Online zum LL.M. - Internationalisierung und Digitalisierung der juristischen Ausbildung

von Dr. Eva Feldbaum, Rechtsanwältin und Wirtschaftsjuristin (Univ. Bayreuth), Direktorin der SIBE Law School Nürnberg der Steinbeis Hochschule Berlin

Der Jurist von heute ist international gefordert: Die solide Kenntnis des eigenen, nationalen Rechts ist die Basis; die vielfältigen trans- und internationalen Verknüpfungen des Rechts haben zu einer Komplexität der Rechtsanwendung geführt, die an den Juristen, besonders den wirtschaftsrechtlich tätigen Juristen, darüber hinausgehende hohe Anforderungen stellt.

Das Recht ist nicht mehr in der Hauptsache national geprägt, es ist im europäischen Raum in hohem Maße supranationalisiert und darüber hinaus fordert die Globalisierung ihren Tribut. Das Recht ist in diesem Sinne „entgrenzt“. Ihrer Natur nach sind es die Handelsbeziehungen, die am signifikantesten die Tendenz zur Universalität aufweisen. Die weltweite Verflechtung der Wirtschaftsbeziehungen – Stichwort: Globalisierung – zwingen den Juristen von heute zugleich zu einer Verbreiterung und zu einer Spezialisierung seiner Kenntnisse, damit er den transnationalen Dimensionen gerecht werden kann: Er muss wissen, welches Recht bei Transnationalität des Rechtsgeschäfts zur Anwendung gelangt, muss die nationalen, europäischen und internationalen Vorgaben hierzu kennen, muss mit den prozessualen Implikationen vertraut sein und auch Grundkenntnisse wichtiger anderer Rechtsordnungen besitzen. Zumindest sollte er die Fähigkeit erwerben, sich schnell in das andere Recht einzuarbeiten. Das Gesellschaftsrecht in seinen nationalen und europarechtlichen Bezügen ist ebenso von Bedeutung wie das internationale Wettbewerbs-, Insolvenz-, Arbeits- und Steuerrecht. Allgemein gesprochen hat jedes interne Rechtsgebiet, namentlich mit wirtschaftsrechtlichem Bezug, eine transnationale (europarechtliche und internationalrechtliche) Dimension.

Das Wirtschaftsrecht ist insgesamt eine sich dynamisch entwickelnde Rechtsmaterie. Sich die Grundlagen anzueignen, Spezialthemen zu vertiefen und die aktuellen Entwicklungen zu beobachten, lässt sich neben der beruflichen Tätigkeit am besten durch Onlinestudien bewerkstelligen. Dies garantiert zeitliche Flexibilität und ist von einem festen Studienort unabhängig. Onlinestudien ermöglichen auch die unmittelbare und schnelle Kommunikation mit einer oftmals international ausgerichteten Lerngruppe und den raschen Zugang zu den nötigen Dokumenten. Dies gilt nicht nur für die Aneignung des Lernstoffes, sondern auch für die Betreuung durch die Dozenten, die online flexibler und individuell angepasster erfolgen kann.
Auch die Herausbildung eines internationalen Netzwerks, das über das Studium hinaus beruflich von besonderem Wert ist, lässt sich auf diese Weise besser erreichen.

Dabei sollte für im Beruf stehende Teilnehmer die Möglichkeit geboten werden, die studienbegleitenden Leistungsarbeiten im Rahmen von programmkompatiblen Wahlmöglichkeiten an die eigenen beruflichen Interessen anzupassen. Diskussionsforen mit anderen in- und ausländischen Teilnehmern sollten in das Studienprogramm integriert werden. Optionale Studienabschnitte im Ausland mit der Möglichkeit, Zusatzzertifikate zum Auslandsrecht zu erwerben, runden das Angebot ab.
Ein auf diese Weise vertieftes Online-LL.M.-Studium, das insbesondere die wesentlichen Bereiche des internationalen Wirtschaftsrechts abdeckt, gewährleistet, dass die Grundlagen der einzelnen Rechtsgebiete in ihren gegenseitigen Zusammenhängen systematisch erfasst und wichtige Spezialfragen praxisorientiert vermittelt werden.

Quelle NJW 33/2015