Kanzleigründung: Mein Weg zu moderner Rechtsberatung

von Dr. Nadine Lilienthal

Interview mit Frau Dr. Nadine Lilienthal, Geschäftsführerin und Gründungspartnerin bei legaleap.law.

Vor der Gründung von legaleap.law waren Sie als Rechtsanwältin in einer Großkanzlei und General Counsel tätig. Inwiefern haben Sie diese Erfahrungen geprägt?

Meine Karriere begann in einer Großkanzlei in Hamburg. Danach lebte ich mehrere Jahre in Brüssel und lernte beim Europäischen Sparkassen- und Giroverband, wie EU-Gesetze gemacht werden. Mit meinem Wechsel auf die Inhouse-Seite war ich zunächst als Senior Legal Counsel bei AVNET tätig, später als General Counsel bei GetYourGuide. Hierbei erfuhr ich als Unternehmensjuristin viel über Vertragsverhandlungen bis hin zum erfolgreichen Abschluss. Da bei Liefer- oder IT-Verträgen kommerzielle, strategische und technologische Aspekte eine Rolle spielen, helfen mir meine Inhouse-Erfahrungen heute in den Schuhen meiner Mandanten zu laufen und als Rechtsanwältin ganzheitlich zu beraten.

Was hat Sie motiviert, Ihre eigene Kanzlei zu gründen?

Ich setze mich für eine moderne, menschliche Rechtsberatung ein, die sich eng an den Bedürfnissen von Unternehmen orientiert. In unserem Bereich, dem Vertragsrecht, bedeutet das, mit dem Tagesgeschäft eines Unternehmens vertraut zu sein. Bei legaleap.law arbeiten wir als verlängerter Arm der Rechtsabteilung meistens unmittelbar mit Vertretern aus den Bereichen Einkauf, Procurement oder Vertrieb zusammen. Hierbei ist eine wertschätzende Kommunikation auf Augenhöhe ein entscheidender Faktor. Mit unseren Auftraggebern, den Rechtsabteilungen, haben wir klare Absprachen, wer wann und in welcher Form in die Vertragsprüfungen und Verhandlungen einzubinden ist. Das funktioniert gut und führt auf Seiten unserer Mandanten zu einer Entlastung.

Was macht Ihrer Ansicht nach eine moderne Kanzlei aus?

Für mich persönlich ist eine moderne Kanzlei eine Kanzlei, die sich mit den Bedürfnissen ihrer Mandanten weiterentwickelt und keine Scheu davor hat, sich zu verändern. Dazu kann ich eine kleine Geschichte erzählen. Vor einigen Monaten fragte mich eine Mandantin: „Wir arbeiten an einer Tech-Lösung für die Vertragsprüfung. Würdest du helfen, Guidelines dafür zu erstellen?“ Zuerst war ich besorgt und dachte: „Wenn die so eine Technologie haben, brauchen sie unseren Service ja nicht mehr.“ Doch dann erkannte ich, dass das Legal Tech Tool in jedem Falle entwickelt würde und wir besser den Wandel mitgestalten, anstatt uns dagegen zu sperren. Für uns als Kanzlei bedeutet das, dass wir unsere Mandanten und Mandantinnen auch dabei unterstützen, ihr Vertragsmanagement zu optimieren und zu digitalisieren, durch Playbooks für die Vertragsprüfung und als unabhängige Legal Tech Berater.

Was waren die größten Herausforderungen bei der Kanzleigründung und wie haben Sie diese überwunden?

Zu Beginn einer Kanzleigründung stellt man sich viele Fragen, etwa: „Wird meine Kanzleigründung erfolgreich sein?“ Die Antwort ist immer eine Momentaufnahme, denn die Selbstständigkeit ist eine Reise, in der jeder Tag neue Herausforderungen bringt, ebenso aber auch Chancen.

Vor der Gründung von legaleap.law war ich bereits einige Jahre als selbstständige Rechtsanwältin tätig. Mein Wissen aus dieser Zeit half mir; der Schritt von der Einzelanwältin zur Rechtsanwaltsgesellschaft mbH war jedoch relativ groß. Der Unterschied war sogar größer, als ich anfangs gedacht hatte. Das liegt zum einen daran, dass die Buchführung und die steuerrechtliche Seite bei einer GmbH aufwendiger sind. Hinzu kam auch, dass ich meine ersten Mitarbeiterinnen einstellte, was neue Themen mit sich brachte. Ein Tipp, den ich dabei geben kann, ist: Findet einen Steuerberater, mit dem ihr gut reden könnt! Mir hilft die Zusammenarbeit mit unserem Steuerberater, der mich praxisnah und verständlich berät, sehr.

Sie sind sehr aktiv auf LinkedIn und haben einen eigenen Podcast. Inwiefern hat Ihnen die Präsenz auf Social Media bei der Kanzleigründung geholfen?

In meinem Podcast „Zukunft Rechtsmarkt“ sprach ich im Vorfeld meiner Gründung mit einigen Kanzleigründern über ihre Anfänge – natürlich ist das hilfreich und ich konnte dort Fragen stellen, die mich in verschiedenen Stadien meiner Gründung beschäftigt haben.

Meine Präsenz auf LinkedIn ist ein wichtiger Eckpfeiler für meine Kanzleitätigkeit. Mit mehreren wöchentlichen Posts habe ich in den letzten Jahren eine Community von über 10.000 Followern aufgebaut. Das Posten bei Social Media bereitet mir viel Freude, aber die damit verbundene Arbeit ist nicht zu unterschätzen. LinkedIn gibt mir die Möglichkeit, innovative Legal Tech, meine Vorstellungen von Kanzleikultur oder Herausforderungen rund um die Selbstständigkeit mit meinem Netzwerk zu teilen und zu diskutieren. Ich nehme aus diesem Diskurs viel Wissen und Inspiration mit. Auch meine Mandanten und Mandantinnen werden oft über LinkedIn auf unser Angebot aufmerksam und kommen durch Empfehlungen aus meinem LinkedIn-Netzwerk.

Welchen Rat können Sie Anwälten und Anwältinnen geben, die sich selbstständig machen möchten?

Es gibt keinen Blueprint für eine erfolgreiche Kanzleigründung. Erfolgreich gründen kann man mit oder ohne Bestandsmandate, mit großem Netzwerk oder nur wenigen Kontakten, mit Spezialisierung oder als Generalist. Wichtig ist, dass man auf seine eigene authentische Art und Weise an die Gründung herangeht. Wer sich in eine Rolle zwängt, die ihm nicht entspricht, verbraucht zu viel Energie. Das vorweg gesagt, hier meine persönliche Beobachtung: Bringt jemand nicht bereits Mandate mit, ist eine konsequente Präsenz auf Social Media ein Türöffner – das gilt umso mehr, desto sichtbarer die anwaltliche Spezialisierung ist.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

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Über die Autorin:

Dr. Nadine Lilienthal - Geschäftsführerin und Gründungspartnerin bei legaleap.law
Sie ist außerdem Mitgründerin des New Legal Network und Host des Podcasts „Zukunft Rechtsmarkt“.