt werden müssen, weil beispielsweise eine Durchsuchung stattfinden oder der Beschuldigte in Untersuchungshaft genommen werden soll. In komplizierten Fällen stimme ich mich von Anfang an mit der Polizei über die durchzuführenden Ermittlungen ab.

Mindestens einmal pro Woche nehme ich die Rolle des Sitzungsvertreters der Staatsanwaltschaft vor Gericht wahr. Dies macht mir besonders viel Freude. Man trifft ständig auf neue Personen und erhält Einblicke in die mitunter interessanten Lebensgeschichten der Angeklagten. Oft wird der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, es gehe ihr nur um eine möglichst harte Bestrafung des Angeklagten. Dem ist definitiv nicht so. Es geht vor allem darum, für Rechtsfrieden zu sorgen und eine Lösung zu finden, mit der alle Verfahrensbeteiligten, insbesondere auch die Opfer der jeweiligen Straftaten, leben können.

In regelmäßigen Abständen habe ich zudem Bereitschaftsdienst. Das bedeutet, dass ich 24 Stunden lang über ein Diensthandy für die Polizei erreichbar bin für den Fall, dass es schnell gehen muss. Den ersten Bereitschaftsdienst musste ich nach circa sechs Monaten Dienstzeit absolvieren. Ich erinnere mich noch gut daran, dass es sehr anstrengend und aufregend war für mich. Man wird oftmals mit Sachverhalten konfrontiert, die untypisch sind. Trotzdem muss man auch und gerade in diesen Fällen Ruhe bewahren und sich überlegen, was in der konkreten Situation erforderlich ist. Mittlerweile sehe ich dem Bereitschaftsdienst gelassen entgegen. Denn auch in diesem Zusammenhang habe ich eine gewisse Routine entwickelt.

Abwechslungsreich und stets neue Herausforderungen

Ich würde mich auf jeden Fall wieder für den Beruf des Staatsanwalts entscheiden. Ich genieße das hohe Maß an Eigenverantwortlichkeit, das mir zukommt. Vom ersten Tag an musste ich für meine Verfahren Sorge tragen. Als Staatsanwalt übernehme ich eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe mit großer Verantwortung. Dies führt auch dazu, dass ich meine Tätigkeit als sehr selbstwirksam wahrnehme.

Außerordentlich wertvoll für meine Arbeit ist zudem der Austausch mit meinen Kolleginnen und Kollegen. Zwar hat jeder sein eigenes Büro. Die Bürotüren sind aber immer offen. Wir kommunizieren viel untereinander und stehen uns mit Rat und Tat zur Seite. So hat sich bei mir schon nach kurzer Zeit ein ausgeprägtes Zugehörigkeitsgefühl entwickelt.
Schließlich wird mir als Staatsanwalt nie langweilig. Ich bin täglich mit der vollen Bandbreite des gesellschaftlichen Lebens konfrontiert und habe damit stets spannende und lustige Geschichten zu erzählen. Gleichzeitig erfordert es mein Job, dass ich mich immer wieder neuen Situationen und Herausforderungen stelle.

Über den Autor:

Maximilian Heindl
studierte von 2013 bis 2018 Jura in Passau. Sein Referendariat absolvierte er von 2018 bis 2020 in den Landgerichtsbezirken Passau und Deggendorf. Seit Februar 2021 ist er als Staatsanwalt bei der Staatsanwaltschaft München I tätig